Jagdbilanz: Wegen Infektionsgefahr schießen Jäger mehr Wildschweine So viele Tiere wurden in NRW erlegt

Düsseldorf (WB). Auch um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest zu bannen, schießen die Jäger in NRW mehr Wildschweine. Fasane und Feldhasen werden hingegen zunehmend geschont. Denn sie haben es immer schwerer, sich zu behaupten.

Von Bernd Bexte
Wildschweine vermehren sich wegen milderer Winter einfacher. Sie wurden zuletzt von Jägern in NRW vermehrt geschossen.
Wildschweine vermehren sich wegen milderer Winter einfacher. Sie wurden zuletzt von Jägern in NRW vermehrt geschossen. Foto: imago

Das NRW-Umweltministerium hat die Bilanz zur Jagdsaison 2016/17 (bis 15. April) vorgelegt. Demnach wurden im vergangenen Jagdjahr etwa 39.000 Wildschweine erlegt (davon Fallwild: 2657). Dies sind bei anhaltend steigender Tendenz noch einmal 4500 mehr als in der Vorsaison. »Die Jäger haben einen guten Job gemacht«, sagt Andreas Schneider, Sprecher des Landesjagdverbandes NRW. Schließlich seien sie vom Ministerium aufgefordert worden, die Schwarzkittel intensiv zu bejagen.

Hintergrund ist die Afrikanische Schweinepest. Sie ist für Menschen zwar ungefährlich, bedroht allerdings Hausschweinbestände. In Tschechien und Polen seien bereits Infektionen nachgewiesen worden. 75 bis 80 Prozent der erlegten Wildschweine in NRW seien Frischlinge, also Tiere im ersten Lebensjahr. So könne die Population besser gesteuert werden. Zudem seien Wildschweine für immer mehr Schäden auf Wiesen und Äckern verantwortlich. »Eine verstärkte Reduzierung der Bestände ist notwendig«, heißt es unmissverständlich aus dem Umweltministerium.

Preise für Wildschweinfleisch gesunken

Ein Wermutstropfen für die Jäger: Aufgrund des Überangebots sind die Preise für Wildschweinfleisch im Keller. Für den Verbraucher sei das aber von Vorteil. »Denn beim Jäger in der Nachbarschaft gibt es gute Qualität zum günstigen Preis«, sagt Schneider.

Rückläufig ist hingegen die Jagdstrecke bei Feldhasen und Fasanen. Unter anderem schränke die intensive Landwirtschaft deren Lebensraum zunehmend ein. »Bei Fasanen und Rebhühnern macht uns das Insektensterben Sorgen«, sagt Schneider. Rebhühner tauchen mittlerweile nur noch als Fallwild (565 Fälle) in der Statistik auf, wurden also hauptsächlich Opfer des Straßenverkehrs. Die Gesamtstrecke bei den Fasanen ist mit 35.000 Stück erneut um sechs Prozent gesunken. Gemessen am Höchststand von 1971/72 (438.239) sind lediglich acht Prozent davon verblieben.

Waschbären und ein Rekord

Auch der Feldhase (47.055 erlegte Tiere, minus 13 Prozent) sei »Verlierer in der Kulturlandschaft«, sagt Schneider. Viele Jäger verzichteten mittlerweile auf dessen Bejagung. Wildkaninchen seien durch Seuchen dezimiert worden. Gemeinsam mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband habe man Projekte zur Steigerung der Biodiversität angestoßen.

Besonders hoch ist die Fallwildstrecke erneut bei den Rehen: Mehr als jedes vierte der 95.551 in NRW getöteten Tiere fällt in diese Kategorie. Die Zahl der erlegten Waschbären ist erneut um 27 Prozent auf 12.803 gestiegen – ein NRW-Rekordwert. Ein Schwerpunkt ist bereits seit vielen Jahren Ostwestfalen-Lippe.

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