Gewaltloser Widerstand
Symbol des Friedens: Der Dalai Lama wird 85

Zu seinem Geburtstag schenkt das tibetische Oberhaupt der Tibeter der Welt etwas, was er zuvor noch nie getan hat. Auch verrät er sein Geheimnis, warum er in seinem Alter noch fit ist.

Sonntag, 05.07.2020, 16:55 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 16:59 Uhr
Der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, wird 85. Foto: Marijan Murat

Neu Delhi (dpa) - Er lebt schon eine Ewigkeit im Exil. Der Bauernsohn aus dem tibetischen Hochland musste 1959 als Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, vor den chinesischen Kommunisten fliehen.

Im indischen Dharamsala am Fuße des Himalajas ließ er sich nieder, reiste Versöhnung predigend um die Welt und besuchte dabei immer wieder gerne Deutschland. An diesem Montag wird der Friedensnobelpreisträger, der 2011 seine politischen Aufgaben niederlegte, 85 Jahre.

Er sei mit 85 noch körperlich sehr gesund, schrieb der Dalai Lama auf Facebook. «Ich glaube, dass das so ist, weil mein Geist friedlich ist, nachdem ich Altruismus geübt habe.» Sein Leben habe etwas Nutzen gebracht. Für viele Menschen ist der buddhistische Lehrer ein Symbol des Friedens, der Harmonie und des gewaltlosen Widerstands der Tibeter gegen China. Fünf Fakten zu ihm und seinem Tag:

SPÄTES DEBÜT: Zum Geburtstag veröffentlicht der Dalai Lama sein erstes Album überhaupt - mit Mantras, Lehren und Musik. Es heißt «Inner World» («Innere Welt») und die Idee dazu hatte seine langjährige Schülerin, die Musikerin Junelle Kunin aus Neuseeland.

Der Dalai Lama sagte: «Der Sinn meines Lebens ist es, so sehr zu dienen, wie ich kann. Musik kann Menschen auf eine Art helfen, wie ich das nicht kann.» Musik könne mehr Menschen mit der Nachricht erreichen, dass die wahre Quelle des Glücks Warmherzigkeit und Sorge für andere sei. In den Titeln geht es um Mitgefühl, Mut, Heilung, Weisheit, Reinigung, Schutz, Kinder und Menschlichkeit. Kunin und ihr Mann Abraham hatten das Album mit einem kleinen Team in Neuseeland produziert: Er komponierte die Musik und spielte mehr als 30 Instrumente selbst, hinzu kamen andere Künstler aus der ganzen Welt.

REINKARNATION: Als der Bauernsohn Lhamo Dhondup gerade mal zwei Jahre alt war, sahen buddhistische Gelehrte in ihm die Wiedergeburt seines verstorbenen Vorgängers und er wurde in Klöstern ausgebildet. So will es die Tradition der Wiedergeburt großer Lehrer im Buddhismus Tibets. Stirbt ein spiritueller Führer, wird ein Kind als Nachfolger gesucht. Dabei zählen alte Regeln, Rituale und Anweisungen des Verstorbenen. Bisher waren alle 14 Dalai Lamas tibetische Männer. Aber der jetzige Dalai Lama sagt, dass er sich auch eine Nachfolgerin verstellen könne. Einst scherzte er, vielleicht werde er als «neckische blonde Frau» zurückkommen.

NOBELPREISTRÄGER: Bereits mit 15 Jahren führte der Dalai Lama sein Volk als spirituelles und politisches Oberhaupt an, als die Chinesen in Tibet einmarschierten. Nach Jahren des Widerstands sah er sich zur Flucht nach Indien gezwungen. Rund 80 000 Landsleute folgten ihm. In Indien schufen sie sich ein kleines Tibet mit Tempeln und bunten Flaggen. Der Dalai Lama wirbt für die Rechte der Tibeter und will für sie im Dialog mit China kulturelle und religiöse Freiheiten innerhalb der Volksrepublik erreichen. Für seinen versöhnlichen Einsatz wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Doch die chinesischen Behörden sehen ihn als Separatisten, der Chinas absoluten Anspruch auf die riesige Gebirgsprovinz Tibet gefährdet, und verbieten ihm seit seiner Flucht vor mehr als 60 Jahren die Heimkehr.

FRÜHAUFSTEHER: Um 3 Uhr morgens wacht das geistige Oberhaupt der Tibeter täglich auf, wie auf seiner Internetseite steht. Er dusche und bete sowie meditiere dann bis 5 Uhr. Dann folge nach einem Spaziergang - oder wenn es regnet, einem Lauf auf dem Laufband - das Frühstück. Meist gebe es Porridge, Brot mit Marmelade und Tee. Dann folgten mehr Meditation und das Studium religiöser Texte. Er sei eigentlich Vegetarier, esse auf Reisen aber auch mal Nichtvegetarisches. Am Nachmittag sei er dann im Büro und gebe zum Beispiel Audienzen und um 19 Uhr mache er sich fürs Bett bereit.

GEBURTSTAG IN CORONA-ZEITEN: Zum 85. Geburtstag gibt es hauptsächlich virtuelle Feiern, wie auf der Internetseite der tibetischen Exilregierung in Indien steht. Einige Würdenträger gratulieren per Videobotschaft. Der frühere US-Präsident George W. Busch etwa sagte in einem Video der Exil-Regierung: «Ich bewundere Dich, ich mag Dich und ich liebe Dich.» Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte im Video: «Wir wünschen, dass du gesund bleibst und das Beste für die Zukunft.»

© dpa-infocom, dpa:200705-99-679482/2

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