Vor 25 Jahren starb Kurt Cobain – mit Nirvana traf er das Lebensgefühl einer ganzen Generation
Anti-Held voll Wut und Verletzlichkeit

Gronau (epd). Erfolg, Karriere und Reichtum aber waren alles Dinge, die Kurt Cobain abgrundtief verabscheute. Vor 25 Jahren, am 5. April 1994, starb der drogenabhängige Musiker im Alter von 27 Jahren , offenbar durch Suizid. Eine Behandlung in einer Entzugsklinik hatte er kurz zuvor abgebrochen.

Freitag, 05.04.2019, 05:00 Uhr
Kurt Cobain bei einem Auftritt der Kult-Rockband Nirvana im Dezember 1993. Foto: dpa/Robert Sorbo

 Es war eine musikalische Botschaft voller Wut, Selbsthass und Verletzlichkeit: Das »Nirvana«-Album »Nevermind« (1991) gilt heute als eines der wichtigsten Alben der Musikgeschichte, es verkaufte sich weltweit rund 30 Millionen Mal. Die Band um Frontmann Kurt Cobain (1967-1994) war prägend für die Grunge-Bewegung.

Stücke wie »Smells Like Teen Spirit« trafen zielgenau das Lebensgefühl einer Generation, die sich überflüssig und abgelehnt vorkam: »Ich fühl mich beschissen, uns gibt es, unterhaltet uns.« Innerhalb kurzer Zeit wurde Cobain vom arbeitslosen Schulabbrecher zum Multimillionär und Rockstar.

Erfolgsrezept: Kreuzung aus Punk und Pop

Cobains Erfolgsrezept war es, die brachiale ungeschliffene Musik des späten Punk und Garagen-Rocks der Seattle-Szene mit eingängigen Pop-Melodien zu kreuzen. Das »Rolling Stone«-Magazin platzierte das Album »Nevermind« auf Platz 17 der »500 größten Alben aller Zeiten« und Cobain auf Platz 54 der 100 besten Songwriter aller Zeiten.

Die langhaarigen Grunge-Rocker in Flanellhemden hätten zwar mit der Wiedererweckung der Gitarre nichts Neues erfunden, erklärt der Kurator des Gronauer »rock’n’popmuseum«, Thomas Mania.

Dennoch hätten Bands wie Pearl Jam und Nirvana – inspiriert von der brachial verzerrten Gitarre eines Neil Young – einen eigenen Ton irgendwo zwischen Punk, Metal und Hardcore gefunden.

Der Grund für den Erfolg aus seiner Sicht: Die ungeschliffene Grunge-Musik mit ihren verzerrten E-Gitarren setzte einen Gegenakzent zu den damaligen sterilen Technobeats und einer zunehmend gelangweilten Jugend.

Cobain galt als schwierig und aufsässig

Cobain kam am 20. Februar 1967 in der Holzfäller-Kleinstadt Aberdeen im US-Staat Washington zur Welt. Die Familie brach früh auseinander. Der als schwierig und aufsässig geltende Kurt wurde von der Mutter über den Vater zu den Großeltern und zu Tanten und Onkeln weitergereicht.

Zeitweise übernachtete er auch in Krankenhaus-Wartesälen, Hausfluren und alten Autos. Die Schule brach er ab, zwischendurch arbeitete er als Hausmeister und Putzkraft.

Einen Ausweg wies dem jungen Cobain seine Gitarre. Er vertiefte sich in das Gitarrespielen und Songschreiben und gründete 1987 gemeinsam mit dem Bassisten Chris Novoselic die Band »Nirvana«, zu der später noch Schlagzeuger Dave Grohl kam.

Nach einem ungeschliffenen Debüt »Bleach« in kleiner Auflage schoss das zweite Album »Nevermind« an die Spitzenplätze der internationalen Charts.

Der Ruhm verstärkte die Depressionen

Nach Einschätzung seines Managers Danny Goldberg soll Cobain sehr viel Wert darauf gelegt haben, die Kreativität und auch das Image der Band zu kontrollieren.

Er habe genau gewusst, wie er die Medien einsetzen konnte, um seine Fans auf genau die Weise zu erreichen, schreibt er in dem Buch »Erinnerungen an Kurt Cobain«, das zum Todestag veröffentlicht wird.

Doch der plötzliche Ruhm verstärkte offenbar die Depressionen Cobains. Er fühlte sich vom Management, der Werbeindustrie und den Medien zunehmend bedrängt. Dass die Fans auf den Konzerten immer wieder den Hit »Smells Like Teen Spirit« hören wollten, ödete ihn an.

Auch die Hochzeit mit der Punk-Musikerin Courtney Love und die Geburt seiner Tochter Frances Bean im Jahr 1992 linderten seine psychische Erkrankung nur vorübergehend.

Cobain hat wenig für den Star-Rummel gataugt

Musikexperte Mania vom »rock’n’popmuseum« kritisiert auch den Medienhype Anfang der 90er. Auf der Suche nach Köpfen, die den neuen Grunge-Stil repräsentieren könnten, sei man unweigerlich auf Cobain gestoßen.

In unsicheren familiären Verhältnissen aufgewachsen, von einer chronischen Magenerkrankung geplagt, habe der labile Musiker jedoch wenig für den Star-Rummel getaugt, sagt Mania.

Das Phänomen Grunge sei jedoch nicht folgenlos geblieben: Für die zweite Hälfte der 1990er Jahre hätten die schrammeligen Gitarrensounds und ein beat-lastiges Schlagzeug einen ästhetischen Neuansatz geschaffen.

Spuren hat Cobain auch im nordrhein-westfälischen Gronau hinterlassen. Das »rock’n’popmuseum« präsentiert ein Flanellhemd, auf das Cobain in großen Buchstaben »Nirvana Rocks!« geschrieben hat.

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