Yad Vashem zeigt im Essener Zollverein die Porträts von 75 Holocaust-Überlebenden
Gesichter der letzten Augenzeugen

Essen/Bielefeld (WB). Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Anlässlich des nahenden Jahrestags eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag auf dem Gelände des Unesco-Weltkulturerbes Zollverein eine besondere Gedenkausstellung. „Survivors – Faces of Life after the Holocaust“ zeigt die Porträts von 75 Überlebenden der Shoa.

Dienstag, 21.01.2020, 10:53 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 17:59 Uhr
Kai Diekmann (links) und Martin Schoeller stehen neben dem Por­trät der Auschwitz-Überlebenden Emilie Roi. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Ideengeber Kai Diekmann

Die Idee zu dem Projekt hatte ein Bielefelder. Kai Diekmann, von 2001 bis 2015 „Bild“-Chefredakteur, ist seit 2017 Vorsitzender des deutschen Freundeskreises der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. „Wir haben uns frühzeitig Gedanken gemacht, was wir zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz machen können. Als ich noch Chef bei „Bild“ war, habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten mit dem Fotografen Martin Schoeller zusammengearbeitet. Dessen Porträts, von Barack Obama bis Jack Nicholson und von Angela Merkel bis Angelina Jolie, sind weltweit bekannt“, sagt Diekmann im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Schoeller, der in den USA bekannter ist als in Deutschland, hat einen sehr eigenen Stil entwickelt: Er beleuchtet die Gesichter mit weichem Neonlicht und lässt jedes Detail erkennbar werden.

Hannah Goslar-Pick (91)

Hannah Goslar-Pick (91)

Diekmann klingt zufrieden, wenn er über die Ausstellung spricht. „Die Überlebenden sind für das Gedenken an den Holocaust ungeheuer wichtig. Und wir kommen in eine Zeit, in der die letzten Überlebenden von uns gehen. Ich denke, dass es unsere Aufgabe ist, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten“, sagt der 55-Jährige.

Engen Kontakt zu Yad Vashem, der Gedenkeinrichtung zur Erforschung und Dokumentation des Holocaust, hat Diekmann seit 2008. Der Springer-Verlag erwarb

Naftali Furst (87)

Naftali Furst (87)

auf dem Schwarzmarkt die originalen Auschwitz-Baupläne. Gegen den Willen des Bundesarchivs, das die Dokumente als Bundeseigentum ansah, wollte Diekmann die Unterlagen nach Israel schaffen. Im August 2009 gelang ihm der Coup, als er den Deutschlandbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nutzte, um diesem die Pläne zu übergeben. „Und jetzt sind die Auschwitz-Baupläne Teil der Dauerausstellung in Yad Vashem“, sagt Diekmann nicht ohne Stolz auf sein gewieftes Manöver.

Vom ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) übernahm er den Vorsitz des Freundeskreises. In dieser Funktion ist es ihm nicht schwer gefallen, Yad Vashem als offiziellen Partner und Veranstalter der Ausstellung in Essen zu

Marta Wise (85)

Marta Wise (85)

gewinnen. „Durch Yad Vashem ist der Kontakt zu den 75 porträtierten Überlebenden entstanden. Martin Schoeller hat alle in Israel fotografiert. Das ist die Klammer: Es sind Überlebende aus Europa, Ostafrika und anderswo auf der Welt, die heute alle in Israel leben“, erläutert Diekmann. Einer der 75 wird am Dienstag als Ehrengast der Eröffnung beiwohnen: Naftali Fürst kommt an Bord einer Maschine der Bundesluftwaffe für diesen einen Tag nach Deutschland.

Während seiner Schulzeit in Bielefeld auf der Marienschule der Ursulinen nahm das Thema Holocaust viel Platz ein, „und das völlig zu recht“. Das habe ihn ebenso geprägt wie Axel Springers Einsatz für Israel. „Mich hat es unheimlich beeindruckt,

Moshe Trossmann (87)

Moshe Trossmann (87)

dass ein Verleger gegen jeden Zeitgeist von seinen Journalisten verlangt hat, sich für die Wiedervereinigung Deutschlands und das Existenzrechts Israels einzusetzen.“

Deshalb gilt für Diekmann bis heute: „Wenn es um das Existenzrecht Israels geht, muss unser Platz als Deutsche immer an der Seite Israels sein. In jedem Konflikt, in dem Israel im Nahen Osten steht, kann es für uns als Deutsche keine Äquidistanz geben.“

  • Die Ausstellung „Survivors“ ist im Zollverein Essen bis zum 26. April täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7208461?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198346%2F
Explosion in Beirut: Mindestens 50 Tote und 2700 Verletzte
Rauch steigt nach einer Explosion über den Trümmern eines zerstörten Gebäudes auf.
Nachrichten-Ticker