Eintritt frei im Museum?
Grütters will niedrigschwellige Angebote

Berlins Mitte bekommt mit dem Humboldt Forum einen neuen Anziehungspunkt. Als Lockmittel sollen weite Teile des Forums keinen Eintritt kosten. Reicht das?

Samstag, 04.01.2020, 10:58 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 11:03 Uhr
Das Humboldt Forum soll im September dieses Jahres eröffnet werden. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa) - Für einen guten Start des geplanten Humboldt Forums in Berlin reicht kostenloser Zugang aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters allein nicht aus.

«Erfolg werden wir vor allem mit einer Kombination aus freiem Eintritt und klugen Vermittlungsstrategien haben», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Die Frage sei, wie Barrieren abgebaut und attraktive Formate für sehr verschiedene Zielgruppen geschaffen werden können. «Kulturangebote müssen niedrigschwellig und buchstäblich anziehend sein.»

Das 40.000 Quadratmeter umfassende Humboldt Forum im rekonstruierten Schloss soll von September an in drei Phasen eröffnet werden. Das Kultur- und Ausstellungszentrum bespielen Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei seiner Museen, Land Berlin und Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien und Objekte zur Geschichte Berlins. Zudem sollen Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft vermittelt werden. Weite Teile des Forums werden in den ersten drei Jahren keinen Eintritt verlangen. Für den Bund ist das ein Pilotprojekt. Berlin will für seinen Teil des Forums aus Kostengründen aber Eintritt verlangen.

Grütters warf einen kritischen Blick zurück auf die Museumsarbeit: «Die kulturelle Vermittlung war in Deutschland leider jahrelang nicht auf dem Niveau, das ich in internationalen Museen beobachtet habe.» Lange Zeit habe hier die Zahl der Kuratoren die der Vermittler bei weitem überstiegen. Gleichzeitig «konnte man in Museen von Brasilien über Amerika bis Frankreich eine klare Priorität der kulturellen Vermittlung wahrnehmen», sagte Grütters.

Inzwischen sei auch Deutschland viel weiter, die Zahl netzaffiner Angebote wachse. «Neue, sehr heterogene oder internationale Zielgruppen werden gezielt angesprochen. Aber auch klassische Besucherinnen und Besucher werden intensiver gepflegt und bekommen kluge Angebote.» Bei der Vermittlungsarbeit habe es ein Umdenken gegeben. «Zunehmend werden an den Museen nicht nur Kunsthistoriker, sondern auch Pädagogen eingestellt.»

Auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer sieht im freien Eintritt keinen Wert an sich. «Es geht nicht einfach nur darum, die Türen aufzureißen und alle gehen rein», sagte der Linke-Politiker der dpa. «Es geht eigentlich um einen grundsätzlichen Anspruch von Kultureinrichtungen, sich für die ganze Gesellschaft zu öffnen.» Dazu müssten Museen, Galerien oder Theater ihre Möglichkeiten bedenken, «um die Zugangshürden für Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen bisher nicht in die Einrichtungen gehen, zu senken».

Neben einem eintrittsfreien Sonntag pro Monat bei allen Berliner Stadtmuseen stünden explizite Vermittlungsangebote. «Es geht darum, eine Brücke zu bauen in die Einrichtung», sagte Lederer. Berlin werde als erste Stadt und erstes Bundesland mit professioneller Teilhabeforschung beginnen. «Wir werden unsere Einrichtungen finanziell in die Lage versetzen - aber auch verpflichten - an Nutzerbefragungen teilzunehmen, um belastbare Informationen darüber zu bekommen, wer sind eigentlich diejenigen, die ihre Angebote in Anspruch nehmen.» Sogenannte Outreach-Mitarbeiter würden integraler Bestandteil der Museen. «Sie sind permanent dabei schon in der Konzeption von Ausstellungen und Angeboten und damit Brücke in die Stadtgesellschaft.»

Direkt gegenüber dem neuen Humboldt Forum liegen die Museen der berühmten Berliner Museumsinsel, die weiter Eintritt verlangen müssen. «Die Sammlungen der Museumsinsel werden ihre Attraktivität behalten», sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, der dpa. «Wer die Impressionisten in der Alten Nationalgalerie, den Pergamonaltar oder Nofretete sehen will, wird dort auch hingehen.»

Zwar haben die staatlichen Museen Geld bekommen, um wie die Berliner Häuser den ersten Sonntag im Monat eintrittsfrei zu lassen. «Ansonsten sind für uns natürlich die Einnahmen lebenswichtig, um das zu finanzieren, was der Haushalt nicht abdeckt», sagte Parzinger. Die Stiftung hat zuletzt 2018 unter anderem mit Eintritten gut 22,4 Millionen Euro eingenommen. Besonders am Anfang würden die Besucher verstärkt noch durch den freien Eintritt in das Humboldt Forum strömen, vermutet Parzinger. «Hier müssen wir schon genau beobachten, wie sich das auf die anderen Museen auswirkt.»

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