Gesundheit Experten: Deutschland braucht deutlich mehr Organspender

Erfurt (dpa) - Deutschland braucht nach Einschätzung von Fachleuten deutlich mehr Organspender. Während in Deutschland zehn Spender auf eine Million Einwohner kämen, sind es in Österreich oder Belgien etwa doppelt so viele. Das teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation mit. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz haben Österreich und Belgien andere Regeln für die Organspende. Dort sei Organspende grundsätzlich möglich, sofern ihr nicht widersprochen werde. In Deutschland gelte Schweigen dagegen nicht als Zustimmung.

Von dpa

Kommentare

Skepsis gegenüber Organspende berechtigt

Die Zurückhaltung der Bevölkerung gegenüber der Organspende ist berechtigt, denn zu groß ist die Skepsis, ob das, was die Befürworter der Organtransplantation den potentiellen Organspendern versprechen, wirklich der Wahrheit entspricht. Die bestehenden Risiken, die für mich zweifelsfrei bestehen, werden meistens verschwiegen. Da ist zunächst einmal die Unsicherheit der Diagnose des „Hirntodes“, der mit dem natürlichen Tod gleichgesetzt wird. Es sollte für jeden klar sein: Nur einem lebenden Organismus kann ein Organ entnommen werden, das dann transplantiert werden soll, denn sobald der natürliche Tod eintritt, beginnt der unaufhaltsame Zerfall- und Zersetzungsprozess aller inneren Organe, der sie für die Organspende unbrauchbar macht. Erst die irreversible Schädigung des Gehirns berechtigt zur Organentnahme. Menschen, deren Hirnfunktionen nicht mehr feststellbar sind, werden deshalb künstlich am Leben erhalten, in dem das Herz- und Kreislaufsystem sowie die Atmung stabilisiert werden. Die Organentnahme erfolgt bei einer unter Narkose (warum Narkose, wenn doch das Gehirn nicht mehr funktioniert?) durchgeführten Operation. Die beobachteten Abwehrreaktionen (Arm- und Beinbewegungen, deshalb werden auch die Patienten am Operationstisch festgebunden) werden als „Lazarus-Syndrom“ (reflexartige Reaktionen) bezeichnet, könnten aber auch als der Versuch interpretiert werden, sich gegen die Organentnahme zur Wehr zu setzen. Ferner werden Veränderungen bei den Empfängern meistens verschwiegen: Viele haben Todesphantasien, fühlen sich mit dem Spender seelisch verbunden bis dahin, dass sogar deren Charakterzüge und Vorlieben übernommen werden. Im europäischen Vergleich sind wir aufgrund der so genannten erweiterten Zustimmungsregelung vor einer nicht gewollten Organentnahme geschützt, denn nur wenn eine Zustimmung zu Lebzeiten oder im Falle eines festgestellten Hirntodes von nahen Angehörigen gegeben wird, ist eine Organentnahme erlaubt. In Österreich z. B., in dem die Widerspruchsregelung gilt, kann bereits ohne eine Zustimmung eines Angehörigen ein Organ entnommen werden, wenn der Entnahme nicht zeitlebens widersprochen wurde. Urlauber sollten also vorsichtig sein und vorher der Entnahme widersprechen, falls sie der Auffassung sind, dass für sie eine Organspende nicht in Frage kommt.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.