Trauer
Todesfall: Was nun?

Der Tod eines geliebten Menschen reißt Hinterbliebene emotional aus der Zeit heraus. Doch trotz der Emotionen müssen sie sich in dieser Zeit zeitnah um viele Aufgaben kümmern. Wir sagen, was nach dem Todesfall eines nahen Angehörigen neben der Trauer auf die Hinterbliebenen zukommt.

Dienstag, 01.09.2020, 01:32 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 13:39 Uhr
Der Tod eines Angehörigen hinterlässt eine Leerstelle im Leben. Zugleich fordert er die Hinterbliebenen organisatorisch. Foto: pixabay.com © Andreas Lischka

Beim Tod im Privathaushalt

Verstirbt der Angehörige im eigenen Haus, ist das Benachrichtigen eines Arztes der erste Schritt. Das können sowohl der Hausarzt als auch der ärztliche Notdienst sein. Der Arzt untersucht den Verstorbenen und hält die folgenden Daten vorläufig fest:

  • Todeszeitpunkt
  • Todesursache

Außerdem stellt er wichtige Dokumente aus, die der Angehörige im Anschluss für die weiteren Schritte benötigt:

  • Leichenschauschein
  • Todesbescheinigung

Wenn der Angehörige in einem Krankenhaus oder einem Hospiz verstirbt, übernehmen diesen ersten Schritt die Einrichtungen. Im Todesfall zuhause ist der Hinterbliebene gefragt. Hilfreich kann es hier sein, nach dem Anruf beim Arzt eine Vertrauensperson aus dem Familien- oder Freundeskreis zu kontaktieren und um Unterstützung vor Ort zu bitten.

Unterlagen bereitlegen

Älteren Menschen wird häufig zum Anlegen einer Notfallmappe geraten. In dieser befinden sich alle wichtigen Unterlagen wie beispielsweise:

  • Versicherungsscheine
  • Geburts- und Heiratsurkunde
  • Vorsorgevertrag
  • Vollmachten
  • Testament
  • weitere Verfügungen

Das hat für den Hinterbliebenen einen großen Vorteil: Nach dem Tod des Angehörigen liegt alles bereit und muss nicht gesucht werden. Das Anlegen einer solchen Notfallmappe ist für erwachsene Menschen in jedem Alter sinnvoll. Es erleichtert den Hinterbliebenen gerade in der ersten Zeit nach dem Todesfall das Agieren sehr. Gerade auch konkrete Wünsche rund um die Bestattung, die Trauerfeier, die Todesanzeige und das Aufteilen eventueller Vermögenswerte sind hilfreich.

Bestattung planen

In Deutschland ist es die Pflicht der Angehörigen sich um den Bestatter zu kümmern – das wird als Bestattungspflicht bezeichnet. Mit dem Bestatter wird abgesprochen, welche Art von Bestattung und welcher Ort für die Bestattung gewünscht ist. Hier hilft es, wenn der Angehörige weiß, was sich der Verstorbene gewünscht hätte. Es muss ein Sarg und gegebenenfalls eine Urne ausgewählt werden. Als Orte sind ein Friedhof mit unterschiedlichen Grabformen und ein Friedwald möglich. Der Bestatter kümmert sich um den Transport des Leichnams.

Arbeitgeber und enge Angehörige kontaktieren

Stirbt ein Mensch mitten im Arbeitsleben, muss der Arbeitgeber frühestmöglich über den Tod informiert werden. Auch der eigene Arbeitgeber sollte in Kenntnis gesetzt werden, damit die der Sonderurlaub geltend gemacht werden kann. Enge Angehörige sollten ebenfalls persönlich über den Tod informiert werden. Jeder Angehörige nimmt diese Gespräche anders wahr. Für einige ist es heilsam über den geliebten Menschen zu sprechen. Andere schmerzen die Erinnerungen sehr. Für diese Aufgabe kann Unterstützung sinnvoll sein. Beim Tod des Ehepartners können beispielsweise erwachsene Kinder unterstützen.

Umfeld informieren

Klassisch wird der Tod mit einer Anzeige in der lokalen Presse bekanntgegeben. Wer Familie und weit verstreute Freunde zuverlässig informieren möchte, greift auf Trauerkarten zurück. Diese lassen mit einem passenden Design personalisieren, um zum Verstorbenen zu passen. Neben religiösen und klassischen Motiven sind eigene Fotos oder Zeichnungen denkbar. Eine individuelle Trauerkarte gibt dem Verlust eine Gestalt, wenn alle Worte fehlen und informiert zuverlässig und würdevoll über die Beerdigungsfeier. Eine passende Dankeskarte gibt der Rührung über die Unterstützung Worte.

Versicherungen informieren

Die unterschiedlichen Versicherungen sollten schnell nach dem Todesfall informiert werden. Denn sowohl Lebensversicherung als auch Sterbegeldversicherung und Unfallversicherung bei einem Unfalltod haben das Recht, die Todesursache zu überprüfen. Haben sie die Gelegenheit hierzu nicht mehr, können sie die Zahlung verweigern.

Das Abmelden von der Kranken- und Pflegeversicherung kann auch eine Zeit nach dem Tod geschehen. Andere Versicherungen wie beispielsweise eine Haftpflichtversicherung müssen kurz informiert werden und enden mit dem Tod. Zu viel bezahlte Beiträge werden zurückerstattet.

Wohnraum leeren

Verstirbt ein Mensch in einem Krankenhaus, Pflegeheim oder einem Hospiz muss relativ zeitnah das Zimmer geräumt werden. Ein genaues Datum steht meistens im Vertrag und kann im Gespräch geklärt werden.

Auch bei einer alleinlebenden Person in einer Mietwohnung sollte das Räumen des Wohnraumes nicht zu lange aufgeschoben werden. So schwer das Loslassen fällt, so hilfreich ist es langfristig. Äußere Klarheit hilft vielen Trauernden.

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Die Beerdigung ist für Angehörige emotional schwer. Genaue Vorstellungen des Verstorbenen entlasten die Trauernden. Foto: pixabay.com © Carolina Booth

Sterbeurkunde

Die Sterbeurkunde muss binnen drei Tage nach dem Tod beim lokalen Standesamt beantragt werden. Für diesen Antrag sind nötig:

  • Personalausweise des Verstorbenen
  • Geburtsurkunde
  • Totenschein
  • Unterlagen zum Familienstand (Heiratsurkunde, Scheidungsurteil, …)

Testament und erben

Liegt ein Testament vor, muss dieses beim Nachlassgericht abgegeben werden. Wer das Testament nicht abgibt, macht sich der Urkundenunterdrückung schuldig. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe belangt werden sowie der Anspruch auf das Erbe verfallen kann. Das Nachlassgericht informiert die Erben in einem nächsten Schritt über einen Termin zur Testamentseröffnung. Ohne Testament tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft.

Beim Nachlassgericht muss der Erbe einen Erbschein beantragen. Dieser weist die Erbschaft offiziell nach und gibt beispielsweise die Möglichkeit auf die Konten zuzugreifen. Innerhalb der nächsten drei Monate muss das Finanzamt über das Erbe informiert werden. Neben der Erbschaftssteuer muss auch die Einkommenssteuer für den Verstorbenen bis zum Zeitpunkt des Todes von den Erben gemacht werden. Entsprechende Belege sollten gesammelt werden.

Verträge kündigen

Ein zeitnaher Überblick über Mitgliedschaften und Abonnements hilft, diese schnell zu kündigen und unnötige Kosten zu verhindern. Gekündigt werden müssen:

  • Mietverträge
  • Telefonverträge
  • Versorgungsverträge
  • Mitgliedschaften
  • Abonnements

Bleibt eine Person in dem Haus oder der Wohnung wohnen, sollten alle Verträge auf diese Person umgemeldet werden.

Anträge stellen

Häufig haben Hinterbliebene einen Anspruch auf eine Witwen- oder Waisenrente. Hier sollte zeitnah mit der Rentenversicherung Kontakt aufgenommen werden, um die Ansprüche zu klären.

Die schwerste Aufgabe: Trauern

Nach dieser langen Liste bleibt dem Hinterbliebenen die Trauer als längere Aufgabe erhalten. Eine Studie von Psychologen der Universität Würzburg zeigt, dass die ersten zweieinhalb Jahre nach einem Verlust für die meisten Trauernden am schwersten sind. In diesem Zeitraum wird eine große Nähe zu den Verstorbenen empfunden, die erst nach rund drei Jahren allmählich nachlässt. Nach drei Jahren kehren die alte Lebensfreude und die Empathie bei vielen Hinterbliebenen langsam zurück: Trauern braucht seine Zeit.

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