Die ersten Leihgaben für die Rubens-Ausstellung sind in Paderborn eingetroffen – mit Bilderstrecke Meisterwerke des Barocks

Paderborn  (WB). Das Dorf Wouw im Süden der Niederlande kennen nur die wenigsten. Dabei beherbergt die Kirche Sankt Lambertus wahre Kunstschätze. Fünf barocke Skulpturen des Chores werden bei der Ausstellung „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ vom 29. Mai an in Paderborn zu sehen sein. Am Mittwoch wurden sie in der Werkstatt der Restaurationsfirma Ars colendi ausgepackt und untersucht.

Von Dietmar Kemper
Christoph Stiegemann, Wim Broojmans und Matthias Rüenauver (von links) mit den barocken Skulpturen, die zu den Höhepunkten der Rubens-Ausstellung in Paderborn zählen werden. Sie wurden Ende des 17. Jahrhunderts geschaffen.
Christoph Stiegemann, Wim Broojmans und Matthias Rüenauver (von links) mit den barocken Skulpturen, die zu den Höhepunkten der Rubens-Ausstellung in Paderborn zählen werden. Sie wurden Ende des 17. Jahrhunderts geschaffen. Foto: Oliver Schwabe

Die Skulpturen stammen nicht von Rubens selbst, sondern von dem Künstler Ludovicus Willemssens aus dem Umfeld des Meisters. Ludovicus Willemssens und sein Bruder Antonius hielten sich Mitte des 17. Jahrhunderts sechs Jahre lang in Paderborn auf und brachten im Auftrag des Paderborner Fürstbischofs den flämischen Barock in den Dom. Ihr Meisterwerk war das zentrale Altarbild mit der Darstellung der Geburt Christi und der Anbetung der Hirten, das samt der zwei Seitenaltäre zwischen 1656 und 1658 entstand. Nach den beiden Bombenangriffen vom 17. Januar und 27. März 1945 waren davon nur noch Fetzen übrig geblieben. Für die Ausstellung im Paderborner Diözesanmuseum werden die großen und kleinen Leinwandfetzen wieder zusammengesetzt.

Im 17. Jahrhundert geschaffen

Die Skulpturen aus Eichenholz, die am Dienstag in Paderborn eintrafen, gehörten „zum Bedeutendsten, was im 17. Jahrhundert von flämischen Künstlern geschaffen wurde“, schwärmt der Leiter des Diözesanmuseums, Christoph Stiegemann. Die lebendig wirkenden, hocheleganten Skulpturen stellen zwei weibliche Allegorien der göttlichen Liebe und des Glaubens sowie den Abt Gerhard von Clairvaux (1120-1177) und den Kardinal Giovanni Bona (1609-1674) dar. Sie gehörten dem Zisterzienserorden an, Abt Gerhard starb als Märtyrer, Kardinal Bona beförderte die Liturgiewissenschaft. Zu den Skulpturen gehört ein Fragment, das zwei Engel zeigt, die den Kopf des Heiligen Martin von Hinojosa (gestorben 1213) halten. Dessen Rumpf blieb nicht erhalten.

Bilder vor Soldaten vergraben

Fast wären auch alle 30 Skulpturen im Chorgestühl von Sankt Lambertus verloren gegangen. Die Gemeinde hatte sie noch rechtzeitig in der Erde vergraben, bevor die Kirche von deutschen Soldaten 1944 am Rande der Scheldeschlacht zerstört wurde. Christoph Stiegemann will das Schicksal des Paderborner Doms und der Kirche in den Niederlanden in der Ausstellung aufgreifen: „Die sinnlosen Zerstörungen hier wie dort sind die Klammer.“ Aber im Mittelpunkt der Schau, die vom 29. Mai bis 25. Oktober 2020 zu sehen sein wird, werden Rubens, die Kunst des Barocks, das Wirken der Brüder Willemssens in Paderborn und die Rolle der Jesuiten stehen. Die Jesuiten wollten nach der Reformation die Menschen dadurch für den Katholizismus gewinnen, dass sie ihnen mit Hilfe der Kunst überwältigende Sinneseindrücke boten. Verschwenderischer Einsatz von Stuck und Heiligenfiguren, in deren Gesichtszügen sich Verzückung oder tiefes Leid widerspiegeln, machten aus Kirchen Orte des Religionstheaters. Nicht ohne Grund traf als eine der ersten Leihgaben eine zwei Meter große und knapp 900 Kilogramm schwere Marmorskulptur des Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, in Paderborn ein. Sie stammt aus den Königlichen Sammlungen in Den Haag.

Keine Holzwürmer

Der Zustand der fünf Skulpturen aus Wouw, die Ludovicus Willemssens nach seiner Rückkehr nach Antwerpen in den 1690er Jahren schuf, ist gut. „Wir werden den Schimmel und Staub entfernen, die Skulpturen leicht reinigen und Teile, die sich gelockert haben, wieder richtig befestigen“, kündigte der Geschäftsführer von Ars colendi, Matthias Rüenauver, an. Holzwürmer hätten die Skulpturen nicht befallen, stellte der Restaurator zufrieden fest.

Noch bis zu 150 Exponate erwartet

Den Transport nach Paderborn hatte Wim Broojmans von der Pfarrei Unserer Lieben Frau in Wouw begleitet. „Wir sind froh, dass die Skulpturen restauriert und gereinigt werden – sie kehren in einem besseren Zustand nach Wouw zurück, als sie nach Paderborn gekommen sind“, sagte er.

Für die Rubens-Schau werden noch viele Exponate in Paderborn eintreffen. Kuratorin Karin Wermert erwartet bis zu 150. Das Diözesanmuseum hofft unter anderem auf einen spektakulären Engel von Rubens, der sich in Michigan befindet. „Die meisten Exponate kommen erst 14 Tage vor der Eröffnung“, weiß Wermert.

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