Deutscher Filmpreis: Susanne Wolff und Ansgar Frerich ausgezeichnet
Zwei Lolas für Ostwestfalen

Berlin/Bielefeld/Paderborn (WB). Gleich zwei gebürtige Ostwestfalen durften sich am Wochenende beim Deutschen Filmpreis in Berlin über eine goldene Lola freuen: Schauspielerin Susanne Wolff (46) und Produzent Ansgar Frerich (42).

Montag, 06.05.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 06:36 Uhr
Susanne Wolff als Rike in einer Szene des Films »Styx«. Foto: dpa

Für die gebürtige Bielefelderin Susanne Wolff gab’s den Preis in der Kategorie »Beste weibliche Hauptrolle« für ihre Darbietung im Drama »Styx«. Es erzählt die Geschichte einer Seglerin, die auf dem Meer auf ein Flüchtlingsboot trifft. Aus Sicht von Ansgar Frerich durften sich die Macher von »Styx« an diesem Freitagabend im Palais am Funkturm völlig zurecht über insgesamt vier Trophäen freuen – darunter der Filmpreis in Silber. »Das ist so ein großartiger Film«, sagte Frerich im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. »Wir haben alle die Daumen gedrückt.«

Auch der in Paderborn-­Elsen aufgewachsene Filmproduzent hatte Grund zu feiern, für »Of Fathers and Sons« gab’s die Auszeichnung als »Bester Dokumentarfilm«. Das Werk von Regisseur Talal Derki hatte Frerich und seinen Mitproduzenten bereits eine ­Oscar-Nominierung eingebracht.

Talal Derki (von links), Eva Kemme, Tobias N. Siebert, Hans Robert Eisenhauer und Ansgar Frerich bei der Dankesrede.

Talal Derki (von links), Eva Kemme, Tobias N. Siebert, Hans Robert Eisenhauer und Ansgar Frerich bei der Dankesrede. Foto: imago

Als Laudator Claus Kleber verkündete, dass der Film im Wettstreit mit »Elternschule« (Ingo Fliess) und »Hi, A.I.« (Stefan Kloos) schlussendlich vorne lag, brach das Team in Jubel aus, der sogleich von den Kameras eingefangen wurde. Arm in Arm ging es auf die Bühne. Wobei Frerich dadurch ins Auge fiel, dass er zu seinem dunklen Anzug samt Krawatte eine Schirmmütze trug.

»Ich bin kein Live-Mensch«, erklärte der Wahl-Berliner gestern mit etwas Abstand zur Verleihung. »Deshalb war ich froh, nicht ans Mikrofon gehen zu müssen.« Das übernahm Produzentenkollegin Eva Kemme. Sie dankte allen, die den Film möglich gemacht hätten, »in einer Zeit, in der komplexe Zusammenhänge immer mehr reduziert werden auf Floskeln«. Regisseur Talal Derki kämpfte bei seinen Dankesworten sichtlich mit den Tränen. Für »Of Fathers and Sons« war der Syrer in sein Heimatland zurückgereist, um in die Lebenswelt einer radikal-islamistischen Familie einzutauchen.

Wolff mit ihrer »Lola« und Kameramann Benedict Neuenfels am Abend der Preisverleihung.

Wolff mit ihrer »Lola« und Kameramann Benedict Neuenfels am Abend der Preisverleihung. Foto: dpa

Kemme betonte, wie wichtig die Schnittarbeit für den Film gewesen sei. Sie dankte dafür Editorin Anne Fabini, die am gleichen Abend auch noch in der Kategorie »Bester Schnitt« gewann. Frerich: »Wer in diesem Geschäft arbeitet, der weiß, wie wichtig die Arbeit des Editoren für einen Dokumentarfilm ist.« Im Gegensatz zu üblichen Kinofilmen gebe es kein Drehbuch, keinen Leitfaden. »Der Film entsteht erst im Schnitt«, sagte Frerich.

Nach der Show wurde noch gefeiert. »Ich genieße das total«, erklärte Frerich, wenn die Branche zu solchen Gelegenheiten zusammenkomme. »Wir haben noch ordentlich getanzt. Entsprechend durchgeschwitzt war mein Anzug.« Erst um 6 Uhr morgens sei er wieder zu Hause gewesen.

Erfolgreichster Film des Abends war das Drama »Gundermann«. Das Porträt über den DDR-Liedermacher und Baggerfahrer Gerhard Gundermann räumte sechs Auszeichnungen ab, unter anderem den Filmpreis in Gold. Die Lolas gelten als wichtigste nationale Auszeichnung in der Filmbranche. Die etwa 2000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie stimmten über die meisten Gewinner ab. Die Preise sind mit insgesamt fast drei Millionen Euro für neue Projekte dotiert. Der Filmpreis in Bronze ging an »Der Junge muss an die frische Luft«, ein Film über die Kindheit des Komikers Hape Kerkeling. Florian Henckel von Donnersmarcks Streifen »Werk ohne Autor« ging leer aus, dabei war der Spielfilm immerhin in zwei Kategorien für einen Oscar nominiert worden.

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