Not Your Muse
Celeste: Musikalisches Zuhause für die Seele

Minimalistischer Sound, wuchtiger Gesang - Soul-Sängerin Celeste wird schon länger hoch gehandelt. Nun legt die Britin ein Erstlingswerk mit Ecken und Kanten vor. Kann es dem Hype gerecht werden?

Montag, 01.02.2021, 12:36 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 13:25 Uhr
Celeste hat bei den Brit Awards den Rising Star Award gewonnen. Foto: Sophie Jones/Universal

Berlin (dpa) - Viel falsch machen kann man mit dieser Power-Stimme wohl nicht. Kritiker haben den Gesang der Soul-Musikerin Celeste bereits mit einigen der ganz Großen verglichen: Aretha Franklin, Billie Holiday, Amy Winehouse.

In der Tat reiht sich die 26-Jährige in die Tradition ein, Emotionen in leidenschaftlich und wunderschön gesungene Hits übersetzen zu können.

Ihrem ganz eigenen Stil werden die Vergleiche aber natürlich nicht gerecht. Auf ihrem Debütalbum «Not Your Muse» mischt die Britin (mit vollständigem Namen Celeste Epiphany Waite) minimalistischen Retro-Soul mit Anleihen aus R'n'B, Jazz und Pop zu einem Sound, der ihre voluminöse Stimme erstrahlen lässt.

Das hört man schon in dem ruhigen und sehr persönlichen Opener «Ideal Woman». Sanfte Gitarrenklänge und dezente Percussions tragen den warmen Gesang. Das Lied macht auch direkt klar, was diese Sängerin mit den jamaikanischen Wurzeln und dem extravagantem Kleidungsstil nicht sein kann und will: Sie sei zu stolz, zu laut, zu groß, singt Celeste - und das störe sie nicht im Geringsten.

Auch ihre Musik hat mehr Kanten, als bei Vertreterinnen des Genres sonst üblich ist. Celeste ist zwar weit entfernt vom Skandal-Image einer Amy Winehouse, packt aber genug Persönlichkeit in ihre Songs, damit diese authentisch und nicht wie aus der Soul-Konserve klingen.

Das Trennungsschmerz-Stück «Strange» etwa, für das die Sängerin den Brit Award als beste Nachwuchskünstlerin erhielt, klingt eher entrückt als zugänglich. Dafür bekommt die geschundene Seele hier ein musikalisches Zuhause - und diesem Reiz kann man sich kaum entziehen. Selbst Elton John soll die Musikerin schon als Fan gewonnen haben.

Das wohl spannendste Lied der Platte ist das märchenhaft anmutende «A Little Love», bei dem Celeste ihre stimmlichen Facetten mit Genuss ausspielt. Man hört dem Sound an, wie die Welt geradezu verzaubert wird, wie sich der Dezember, so singt Celeste, in Juni verwandelt.

Zugegeben, nicht jeder Song des Erstlingswerks der Britin ist ein Hit geworden. Celeste haucht aber jedem einzelnen ein Gefühl roher Lebendigkeit ein - und lässt damit Großes für die Zukunft erwarten.

© dpa-infocom, dpa:210126-99-173008/3

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