Tipps und Hintergründe auf der 3. Online-Marketing-Konferenz Bielefeld – 900 Teilnehmer – mit Video Die Herausforderung namens Internet

Bielefeld (WB). Ein Video zeigt eine Frau. Sie schreitet langsam zwischen einer Ladenzeile, parkenden Autos und Fahrädern von links nach rechts. Alle Blicke konzentrieren sich auf die Bewegung der Frau. Nur wenige bemerken, dass sich während der Aufnahme der Hintergrund – zum Beispiel Häuserfarbe, Autos, Passanten – ständig verändert.

Von Bernhard Hertlein
Auch die dritte OMKB war gespickt mit Fachvorträgen und Workshops. Hier informiert Rene Dhemant über die Möglichkeiten und Herausforderungen bei Google.
Auch die dritte OMKB war gespickt mit Fachvorträgen und Workshops. Hier informiert Rene Dhemant über die Möglichkeiten und Herausforderungen bei Google. Foto: Lars Rohrandt

Mit dieser Neigung des menschlichen Gehirns, die Umwelt selektiv wahrzunehmen, muss die Werbung rechnen, erklärte am Freitag die Expertin und Unternehmensberaterin Astrid Kramer. Ihr Vortrag über »Neuromarketing« war einer von vielen spannenden auf der Tagesordnung der  3. Online Marketing-Konferenz in Bielefeld (OMKB). Mit gut 900 Teilnehmern erzielte die veranstaltende Quality Traffic GmbH (Bielefeld/Münster) einen Rekord. Unter den Teilnehmern waren neben Mitarbeitern von Werbeagenturen auch die Vertreter mittlerer und großer Unternehmen wie zum Beispiel aus OWL Dr. Oetker, Schüco, Arvato und Hörmann.

Das Internet stellt Marketing-Verantwortliche in Unternehmen vor immer neue Herausforderungen. Darum waren konkrete Tipps auf der OMKB besonders begehrt. Karl Kratz führte eingangs vor, wie wichtig Symbole in einer Werbung sind und wie man die Wirkung schon mit geringen Abweichungen etwa bei Emojis verändern kann. Urlaubsguru.de-Gründer Daniel Marx warb für Mut zur Kreativität: Dann könne man auch mit kleinen Budgets online viele Interessenten ansprechen.

»Brad Pitt ist wieder Single«

Nicht wenige Kunden orientieren sich heute vor einem Einkauf auch bei Google. Dort im Ranking weit vorne zu landen, ist ein wichtiges Marketingziel. René Dhemant erläuterte, dass es dafür nicht ausreiche, einige Schlüsselwörter zu benutzen. Vielmehr müssten die Texte insgesamt interessant, gut gegliedert und bebildert, verständlich formuliert und die Schrift leicht lesbar sein.

Bei den gut besuchten Vorträgen hieß es für die Konferenz-Teilnehmer manchmal auch: Mitmachen! Foto: Lars Rohrandt

Weitere Expertentipps steuerte unter anderem Felix Beilharz, Hochschuldozent und Autor mehrerer Fachbücher, bei. Dazu gehörte, was er »Echtzeit-Marketing« nannte. Ein Beispiel sei die Onlineanzeige eines Anbieters von Brautkleidern, dessen Werbung mit dem spontanen Spruch »Brad Pitt ist wieder Single« besonders erfolgreich gewesen sei.

Mehrere Redner empfahlen, vorhandene Gruppen in sozialen Medien wie Facebook zu nutzen oder selbst Online-Gruppen zu gründen. Foodspring setzt als Onlineanbieter von Sportlernahrung in besonderer Weise auf Email-Werbung. Dabei zahlt es sich nach Angaben von Lena Langhoff aus, die Kunden in den Mails persönlich, zu festgelegten Zeitpunkten und kreativ anzusprechen.

Werning rät zu Gelassenheit

Etwas überraschend: Auch Anbieter, die ihren Erfolg dem Internet verdanken, setzen zunehmend auf eine ergänzende Offline-Präsenz. So hat etwa Urlaubsguru schon vor einem Jahr in Unna ein stationäres Reisebüro eröffnet. Und bei Foodspring stellten sich klassische Postkartenaktionen als besonderes erfolgreich heraus.

Ein Thema, das derzeit allgemein viele Mittelständler beschäftigt, sorgte bei dem Workshop von Thomas Werning für einen besonders großen Zulauf. Obwohl die EU-Datenschutzverordnung seit 25. Mai 2016 in Kraft sei, habe die Wirtschaft die zweijährige Übergangszeit größtenteils nicht genutzt, um die Vorgaben umzusetzen, erklärte Werning. Dabei gebe es eigentlich keine neuen Bestimmungen. Neu seien die Dokumentationspflichten. Diese seien nicht in kürzester Zeit umzusetzen. Werning rät trotzdem zu Gelassenheit – auch wenn mögliche Abmahnkampagnen drohten. Google habe es sich sehr leicht gemacht, in dem es alle Kunden, die Google-Tools zur Sammlung und Interpretation von Daten nutzen, verpflichtet habe, selbst die notwendigen Zustimmungen der Betroffenen einzuholen.

Quality-Traffic-Chef Thorsten Piening und Keynote-Speaker Karl Kratz auf der OMKB. Foto: Lars Rohrandt

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