Strenge Anforderungen in NRW können umgangen werden Kritik: Deutschtests für Ärzte nicht einheitlich

Münster (WB). Ein strenger Sprachtest für ausländische Ärzte in Westfalen-Lippe führt offenbar dazu, dass einige Anwärter ihn in anderen Bundesländern ablegen und dann zum Arbeiten nach NRW kommen.

Von Christian Althoff
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

»Das ist sehr unbefriedigend«, sagt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (Münster). »Ohne ausländische Ärzte bräche unser Gesundheitssystem zusammen. Aber das darf nicht dazu führen, dass Abstriche bei Sprachkompetenz und Fachwissen gemacht werden.«

Ausländer, die als Arzt arbeiten möchten, müssen bei einer Ärztekammer einen Sprachtest bestehen (er kann beliebig oft wiederholt werden). Außerdem werden die ärztlichen Zeugnisse aus der Heimat von Bezirksregierungen geprüft. Sie erteilen dann die Approbation.

Seit 2014 führte die Ärztekammer in Münster mehr als 4000 Sprachtests durch – so viele wie keine andere Kammer. Gefordert sind ein Arzt-Patienten-Gespräch, ein Arzt-Arzt-Gespräch und eine schriftliche Diagnose. Dabei erleben Prüfer selbst bei Aspiranten, die ein Deutschzertifikat der zweithöchsten Stufe C1 vorlegen, Defizite. So schrieb ein Arzt von »grünlich Auswurf Haarfallen«. Christian Busse, Sprecher der Uniklinik Minden, bestätigt: »Trotz Approbation nehmen wir gelegentlich Sprachschwierigkeiten einiger Ärzte wahr.«

Seit 2014 wurden in Münster 50,9 Prozent der Prüfungen nicht bestanden. Bei anderen Ärztekammern ist die Durchfallquote kleiner: Sie lag zuletzt in Sachsen-Anhalt bei 36, in Berlin bei 26 und in Sachsen bei 20 Prozent. Trotzdem hat das NRW-Gesundheitsministerium die Bezirksregierungen 2014 angewiesen, Sprachprüfungen aus anderen Bundesländern anzuerkennen. Die Berliner Ärztekammer begründet ihre niedrige Durchfallquote unter anderem mit sehr guten Sprachkursen für Ärzte in Berlin. Windhorst hat daran Zweifel.

Der Ärztekammer in Münster sind drei Fälle bekannt, in denen mangelndes Deutsch und fehlendes Wissen zum Tod geführt haben sollen. Windhorst fordert deshalb bundesweit einheitliche Sprachtests, und der Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery hält eine medizinische Fachprüfung für notwendig.

15,4 Prozent der 35.218 Ärzte in Westfalen-Lippe haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. In einigen Krankenhäusern beträgt ihr Anteil mehr als 80 Prozent.

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