629 Tage im Schnitt ohne Job Erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher immer länger arbeitslos

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, die eigentlich arbeiten könnten, sinkt seit Jahren leicht. Gleichzeitig sind diese Menschen jedoch immer länger arbeitslos. Kein Widerspruch, sagt die Arbeitsagentur.

Von dpa
Laut Bundesagentur für Arbeit wird es «für Personen, die aufgrund mehrerer Faktoren besondere Probleme dabei haben, eine neue Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, immer schwerer, eine Stelle zu finden».
Laut Bundesagentur für Arbeit wird es «für Personen, die aufgrund mehrerer Faktoren besondere Probleme dabei haben, eine neue Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, immer schwerer, eine Stelle zu finden». Foto: Patrick Seeger

Nürnberg (dpa) - Hartz-IV-Empfänger in Deutschland sind immer länger arbeitslos. In der Gruppe der Arbeitsfähigen, die im vergangenen Jahr auf entsprechende staatliche Leistungen angewiesen waren, lag die Dauer der Arbeitslosigkeit im Schnitt bei 629 Tagen. Dies sind 74 Tage oder 13,3 Prozent mehr als im Jahr 2011, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht.

«Die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende hat in den letzten Jahren zugenommen», sagte Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann der «Passauer Neuen Presse», die zuerst über die Zahlen berichtet hatte. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden. Die Bundesregierung überlasse damit Millionen Menschen ihrem Schicksal.

Von den knapp 6,2 Millionen Hartz-IV-Empfängern in Deutschland sind nach BA-Angaben etwa 4,4 Millionen erwerbsfähig. Diese Menschen sind nicht alle arbeitslos. Manche erhalten etwa Arbeitslosengeld II ergänzend zu ihrem Einkommen. Die Bundesagentur wies darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt seit 2011 positiv entwickle und davon alle Gruppen profitierten.

Auch die Zahl der erwerbsfähigen und trotzdem arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher sinke seit langem: Im Jahresdurchschnitt 2011 waren es noch rund 2,08 Millionen, im vergangenen Jahr dann 1,87 Millionen. Und die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei im Sommer 2016 erstmals unter eine Million gesunken.

Damit werde aber auch die Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit stärker sichtbar: «Für Personen, die aufgrund mehrerer Faktoren besondere Probleme dabei haben, eine neue Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, wird es immer schwerer, eine Stelle zu finden.» Deshalb steige deren durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit.

Denn mehr als die Hälfte der Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind, habe keine abgeschlossene Berufsausbildung. Ein Drittel der Langzeitarbeitslosen sei zudem gesundheitlich beeinträchtigt. Und mehr als ein Viertel sei über 55 Jahre alt. «Bei vielen Langzeitarbeitslosen treten zwei oder mehr dieser oder anderer Hemmnisse gleichzeitig auf.» Bei dieser Gruppe müsse von einer «verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit» gesprochen werden, die immer sichtbarer werde, je mehr sich die Arbeitslosigkeit bei allen anderen Gruppen abbaue.

Um das Risiko dauerhafter Arbeitslosigkeit zu senken, wolle die BA künftig unter anderem die Jugendberufsagenturen stärken, damit diese junge Menschen früh unterstützen könnten. Und bei Langzeitarbeitslosen mit weniger Vermittlungshemmnissen könne eine bessere Betreuung erfolgversprechend sein - «das zeigen erste Modelle, die wir in einigen Jobcentern gestartet haben».

Kommentare

Eigeninitiative -und verantwortung

Das ist mal wieder typisch, die Linken verweisen nur darauf, dass die Hartz4-Bezieher alleine gelassen würden, aber bisher hat niemand erwähnt, dass die Menschen sich selbst um Stellen und Fortbildung kümmern sollten. In den meisten Fällen ist nicht der Staat für die schlechte Lage der Person verantwortlich, sondern derjenige selbst. Lebensläufe können da schon sehr aufschlussreich sein. Nur für alleinerziehende ist es leider sehr schwierig und von denen heulen viele deutlich weniger rum, als von den anderen Hartz4-Beziehern. Wir sind ein freies Land und "ein" Preis davon ist auch, sich selbst um seine berufliche Zukunft zu kümmern und nicht nur vom Staat alles zu verlangen. Es gibt auch für Erwachsene noch viele Möglichkeiten sich weiterzubilden! Und im Rahmen der Digitalisierung wird es noch mehr Druck auf die Jobs mit geringer Qualifikation geben!!! Bildung sind also der einzige Ausweg!

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