Uni Bielefeld: Jeder vierte in NRW unter 18 chronisch krank
Kinder auf dem Land gesünder als Stadtkinder

Düsseldorf/Bielefeld (dpa/epd). Etwa jedes vierte Kind in Nordrhein-Westfalen ist einer Studie zufolge körperlich chronisch krank. Und: Auf dem Land sind Kinder seltener krank als Stadtkinder.

Donnerstag, 07.02.2019, 03:00 Uhr
Ist die Lunge frei? Jedes zweite Kind hat mindestens einmal im Jahr einen Atemwegsinfekt. Foto: dpa

Das geht aus dem gestern vorgestellten Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK hervor. Für den Report hat die DAK die Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2016 von knapp 109.000 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahre in NRW von der Uni Bielefeld untersuchen lassen. Am häufigsten leiden chronisch kranke Kinder oder Jugendliche unter Neurodermitis und Asthma, gefolgt von Heuschnupfen und entzündlichen Darmerkrankungen.

In NRW sind demnach mehr Kinder chronisch krank als im Bundesdurchschnitt, was vor allem an der höheren Verbreitung von Heuschnupfen (plus 17 Prozent) und Asthma (plus 14 Prozent) liegt.

Atemwegserkrankungen am häufigsten

Am häufigsten werden Jungen und Mädchen der Studie zufolge wegen Atemwegserkrankungen behandelt. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) aller Kinder leide mindestens einmal im Jahr an einem grippalen Infekt oder einer Bronchitis, heißt es in der Studie. Darauf folgen Infektionskrankheiten mit 38,9 Prozent und Augenerkrankungen mit 31,1 Prozent. Jedes vierte Kind (25,9 Prozent) wird mindestens einmal jährlich wegen einer psychischen Erkrankung behandelt. Bei den nichtchronischen Erkrankungen vermerkt die Statistik, dass jedes sechste Kind einmal im Jahr mit Rückenschmerzen zum Arzt geht. Als Grund nennt die DAK unter anderem zu wenig Bewegung.

Deutliche Unterschiede machte die Studie zwischen Stadt- und Landkindern aus. Das höhere Krankheitsniveau in NRW liege vor allem daran, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland acht von zehn Kindern in städtisch geprägten Gebieten lebten, erklärten die Studienautoren. Stadtkinder leiden demnach deutlich häufiger unter extremem Übergewicht (plus 88 Prozent) sowie Viruserkrankungen und Karies (jeweils plus ein Drittel). Die Vermutung liege nah, »dass in städtischen Gebieten ein höherer Anteil von Familien mit einem tendenziell niedrigeren sozioökonomischen Status als auf dem Land lebt«, so Julian Witte vom Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie der Uni Bielefeld. »800.000 Kinder in NRW sind armutsgefährdet«, sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. »Armut macht krank, wenn keine Möglichkeiten da sind, das Kind zu fördern und zu fordern.«

Insgesamt zahlte die DAK im Jahr 2016 etwa 101 Millionen Euro für die Behandlung von Jungen und Mädchen, das waren pro Kind durchschnittlich 927 Euro. Neben den Kosten für Arzneimittel und Arztbesuche zählten hierzu Kosten für Klinikbesuche, Heil- und Hilfsmittel sowie Reha-Leistungen. Am meisten Geld zahlte die Krankenkasse für Säuglinge: im Schnitt pro Baby 1850 Euro.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6374470?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2612510%2F
Tönnies bereitet Neustart vor
Leere Lkw-Anhänger stehen auf dem Betriebsgelände von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Das Fleischwerk ist nach dem Corona-Ausbruch seit dem 20. Juni geschlossen. Die Wiederaufnahme der Produktion könnte womöglich in der kommenden Woche schrittweise erfolgen. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker