Autorin Greta Silver spricht über Lebensfreude jenseits der 70 Jahre – Lesung am Sonntag in Paderborn
„Jugendwahn war gestern“

Paderborn (WB). „Jugendwahn war gestern. Heute rockt das Alter!“ Greta Silver tritt für ein aktives, erfülltes Leben jenseits der 70 an. Am kommenden Sonntag, 8. März, kommt sie nach Paderborn und liest aus ihrem Buch „Alt genug, um mich jung zu fühlen.“

Donnerstag, 05.03.2020, 16:56 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 06:00 Uhr
Greta Silver ist Youtuberin, Bestsellerautorin und Best-Age-Model. Foto: Lotto Fotografie

Die 72-Jährige, die ihren wirklichen Namen geheimhält, ist Youtuberin mit 22.300 Abonnenten, Bestsellerautorin, Speakerin, Best-Age-Model und hat sogar einen eigenen Podcast. Mit Sonja Möller sprach die Hamburgerin darüber, warum das Alter so cool ist, worin die Chancen liegen und was erste Schritte auf dem Weg in ein erfülltes Leben sind – egal in welchem Alter.

Du sagst sagst selbst: Im Netz duzt man sich. Sollen wir das im Interview auch so machen?

Greta Silver: Ich bitte darum! Das erleichtert die Sache ja wesentlich.

 

Stell’ Dich mal kurz für unsere Leser vor: Wer ist Greta Silver? Wofür geht sie los?

Silver: Greta Silver erzählt der Welt, wie toll es ist, alt zu sein, und was wir für Chancen haben, ein leichtfüßiges Leben zu leben. Nicht nur im Alter! Die Zeit von 60 bis 90 ist genau so lang wie die Zeit von 30 bis 60. Wir bekommen nochmal ein Lebenspaket geschenkt – ohne Stress und mit einem unglaublich tollen Lebens-Know-How. Das ist ein Sprungbrett für all das, was wir tun wollen! Es ist ein Aufzeigen von Möglichkeiten und kein „Du musst!“ Das ist mir wichtig. Ich möchte nur aufzeigen, was möglich ist und die Kostbarkeit von Lebenserfahrung definieren.

 

Wie ist Dein Eindruck: Sehen ältere Menschen das denn negativer?

Silver: Die Alten, zu denen ich mich zähle, klappen das Buch zu und sagen: „‚Jetzt brauche ich einen Rollator. Jetzt muss ich nichts Neues mehr anfangen.“ Ich sage dann, stellt euch mal einen 90-Jährigen vor. Sah der so aus wie Helmut Schmidt? Bei ihm hat keiner gesagt, jetzt ist seine Aussage nicht mehr so viel wert, weil er im Rollstuhl sitzt. Er blieb Staatsmann. Die Würde ist nicht abhängig vom Rollator und der Treppenlift führt nicht direkt in den Sarg. Es ist immer schon so gewesen, dass wir uns Helferlein genommen haben. Kein Mensch hat in jungen Jahren gejammert „Wie schade. Ich bin nicht mehr in der Lage, die Wäsche mit der Hand zu waschen. Jetzt brauche ich eine Waschmaschine.“ Wir bewerten die Hilfsmittel nur so schrecklich. Es sind die Gedanken und Bewertungen in unserem Kopf, die uns fertig machen.

 

Was macht das Alter denn so cool?

Silver: Man bekommt Gelassenheit geschenkt. Ich muss nicht mehr im Wettbewerb stehen. Ich muss meinem Nachbarn nichts mehr beweisen, oder meinen Eltern, meinem Chef, meinem Partner, meinen Kollegen. Heute kann ich Sachen einfach ausprobieren. Wenn ich nach einem halben Jahr feststelle, das ist doch nichts für mich, ist das kein Fehler. In jungen Jahren wird gesagt „Na, was probiert die denn alles aus?“ Diese blöden Bewertungen gibt es im Alter nicht mehr. Man macht sich nicht für Quatschkram verrückt. Niederlagen und Krisen gehören zum Leben dazu. Wir haben sie durchlitten, durchlebt und daraus gelernt. Ich vergleiche das gerne mit Fußball: Wann geht der Spieler erfolgreich vom Platz? Doch nicht, wenn die Gegner an die Seite gesprungen sind und der Torwart sagt „Hier ist das Tor“. Sondern wenn er sich durchgewuselt hat und drüberweg und an der Seite vorbei. Dann sagt er „Wow“. Und solche Situationen haben wir in unserem Leben doch haufenweise gehabt. Es gibt kein Leben ohne, behaupte ich.

 

Du strahlst pure Lebensfreude aus. Hast Du einen Tipp für Menschen, die sich alt fühlen und denen diese Energie fehlt?

Silver: Wir kennen alle das Zitat „Egal, was Du denkst, Du wirst recht behalten“ von Henry Ford. Die Hirnforschung kann das heute messen und sagen: „Dein Gehirn wird alles tun, damit Du recht behältst.“ Wenn Du also denkst, jetzt bin ich alt, jetzt kommt nichts mehr, wird dein Gehirn so vorsortieren wie eine Google-Suchmaschine. Und dann ist das auch so. Du kannst das aber genausogut umdrehen und anders nutzen. Du kannst sagen „Ich bin mal gespannt, was da Schönes passiert“.

 

Hast Du einen Tipp für unsere Leser? Wie fängt man an?

Silver: Erstmal sollte man sich bewusst machen, wovon wir sprechen, wenn wir Alter meinen: Das sind nochmal 30 Jahre. Das ist nicht mit Absitzen gelöst. Da kommt kein anderer vorbei, der das für Dich regelt, sondern nur Du selbst kannst die Verantwortung übernehmen fürs Glück. Auch zu wissen, dass wir Herr unserer Gedanken sind, hilft. Wir und unser Leben sind unglaublich kostbar. Wir müssen uns vor gar nichts fürchten oder klein machen oder klein machen lassen. Da können wir die Entscheidung übernehmen, dem Leben und den Menschen zu vertrauen.

 

Mit 66 Jahren hast Du Deinen Youtube-Kanal „Zu jung fürs Alter“ gestartet. Da gehen andere in Rente. Wie ist es dazu gekommen?

Silver: Das war ganz harmlos wie so oft im Leben. Eine junge Freundin von mir sagte: „Mensch, Du musst der Welt da draußen mal erzählen, warum es so toll ist, alt zu sein. Das weiß nämlich keiner. Du lebst das irgendwie anders.“ Sie hat mir geraten, einen Youtube-Kanal zu machen. Ich kannte Youtube nur vom Musik hören oder Tutorials anschauen. Aber am nächsten Tag habe ich einen eigenen Youtube-Kanal aufgemacht. Das ist ganz einfach. Und einen Film reinzustellen, ist auch einfach. Gefunden zu werden in dem Riesen-Netz, dass mir vorkam wie ein schwarzes Loch, das hat dann ein halbes Jahr gedauert.

 

Heute schreibst Du Kolumnen, bist Speakerin, Bestseller-Autorin, hast einen eigenen Podcast und gibst Seminare. Was begeistert Dich daran?

Silver: Mich begeistert vor allem, dass ich etwas Sinnvolles tue, das im Leben der anderen etwas bewirkt. Das habe ich doch gar nicht geahnt, als ich angefangen habe! Es gibt Menschen, die sagen: „Ich habe Dein Buch gelesen und jetzt schaue ich so viel liebevoller in meine Vergangenheit.“ Ist das nicht toll? Allein durchs Verstehen meiner Worte. Es ist ja nicht so, dass ich Anleitungen gebe, bei denen man erstmal drei Jahre üben muss. Sondern man bekommt eine neue Blickrichtung der Gedanken. Und das verändert schon so viel.

 

Was meinst Du damit genau?

Silver: Wenn ich Freude wie Konfetti in mein Leben streue, kommt das auf mich zurück. Das heißt, ein liebes Wort zum Busfahrer, zur Kassiererin im Supermarkt – dann ist sofort eine andere Stimmung da. Einfach mal ein Kompliment machen oder sich für die Geduld bedanken und – schwupps – ist da ein Lächeln und eine andere Leichtigkeit. Dein Umfeld wird immer in Resonanz sein, egal wie Du Dich gibst.

 

Du bist sogar Protagonistin eines Films über das Alter, der auf der Uno-Homepage zu finden ist. Wie ist es denn dazu gekommen?

Silver: Ich kann es immer noch nicht fassen! Ich bin ja nicht zum Mond geflogen. Mit meinem ersten Buch war ich in Talkshows und Printmedien. Alle waren mir so wohlgesonnen. Davon hatte das Kamerateam in Chile gehört. Das war von der Uno beauftragt, weltweit Sachen zu finden, wie andere Länder mit dem Alter umgehen. Als der Kontakt anfing, dachte ich, da erlaubt sich jemand einen Spaß. Dann kamen aber tatsächlich alle Mann rübergeflogen und haben mich einen Tag begleitet. Wir hatten verschiedene Stationen besucht, die ich mir vorher überlegt hatte. Dann bekam ich einen Link und sollte Untertitel freigeben und plötzlich gab es diesen Film mit dem Bundesadler.

 

Beschreib doch mal Dein Leben vor Deiner Youtube- und Autorinnen-Karriere? Wie hat Greta Silver gelebt?

Silver: Ich war 17 Jahre Hausfrau und Mutter. Mit drei Kindern, Mann, Hund und Marmelade kochen. Ich war eine gesellschaftlich angepasste, durchaus glückliche Frau. Ich habe mich nicht gefragt, ob ich glücklich bin oder nicht. Wenn meine Kinder im Urlaub glücklich waren und mein Mann nicht die Nerven verloren hat, weil die Kinder gereizt waren, war das für mich ein glücklicher Tag. Durch mein Umfeld habe ich ab und an signalisiert bekommen, ich bin ein bisschen zu viel. „Kannst Du nicht mit dem zufrieden sein, was Du hast?“, haben sie gefragt. Nein! Ich will mehr Nähe, ich will alles intensiver. Ich merkte, dass das Angepasste nicht wirklich meins war. Ich hab nur Abitur, sonst nichts. Dann habe ich mich mit Ende 40 selbstständig gemacht. Erst mit Einrichtungsprojekten bis zum Vier-Sterne-Hotel. Dann kam die Arbeit als freie Journalistin, ich hatte mein eigenes PR-Büro für große Konzerne und habe Projektmanagement und Projektentwicklung für sehr große, ungewöhnliche Kongresse gemacht. Mit 60 Jahren bin ich Model geworden und mit 66 Youtuberin. Mit meinem Mann hatte ich schon länger keine glückliche Beziehung mehr, auch wenn alles harmonisch war. Ich habe mir Hobbys und Freundschaften aufgebaut und alleine für mein Seelenheil gesorgt. Seit zehn Jahren sind wir getrennt, seit mehr als zwei Jahren geschieden. Da habe ich nochmal meine Flügel ausgebreitet. Heute lebe ich alleine.

 

Du kommst das erste Mal nach Paderborn. Auf was dürfen sich die Zuhörer freuen?

Silver: Jeder, der leichtfüßig durchs Leben gehen will, ist richtig. Der erkennen will, was im Alter alles machbar ist. Es ist ja nicht wirklich eine Lesung. Ich lese nur eine Seite im Buch und dann springe ich quer durchs Buch. Die Tiefe holen sich die Zuhörer beim Lesen. Ich mache einfach neugierig, wie man angstlos wird und wie man Verletzungen loswird.

 

Gibt es auch persönlichen Kontakt zu Deinen Fans?

Silver: Na klar! Ich begrüße jeden an der Tür und schnacke mit allen. Das ist mir so wichtig. Weil ich alle nur aus dem Internet kenne. Ich freue mich richtig, mal mit denen zu schnacken. Und hinterher signiere ich die Bücher. Ich schreibe nicht nur meinen Namen, sondern immer noch einen Spruch dazu, der mir einfällt.

 

Wenn ich Dich in fünf Jahren treffe: Was hast Du dann erreicht?

Silver: Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, es wird immer noch größer, noch breiter, noch wahnsinniger. Ich hätte mir die letzten fünf Jahre doch auch nicht im Traum vorstellen können. Klar habe ich beim Podcast nochmal gezögert und gefragt: „Musst Du wirklich alles mitmachen?“ Bis ich mich grinsend wiederfand und dachte, „geil wäre das schon, wenn du das könntest“.

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