Grünes Deutschland
Die besten Konzepte für grüne Städte

Obwohl urbanes Grün im Zuge der Debatten um den Klimawandel gerade in jüngster Vergangenheit an Aufmerksamkeit gewonnen hat, ist grüne Baukultur nicht neu. Seit Jahrhunderten geht die Stadtentwicklung eng mit der Schaffung von Grünflächen, Parks und Stadtwäldern einher. Schon lange bevor vermittelt wurde, dass städtische Grünanlagen einen unerlässlichen Beitrag zum Klimaschutz und der Luftqualität in Städten leisten können, wurden sie als Kontrast zur eigentlichen Bebauung als Erholungsflächen errichtet.

Donnerstag, 07.01.2021, 05:43 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 09:47 Uhr
Foto: Adobe Stock – chungking

Gerade in der Bevölkerung genießen urbane Grünflächen meist über Jahrhunderte hinweg eine hohe Akzeptanz und werden geschützt. Grund ist ihre zum einen ökologische, zum anderen aber auch soziale Funktion. Sie dienen als Erholungsraum, schaffen Ruhezonen im turbulenten Stadtleben und sorgen auch in großen Metropolen für ein Stück Natur vor der Haustür.

Trotz der hohen Akzeptanz in der Bevölkerung fielen zahlreiche urbane Grünflächen vor allem in den 1990er-Jahren dem städtischen Rotstift zum Opfer. Verantwortlich dafür sind die Kosten, die nicht nur bei Errichtung grüner Baukultur entstehen, sondern ebenso dem Erhalt und der Bewirtschaftung dieser geschuldet sind.

Nachhaltigkeitsförderung lenkt Aufmerksamkeit zusehends auf grüne Städte

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Foto: Adobe Stock – ingusk

Zuletzt ist das Interesse an grünen Städten nicht nur international, sondern auch auf Bundesebene gestiegen. Nachdem Weltmetropolen wie New York eindrucksvoll bewiesen haben, wie viel Grün in eine moderne Stadt integriert werden kann , setzen auch immer mehr Städte in Deutschland auf grüne Konzepte. Dabei erfahren die Kommunen vor allem aus öffentlicher Hand breite Unterstützung.

Im Jahr 2017 wurde beispielsweise vom BfN (Bundesamt für Naturschutz) erstmals das “Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ für die Öffentlichkeit präsentiert. Umfassend gewährte das Bundesamt Einblick in bundesweit geplante Projekte, die das Naturbewusstsein gerade auch im urbanen Umfeld fördern sollen.

Doch nicht nur auf Bundesebene beschäftigt man sich seit Jahren mit dem Thema, auch jede Stadt setzt sich für sich allein mit derartigen Konzepten auseinander. Für die Delbrücker Innenstadt soll zum Beispiel ein grüner Platz als Herzstück entstehen. Auch in Bielefeld steht das Thema grüne Stadt bereits seit zahlreichen Jahren im Fokus, wie unter anderem das Programm StadtParkLandschaft beweist. Es sind zwei von vielen regionalen Beispielen, die zeigen, dass Grüne Infrastruktur in deutschen Städten präsenter denn je ist.

Grüne Stadtentwicklung erfordert innovative Ideen

Der voranschreitende Ausbau von Grünflächen in Stadtgebieten setzt eine konsequente Planung voraus. Während im Zuge größerer städtischer Baumaßnahmen Grünflächen von Anfang an eingeplant werden können, ist die Integration von Bäumen und Pflanzen in bestehende Straßen alles andere als leicht.

Lösungen wie Stadtbaum-Pflanzgruben sind daher bei Stadtvertretern gern gesehen. Durch den modularen Aufbau lassen sie sich hervorragend an die Gegebenheiten vor Ort anpassen. Die Ausrichtung auf unterschiedliche Baumarten sorgt zudem dafür, dass selbst auf engstem Raum optimale Wachstumsbedingungen geschaffen werden können.

Aktuelle Zahlen zeigen, wie bedeutsam Grüne Konzepte für eine gesunde und zukunftsorientierte Stadtentwicklung sind. So gehen Wissenschaftler längst davon aus, dass bis zum Jahr 2030 allein in Städten so viele Menschen leben werden, wie noch 1987 auf dem gesamten Erdball verteilt waren. Die stetig wachsende Bevölkerungszahl stellt die Städte auch in Deutschland vor immense Herausforderungen.

Bedarf an Ressourcen wird erheblich zunehmen

Mit der wachsenden Einwohnerzahl in den Städten wird auch der Bedarf an Ressourcen im urbanen Raum stark steigen. So wird neben dem Wasser- auch der Energiebedarf signifikant zunehmen. Weiterhin werden deutlich mehr Nahrungsmittel benötigt und die Herausforderungen für einen anspruchsvollen Lebensraum wachsen. Um diesem wachsenden Ressourcenbedarf gerecht zu werden, setzen immer mehr Städte auf den konsequenten Ausbau Grüner Infrastruktur.

Urbanes Grün leistet nicht nur einen Beitrag zum Ressourcenerhalt und nachhaltigen Lebensräumen, sondern schafft ebenso eine hohe Lebensqualität. Gleichzeitig helfen grüne Verbundräume dabei, die Entwicklung zur autofreien Mobilität voranzutreiben und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Stadtentwicklung.

Hagen geht als gutes Beispiel voran

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Wie geschickt Grüne Infrastruktur und ein modernes, von Wirtschaft geprägtes Stadtbild harmonieren können, beweist Hagen. Hagen ist die mit Abstand “grünste” Stadt Nordrhein-Westfalens. Während Städte wie Dortmund und Duisburg lediglich auf einen Waldanteil von etwa 10 bis 20 Prozent verweisen können, sind 42 Prozent der Stadtfläche Hagens grün. Der immense Waldflächenanteil beschert Hagen eine Artenvielfalt, die selbst in einigen ländlichen Gebieten nicht mehr zu finden ist. Der grüne Mantel der Stadt beschert ihr zudem eine einzigartige Vielseitigkeit und Lebensqualität.

Die durch das grüne Konzept der Stadt erhaltene beeindruckende Waldgebiet beheimatet insgesamt 24 Naturschutzgebiete, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen. So gibt es im Norden Hagens beispielsweise das Reservat Kaisbergaue, das bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen als Erholungsraum geschätzt wird. Das Reservat in Hagens Norden kann auf einem rund fünf Kilometer langen Pfad entdeckt werden.

Gelsenkirchen gehört zu den grünsten Städten Nordrhein-Westfalens

Neben Hagen hat sich vor allem Gelsenkirchen als grünes Aushängeschild Nordrhein-Westfalens einen Namen gemacht. Gelsenkirchen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Grüne Infrastruktur auch in einer von der Wirtschaft und Industrie geprägten Region umgesetzt werden kann.

Über Jahre hinweg entstand in Gelsenkirchen eine bemerkenswerte Vielfalt an Grünanlagen, die vor allem durch die zahlreichen städtischen Parks geprägt wird. In der stark von Industrie gekennzeichneten Stadt entfallen etwa 45 Prozent auf grüne Freiflächen. Um das urbane Grün auch für die kommenden Generationen zu erhalten, wurden etwa 25 Prozent der Stadt unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt und genießen damit eine besondere Aufmerksamkeit.

Gelsenkirchen zeigt eindrucksvoll, dass sich auch mit kleinen Maßnahmen Grüne Infrastruktur konsequent in den Städten umsetzen lässt. So wurden bis heute die bereits im 20. Jahrhundert geschaffenen Gartenstädte erhalten. Zudem verteilen sich insgesamt 25.500 Straßenbäume im gesamten Stadtgebiet.

Jedes Jahr bepflanzt die Stadt die Mittelinseln, die sich über das gesamte Gebiet verteilen mit Krokussen, Rosen und Narzissen und schafft es so auch, inmitten der wichtigen Verkehrsadern der Stadt für Grün zu sorgen.

Gelsenkirchen ist sich seiner historischen Besonderheiten durchaus bewusst und versucht diese auch bei der konsequenten Umsetzung Grüner Infrastruktur zu erhalten. Wie eindrucksvoll das gelingen kann, zeigt der Nordsternpark, der zu den beliebtesten Grünflächen der Region gehört. Die beeindruckende Parkanlage entstand auf einem ehemaligen Zechengelände. Die hier modern gestaltete Parklandschaft schafft einen bemerkenswerten Kontrast zu den alten Industriebauwerken.

Bremen begeistert als Deutschlands grünste Großstadt

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Foto: Adobe Stock – nikitamaykov

Zu einem der Paradebeispiele Grüner Städte in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren Bremen entwickelt. Durch zahlreiche Parks und Erholungsgebiete bietet die norddeutsche Metropole eine hohe Lebensqualität. Gerade die Einwohner der Stadt haben die zahlreichen Grünflächen schätzen gelernt und nutzen sie in der Freizeit aktiv.

Da sich die Park- und Grünanlagen über das gesamte Stadtgebiet verteilen, sind Ruhezonen im urbanen Raum immer in kürzester Zeit erreichbar. Bremen hält heute für jeden Einwohner insgesamt 44,9 Quadratmeter Grün bereit und hat sich damit deutschlandweit an die Spitze gesetzt.

Bremens Grünflächen vereinen Natur und Kultur

Doch nicht nur die Größe der Grünflächen macht die Grüne Infrastruktur Bremens aus. Der Stadt gelingt es auch eindrucksvoll zu beweisen, wie geschickt sich urbanes Grün und kulturelle Angebote miteinander kombinieren lassen. So halten viele Parks der Stadt eine Auswahl an kulinarischen und kulturellen Angeboten bereit.

Zu einem der beliebtesten städtischen Parks zählt der Bremer Rhododendronpark. Heute gilt die Fläche zu Recht als botanische Schatztruhe und ist weit über die Stadt hinaus für ihre knapp 3500 Rhododendron bekannt. Damit besitzt Bremen die zweitgrößte Rhododendronsammlung weltweit. Besonders sehenswert ist der Park im Frühling, wenn die zahlreichen Sträucher blühen.

Auch der Bremer Bürgerpark gilt allzu oft als Aushängeschild für Grüne Infrastruktur und erstreckt sich über eine beeindruckende Fläche von 200 Hektar. Er ist mittlerweile seit mehr als 150 Jahren fester Bestandteil der Hansestadt und ist im Zuge der zunehmenden Debatten um Grüne Städte in Deutschland mehr denn je im Fokus.

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