Kultur Jahrelang wie neu: So behält das frisch errichtete Eigenheim seinen jugendlichen Charme

Mit der Schlüsselübergabe beginnt eine Uhr zu laufen, wegen der sich ein Haus Tag für Tag weniger neu anfühlt. Kann man sie ausbremsen?

Sein brandneues Eigenheim zu beziehen, ist eines der größten Glücksgefühle im Leben. Doch für die meisten ebbt dieses Feeling zu schnell ab.
Sein brandneues Eigenheim zu beziehen, ist eines der größten Glücksgefühle im Leben. Doch für die meisten ebbt dieses Feeling zu schnell ab. Foto: stock.adobe.com © xartproduction

Ob man Bielefelds Baugebiet Heeperholz heranzieht, die Springbach Höfe in Paderborn oder eines der dutzenden anderen Neubaugebiete in NRW und dem südlichen Niedersachsen: Es wird gebaut in der Region. Und das nicht zu knapp. Allein 2018 entstanden in Nordrhein-Westfalen imposante 16.536 neue Wohngebäude – ein Großteil davon als Einfamilienhaus.

Doch gerade bei diesen selbstbewohnten Gebäuden gibt es auch eine Tatsache, die verblüffend dem Kauf eines Neuwagens ähnelt: Ganz am Anfang ist das „Neu-Gefühl“ überwältigend. Alles riecht neu, sieht neu aus, fühlt sich neu an. Ein wunderbares Gefühl, das jedoch für den Geschmack vieler viel zu schnell verblasst. Muss es das zwingend? Jein, denn jeder Neu-Hausbesitzer kann selbst viel dazu beitragen, das frische Gefühl länger zu konservieren – und somit nebenbei auch viel für den Werterhalt zu tun.

1) Mehr als nur Eingewöhnung? Warum das Neu-Gefühl verschwindet

Doch bevor wir an die Ratschläge gehen, zunächst ein wenig Psychologie. Denn natürlich stellt sich die Frage:

Warum nimmt dieses Neu-Gefühl beim einen schneller,
beim anderen langsamer, aber immer mit voraussagbarer
Sicherheit ab?

Tatsache ist, dass hier der Gewöhnungseffekt eine tragende Rolle spielt. Dazu muss man verstehen, dass jeder Mensch ein eigenes Level hat, auf dem er zufrieden ist; Psychologen nennen es den Set Point of Happiness, der sich nur ungenau als Sollwert der Glückseligkeit übersetzen lässt.

Einfach ausgedrückt: Wir alle haben unseren Punkt der Zufriedenheit. Alles, was von außen auf uns einwirkt, kann uns davon entfernen. Ein trauriges Ereignis lässt uns darunter rutschen, ein positives Ereignis – wie eben der Einzug ins Eigenheim – schiebt uns darüber.

Jedes Glücksgefühl ebbt irgendwann ab. Ein Schutzmechanismus unseres Gehirns, durch den wir uns auch künftig über große und kleine Dinge freuen können. Foto: stock.adobe.com © PointImages

Bloß kommt hier ein menschlicher Automatismus ins Spiel, die sogenannte hedonistische Adaption: Egal wie positiv oder negativ ein Ereignis ist, ganz gleich wie lange es anhält, über kurz oder lang pendelt sich unsere Glückseligkeit unabwendbar wieder auf dem Niveau des Set Point of Happiness ein.

Das bedeutet:

Egal wie glücklich wir über das neue Haus sind,
es wird automatisch eine Anpassung an dieses
Glücksgefühl erfolgen, sodass wir uns nach einer
gewissen Zeit nurmehr normal-glücklich fühlen.

Und das gilt auch für jedes andere Lebensereignis zwischen Lottogewinn und Trauerfall. Denn es ist ein menschlicher Psycho-Schutzmechanismus. Er sorgt dafür, dass wir uns an Situationen anpassen können, die von unserem Normalzustand weit entfernt sind – damit wir trotz negativer Lage „normale“ Zufriedenheit erleben und uns auch über künftige Ereignisse freuen können – andernfalls würde eine Glücks-Gewöhnung stattfinden und wir müssten immer stärker die Dosis erhöhen, um noch Freude zu empfinden.

Bedeutet es also, dass man sich alle Mühen am Haus also sparen kann, weil man sich sowieso automatsch gewöhnen wird? Nein, denn obgleich der Set Point of Happiness feststeht, ist es absolut möglich, den Zeitfaktor, bis sich das Gemüt wieder auf ihn einpendelt, zu verlängern.

2) Eine Sache des richtigen Bewohnens

Verlängern ist also das große Stichwort. Und in dem Begriff steckt schon die Tatsache, dass die Bewohner hier gefragt sind, selbst aktiv zu werden. Das Wie des Bewohnens des neuen Heimes spielt dabei eine tragende Rolle.

Die richtige Einstellung und wie man sie bewahrt

Kompromisse sorgen dafür, dass man ein Haus von Anfang an nicht mit voller Intensität genießt. Alles daran und darin sollte einem selbst maximal gefallen Foto: stock.adobe.com © alfa27

Und dabei muss man vor allem das bemühen, was Psychologen als Mind-Set bezeichnen, also eine Geisteshaltung. Man muss sich von Anfang an und auch danach immer wieder klar machen, dass man so lange wie möglich vermeiden möchte, dass das Haus, so neu es jetzt auch ist, in seinem Geiste zu einem gewöhnlichen Gegenstand wird.

Dazu hat man mehrere Möglichkeiten:

→      Der Wille, während der Planungs- und Bauphase keine Kompromisse einzugehen, sondern das Haus ganz genau so zu bauen, wie man es möchte – in allen Details.

→      Das genaue Memorieren des guten Gefühls in der Woche des Einzugs.

→      Das Akzeptieren, dass das Haus etwas Besonderes ist auch wenn es zeitgenössisch in Serie gebaut wurde – und darüber das Entstehen eines echten Besitzerstolzes.

Ferner gehört es zu dieser Einstellung, dass man sich im Alltag immer wieder die Zeit nimmt, sein Haus zu erleben. Nicht einfach nur heimzukommen und lapidar zu wohnen, sondern all die schönen Details aktiv zu genießen.

Personalisierung contra Musterhaus-Look

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Look, den das Haus verströmt. Denn Tatsache ist, je mehr man sein Haus im Laufe der ersten Monate personalisiert, desto mehr läuft man auch Gefahr, sich im negativen Sinne zu gewöhnen.

Dieser Punkt ist dabei besonders knifflig. Denn natürlich muss man ein Haus personalisieren, weil es unserem Gehirn sonst schwerfällt, sich hier richtig fallenzulassen – das Haus fühlt sich dann immer etwas wie ein Hotel an, es stellt sich keine Heimeligkeit ein.

Aber man sollte versuchen, es langsam anzugehen und abermals jedes Detail genau abzuwägen, keine Einrichtungs-Kompromisse einzugehen (etwa, weil nach dem Einzug Ebbe auf dem Konto herrscht). Dann lieber für eine gewisse Zeit Mut zur Lücke zeigen und warten, bis man sich eine endgültige Detaillösung anschaffen kann.

Stichwort Einrichtung: Wenn der Zeitgeist abebbt

Jeder Wohntrend hat sein Ablaufdatum, nach dem er alt wirkt. Dagegen kann man nur ansteuern, wenn man konsequent zeitlos einrichtet – nur dann fühlt sich das Haus immer zeitgenössisch an Foto: stock.adobe.com © 4th Life Photography

Damit sind wir auch bei einem weiteren wichtigen Faktor: Dem Stil der Einrichtung. Natürlich hat jede Epoche auch ihren Einrichtungszeitgeist, da machen die angebrochenen 2020er keinen Unterschied .

Doch es gilt eine uralte Regel:

Je zeitgeistiger eine Einrichtung ist, desto
altbackener wird sie anmuten, wenn der Trend
dereinst abgeebbt ist – und jeder Trend endet
irgendwann mit absoluter Sicherheit.

Wer das nicht glaubt, stelle sich kurz den Glasbaustein-und-Neonlicht Look aus Badezimmern der 1980er vor. Damals der letzte Schrei, heute noch nicht mal mehr retro-cool.

Bedeutet: Bei der Einrichtung sollte man alles daransetzen, so zeitlos wie möglich zu sein. Das gilt für alles zwischen Deckenfarbe und Bodenbelag. Ja, das ist knifflig, aber ein sehr scharfes Schwert.

Das alltägliche Chaos und seine Folgen

Was empfindet man, wenn man in eine Küche kommt, in der noch die Töpfe in der Spüle stehen oder ein Wohnzimmer, durch das gerade eine Bande von kleinen Wirbelwinden getobt ist? Es fühlt sich nicht gut an. Just das ist auch eine langfristige Gefahr, denn:

Jeder Fall von Unordnung hinterlässt im Gehirn
einen Abdruck negativer Assoziationen.

Bedeutet, je häufiger das Haus, oder auch nur einzelne Räume, unordentlich sind, desto eher ebbt das Glücksgefühl ab. Übrigens nicht nur, weil die Unordnung selbst unschön aussieht, sondern weil unser Gehirn sie auch mit der notwendigen Aufräumarbeit kombiniert.

Dünste, Düfte und Gerüche

Auch Wohlgerüche können ins Gegenteil kippen. Zumindest hat alles von Kochdunst bis Rasierwassergeruch das Zeug dazu, eine zu persönliche Duftnote ins Haus zu bringen. Foto: stock.adobe.com © Photographee.eu

Die allermeisten Menschen lieben Neu-Geruch. Die Liebe ist so groß, dass es Sprays, Kerzen, Duftbäume fürs Auto gibt, die alle versprechen, diesen Geruch zu verströmen.

Das hat weniger mit Wohlgeruch zu tun – klammert man einen frischen Holzboden aus, sind die im neuen Haus vorkommenden Farb- und Kunststoffgerüche ja keine sonderlichen Nasenschmeichler – sondern abermals mit der Verbindung, die unser Gehirn zieht: Neu-Geruch = Neuzustand.

Natürlich, die Neu-Gerüche im Haus wird man nicht lange erhalten können; die allermeisten Utensilien sind ja auch so konzipiert, dass ihr Eigengeruch rasch verschwindet. Was man aber tun kann, ist, das Gegenteil zu vermeiden:

→      Beim Kochen immer das Dunstabzugssystem nutzen, egal wie kurz der Kochvorgang ist.

→      Jeden Tag zweimal sorgsam mit weit offenen Fenstern lüften – sollte man wegen der Luftfeuchtigkeit sowieso tun.

→      Häufig Putzen, aber dabei keine Reiniger mit intensiven Gerüchen („Frühlingswiese“, „Herbstwald“) nutzen.

→      Nicht rauchen, nicht dampfen.

Auf diese Weise schafft man es zumindest, dass das Haus lange neutral riecht und darüber je nach Materialien sogar, dass der Neu-Geruch länger anhält.

Bitte nicht übertreiben

Allerdings sei das alles nur unter einer Maßgabe angeraten: Es nicht übertreiben. Man befindet sich auf der Suche nach dauerhaftem Neuzustand auf einem schmalen Grat. Auf dessen falscher Seite wartet ein Haus, an das man sich nie richtig eingewöhnt, weil es einfach zu neu wirkt und man mitunter Angst bekommt, daran etwas zu ändern.

3) Kleine Pflege, große Wirkung

Wir haben es bereits ganz kurz bei den Reinigungsmitteln angeschnitten: Sein Haus zu pflegen, macht einen signifikanten Unterschied aus, ob es sich rasch wie ein normales Gebäude anfühlt oder man längeren Neu-Stolz erfahren darf. Doch Hauspflege ist eine immerwährende Aufgabe.

Was regelmäßiges Aufräumen leisten kann

Leben hinterlässt immer Unordnung – nicht nur bei Kids. Der Trick ist, kleine Unordnungen nebenbei zu beseitigen, bevor man sich daran gewöhnt und das Neu-Gefühl leidet. Foto: stock.adobe.com © Krakenimages.com

Chaos demoliert das Neu-Gefühl, das wurde bereits festgestellt. Doch was tun, wo Leben nun mal verhindert, dauernd in einem perfekt aufgeräumten Umfeld zu wohnen? Ganz einfach: Konsequent und dosiert aufräumen.

Viele machen den Fehler und lassen es zu, dass sich Unordnung und Schmutz erst ansammeln, bevor sie reagieren. Just das ist falsch:

→      Hat man gegessen, wandert das Geschirr direkt in die Spülmaschine, wird der Tisch abgewischt.

→      Tragen Kids oder Bello Schmutz ins Haus, wird der entfernt, bevor er eintrocknet.

→      Hat man Wäsche gemacht, bleibt der volle Korb nicht tagelang im Schlafzimmer stehen, sondern es wird konsequent weggeräumt.

Diese Liste könnte man lange fortführen. Immer gilt dabei jedoch die alte Lehre von Aus den Augen, aus dem Sinn, die man hiermit ins Positive verkehren kann – statt simpler Vergesslichkeit.

Vom Dach bis zur Sockelfarbe: Wartung und Pflege

Die meisten Menschen werden wissen, was Mutter Natur in Zusammenspiel mit dem Faktor Zeit anrichten kann – der Hauptgrund, warum beispielsweise derzeit die St. Dionysius-Kirche in Preußisch Oldendorf auch die Fenster saniert bekommt – sie waren durch die jahrzehntelange Wasser-Einwirkung durch ein schadhaftes Dach beschädigt worden.

Was bei Sakralbauten passiert, kann so ebenfalls beim Einfamilien-Neubau geschehen – und je nach Art der Natur-Einwirkung sogar rasend schnell. Von Tag eins an sollte man deshalb gewillt sein, a) pflegend einzugreifen und b) niemals einen Fehler warten zu lassen.

  1. Insbesondere bei Häusern mit Wärmedämm-Verbundsystem sollte man alle zwei Jahre eine Fassadenreinigung durchführen (lassen), um die hier höhere Gefahr durch Bewuchs einzudämmen – das gilt auch, wenn es keine Fassadendämmung gibt, dafür aber einen rauen Putz, der Feinstaub und Co. besonders gut einfängt.
  2. Für das Dach sollte man einen Wartungsvertrag abschließen. Hier wirken so viele Belastungen ein und können sich Schäden bis in den Keller auswirken, dass nur eine regelmäßige Profi-Kontrolle/-Wartung schützt.
  3. Rings um den Sockel sollte man nach Möglichkeit keine Beete anlegen, keine Blumentöpfe und dergleichen aufstellen, sondern einen versiegelten Bereich von mindestens 50 Zentimetern anstreben – jedes Wässern benetzt sonst den Sockel und lässt auch Matsch-Spritzer darauf landen.
  4. Am Winterende sowie davor sollte man sorgsam die Fassade auf Risse kontrollieren und diese sofort schließen, bevor Wasser eindringen und sein zerstörerisches Werk beginnen kann.

Und: alle zehn Jahre sollte man die Fassade streichen (lassen). Auch wenn die Farbe noch gut aussieht. Witterung und vor allem Luftschadstoffe setzen auch modernen Farben zu, sodass diese die darunterliegenden Mauerschichten nicht mehr adäquat schützen können – der eigentliche „Job“ der Fassadenfarbe, noch vor der optischen Gestaltung.

Wenn Unkraut die Außenwahrnehmung stört

Den Kampf gegen Wildwuchs darf man nie aufgeben. Gewinnen kann man zwar nicht, aber zumindest so eindämmen, dass es nie zu viel wird. Foto: stock.adobe.com © Jens Rother

Es ist schon ein Kreuz mit der Außenzone des Hauses… egal wie sorgsam die Gehwegplatten zur Haustür verlegt wurden, egal wie gepflegt die Bäume auch in Form gestutzt waren, als die Gärtner sie anlieferten, schneller als einem lieb ist, wird Mutter Natur das tun, was sie immer tut: Nach eigenem Gusto wachsen.

Und das ist selten das, was man als Hausbesitzer wünscht. Bloß wenn man bei entsprechender Witterung zum x-ten Mal innerhalb eines Monats Fugen leergekratzt, den Thuja mühselig wieder kugelig geschnitten hat, neigt man oft dazu, zu resignieren. Das gilt besonders für Menschen, die zuvor nur zur Miete wohnten und mit der Außenpflege nicht viel zu tun hatten.

Leider jedoch gilt:

Mit möglichst langem Neu-Gefühl im Sinn darf man vor
Mutter Natur niemals die Segel streichen

Egal was man tut, Unkraut und Wildwuchs werden immer wieder kommen. Das einzige, was man tun kann, ist mit der gleichen Hartnäckigkeit dagegen vorzugehen – alles andere lässt das Haus bloß schnell optisch altern.

Mit einem Wisch ist… oft großer Schaden abgewendet

Schmutz ist nicht immer sichtbar. Um das an der Fassade zu erklären:

1. Die Fassade sammelt unsichtbar den Schmutz aus der Luft.

2. Der wirkt wiederum wie ein Speicher für CO2 und Stickstoff aus der Luft.

3. Diese Stoffe ernähren Algensporen, die von der Luft herangetragen werden .

Erst wenn der Grünbelag wächst, wird er sichtbar – dabei war schon lange zuvor eine schmutzige Grundlage vorhanden.

Und nach dem gleichen Prinzip läuft es auch im Innenraum ab: Überall gibt es „Lebensschmutz“, der sich unsichtbar ansammelt und so entweder selbst wirkt oder über eine Verkettung von Prozessen.

Auch das bedingt eine einfache Regel: Feucht wischen sollte man auch dann regelmäßig, wenn man keinen Schmutz erkennen kann – er ist immer da. Und gleichsam sollte man sich auch nie allein auf die beworbenen Fähigkeiten eines Staubsaugers verlassen – zumal der auf vielen Böden das Potenzial hat, mittelfristig Kratzer zu hinterlassen.

Öfter mal den Pinsel schwingen

Einzelne Räume zu streichen dauert insgesamt kürzer als ein ausgiebiger Hausputz, meist nur zwei bis drei Stunden. Dafür erntet man aber Wände, an die man sich nie ganz gewöhnt Foto: stock.adobe.com © Monkey Business

Wir kommen zum finalen Punkt. Er ist in diesem Sinne ein Trick, weil er den Ist-Zustand verändert. Aber er ist genau deshalb auch sehr machtvoll bei der Jagd nach einem langwährenden Neuzustand.

Es sind die Farben der Innenräume. Denn ganz gleich ob sie nun sehr intensiv oder eher pastellig-neutral sind, sie haben alle in unseren Köpfen eine recht gleiche Gewöhnungsdauer, während der sie sich noch neu anfühlen.

Doch weil die Wände so große Flächen sind, die sich vom Boden bis zur Decke ziehen, sind sie auch beim Wohnen dauerhaft präsent – die Deckenfarbe sieht man nur, wenn man hochschaut, die Farbe der Arbeitsplatte in der Küche bemerkt man nur, wenn man darauf Essen zubereitet. Die Wände hingegen sieht man immer und überall, zumindest aus dem Augenwinkel.

Just das sollte auch ein Anlass sein, regelmäßig hier „auf Null zu resetten“, das heißt, Schalter und Leisten abzukleben, Möbel in die Raummitte zu schieben und sich mit Farbrolle und Pinsel zu betätigen.

Den größten Effekt erzielt man natürlich, wenn man für eine Wand eine gänzlich andere Farbe wählt. Aber selbst, wenn man den Ton nur in (merklichen) Nuancen verändert, macht es für unsere Wahrnehmung einen großen Unterschied – zumal man bei der Gelegenheit natürlich auch regelmäßig den bereits erwähnten Geruch eines frischen Anstrichs in die Räume bringt.

Fazit

Von dem Moment an, an dem man sein brandneues Haus bezieht, tickt die Uhr der Eingewöhnung und damit beginnt auch das Verblassen des Neubau-Gefühls. Gänzlich verhindern kann man es leider nicht, nur verzögern. Das erfordert tägliche Arbeit und auch einen Willen, sein Haus niemals gänzlich zum reinen Nutzgegenstand werden zu lassen.

Allerdings muss man sich bei allem Wunsch nach ewiger Haus-Jugend auch eingestehen, dass es auf Dauer keinen Sinn macht, sich konsequent nur auf Zehenspitzen durch sein Eigenheim zu bewegen. Denn das sorgt nur dafür, dass das Neu-Gefühl sich in ein langfristig unangenehmes Dauergast-Gefühl wandelt. Und sich in einem ureigensten Rückzugsort fremd zu fühlen, ist mit Abstand der schlechteste mögliche Tausch.

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