Tod mit 89 Jahren
Trauer um «manuskripte»-Herausgeber Alfred Kolleritsch

«Immer der Verlust» - mit einem seiner eigenen Gedichte verabschiedet sich die österreichische Literaturzeitschrift «manuskripte» von ihrem Herausgeber Alfred Kolleritsch.

Montag, 01.06.2020, 13:16 Uhr aktualisiert: 01.06.2020, 13:18 Uhr
Alfred Kolleritsch ist tot. Foto: Irmgard Rieger

Wien (dpa) - Mit seiner Literaturzeitschrift «manuskripte» hat der österreichische Autor Alfred Kolleritsch die Karrieren von späteren Nobelpreisträgern mitgeprägt. Am Freitag vor Pfingsten ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

«Mit Alfred Kolleritsch ist einer der großen Ermöglicher österreichischer Literatur von uns gegangen», schrieb Bundespräsident Alexander van der Bellen bei Twitter. «Stets trachtete er danach, die Stimme der jungen Schriftsteller hörbar werden zu lassen und ihre öffentliche Wahrnehmung zu verstärken.»

Kolleritsch, ein promovierter Philosoph, lebte in Graz. Er arbeitete dort bis 1993 als Lehrer für Philosophie und Deutsch, schrieb aber schon seit den 40er Jahren Gedichte und Prosa. Seine erste öffentliche Lesung fand 1958 in Graz statt. 1960 gründete er die Zeitschrift «manuskripte» und schrieb selbst auch weiter. Van der Bellen würdigte ihn als begnadeten Schriftsteller. Die Zeitschrift twitterte ein Gedicht von Kolleritsch: «Erneut die Überflutung: das Licht zuerst, dann die Nacht, die Liebe immer, immer der Verlust.»

Die Zeitschrift «manuskripte» gilt als Forum der experimentellen, sprachkritischen österreichischen Literatur. Unter anderem stellten dort Peter Handke, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker oder Elfriede Jelinek Texte vor. Kolleritsch druckte auch das erste Werk des früheren tschechischen Dissidenten und späteren Präsidenten Vaclav Havel außerhalb der damaligen Tschechoslowakei. In jüngerer Zeit half sie, Autoren wie Valerie Fritsch oder Clemens Setz zu entdecken.

Zu seinem 85. Geburtstag kritisierte Kolleritsch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur APA die neue Literatur einmal: «Leider muss man sagen, das Hauptthema ist immer das persönliche Umfeld. Man ist dann ganz erlöst, wenn einmal eine Prosa kommt, die sich von denSchwierigkeiten beim Aufstehen am Morgen loslöst und weitergeht:fantasievoller und poetischer wird.» Kolleritsch erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik und das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

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