Kultur
Witten: Eigene Rettungsdienstschule für die Feuerwehr

Damit Rettungssanitäter und -helfer für Menschen in akuten Notfallsituationen auch wirklich eine Hilfe sein können, müssen sie vor Aufnahme ihrer Tätigkeit eine Ausbildung absolvieren. Je nach Aufgabengebiet fällt diese recht umfangreich aus, weshalb externe Ausbilder oft für hohe Kosten sorgen. Die Feuerwehr Witten muss sich hierüber künftig keine Gedanken mehr machen. Sie nämlich verfügt nun über eine eigene Rettungsdienstschule.

Dienstag, 04.02.2020, 05:39 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 10:49 Uhr
Foto: Colourbox.de

Geld sparen durch Ausbildung vor Ort

Wie bereits erwähnt, kann die Ausbildung zum Rettungshelfer und -sanitäter recht lange dauern. In beiden Fällen ist es für viele Feuerwehren notwendig, anerkannte Lehrkräfte von außen zu beauftragen, um einen theoretischen und teilweise auch praktischen Unterricht zu ermöglichen. Insbesondere in diesem Bereich spielt Geld allerdings eine wichtige Rolle, weswegen die Ausbildung nicht für jede Feuerwehr einfach zu realisieren ist.

Gut hat es da die Feuerwehr in Witten: deren Leiter sowie Schulleiter erhielten bereits im Dezember vergangenen Jahres im Rahmen einer offiziellen Zeremonie jene Urkunde, die ihnen die Durchführung staatlich anerkannter Ausbildungen im eigenen Haus erlaubt. Überreicht wurde die Urkunde von Monika Rademacher und Dr. Anja Lackner, die sich um alle Rettungsdienstschulen des Regierungsbezirks Arnsberg kümmern.

Künftig wird es der Feuerwehr somit möglich sein, den internen Bedarf an neuen Rettungskräften aus eigener Kraft zu decken. Dass die Ausbildung zum Rettungssanitäter nun vor Ort angeboten werden kann, verleiht der Wittener Feuerwehr folglich nicht nur mehr Eigenständigkeit, sondern hilft auch dabei, in Zukunft Geld zu sparen.

Ausbildung: Was lernen Rettungshelfer und -sanitäter?

Wie genau sich die Ausbildung und die spätere Tätigkeit gestalten, kann innerhalb Deutschlands von Bundesland zu Bundesland variieren. Eine interessante Publikation zu diesem Thema vergleicht die Situation in Deutschland (am Beispiel von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz) mit jener in Frankreich und der Schweiz.

In Sachen Ausbildung müssen zunächst die Berufe des Rettungssanitäters und des -helfers unterschieden werden. Der Rettungssanitäter übernimmt ein umfangreicheres Aufgabengebiet, während der Rettungshelfer ihn unterstützt. Kein Wunder also, dass die Ausbildungen in ihrer Länge und auch inhaltlich deutliche Unterschiede aufweisen. Um Rettungshelfer zu werden, müssen Anwärter eine rund 160 Stunden lange Ausbildung absolvieren, bei Rettungssanitätern beläuft sich die Stundenzahl hingegen auf 520 Einheiten.

Inhaltlich erhalten angehende Rettungshelfer wichtige Einblicke in anatomische Grundlagen, die Physiologie des Menschen und Aspekte der Notfallmedizin. Zu den Ausbildungsinhalten gehören selbstverständlich auch wichtige Maßnahmen rund um die Erste Hilfe und wertvolles Wissen zur Planung und Durchführung von Einsätzen. Interessant für Rettungshelfer könnte in Zukunft auch die technische Unterstützung durch Tablets wie das NIDApad werden, das im Kreis Gütersloh eingeführt wurde.

Bei Rettungssanitätern gliedert sich die Ausbildung in mehrere Teile, bei denen Praxis sowie Theorie gelehrt werden. Sie erhalten Unterricht in vielen verschiedenen Bereichen der Medizin, sodass sie bei einem Einsatz dazu in der Lage sind, die Situation umfangreich einzuschätzen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Ein klinisches Praktikum ist ebenfalls Bestandteil. 

Realität: Die Leistungen der Ausgebildeten

Wer viele Stunden lang gelernt hat und später im Einsatz Menschenleben rettet, wird mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Die Berufe des Rettungssanitäters und des -helfers erweisen sich hierbei meist als körperlich und psychisch anspruchsvoll, denn der Umgang mit Unfallopfern, Verletzten und gegebenenfalls auch Toten verlangt den Rettungskräften viel ab.

Die Feuerwehr Witten gibt daher an, dass zu den Ausbildungen nur zugelassen wird, wer

  • sich sowohl körperlich als auch geistig und persönlich eignet,
  • mindestens einen Hauptschulabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen kann,
  • über eine möglichst aktuelle Erste-Hilfe-Ausbildung verfügt
  • und ein amtliches Führungszeugnis vorlegen kann.

Eine weitere Herausforderung, der sich Rettungskräfte in den letzten Jahren vermehrt stellen müssen, ist zudem der Umgang mit Personen, die bei Unfällen nicht direkt am Geschehen beteiligt sind. Darüber hinaus können falsch oder gar nicht gebildete Rettungsgassen und sogar Angriffe oder Beleidigungen die Ausübung des Berufs durchaus erschweren und für weiteren psychischen Druck sorgen.

Allgemein ist auch von steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst die Rede, was wiederum dazu führen kann, dass einzelne Sanitäter und Helfer stärkerem Druck und größerer Belastung ausgesetzt sind. Insbesondere in Dienststellen mit hohem Einsatzaufkommen und wenig Personal kann es zu Schwierigkeiten kommen, die sich langfristig betrachtet nur durch einen verstärkten Fokus auf gute Ausbildungen ändern lässt. Dass die Feuerwehr Witten sich nun darum kümmern kann, in den eigenen Reihen besser aufgestellt zu sein, ist ein gutes Zeichen für die Region.

Wer selbst Rettungssanitäter oder -helfer werden möchte, sollte sich stets an Ausbildungsbetriebe wenden und bei diesen Anforderungen sowie Terminen erfragen. In Witten startet der erste eigene Lehrgang übrigens bereits in diesem Februar.

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