LWL stellt neues Zentralmagazin vor – Institution steht auch Städten zur Verfügung
Ein Platz für Tiere

Münster (WB). Wer alles hat, hat alles von A bis Z. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) aber magaziniert jetzt seine Sammlungen von Z bis Z, von Zebra bis Zeichnung – und schon das ist so viel, dass dafür ein eigener hochmoderner Neubau nötig wurde: ein Zentralmagazin am Rande von Münster (Speicherstadt), das gestern vorgestellt wurde.

Mittwoch, 03.04.2019, 14:28 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 14:34 Uhr
Dies ist nicht die biblische Situation vor der Einschiffung auf der Arche, sondern ein Teil der Naturkundesammlung, die ins neue Zentralarchiv wandert. Foto: Christoph Steinweg/LWL

Das Zentralmagazin mit mehr als 10.000 Quadratmetern Fläche ist die größte öffentliche Einrichtung ihrer Art in Deutschland. Als einer der größten bundesdeutschen Träger von Kultureinrichtungen braucht der LWL für seine 18 Museen Magazinraum, denn stets kann nur ein Bruchteil der Museumssammlungen in den Ausstellungen gezeigt werden.

14 Millionen Euro teurer Bau mit mehreren »Klimazonen«

Die LWL-Tochter WLV (Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft) begann vor zwei Jahren in der Speicherstadt einen 60 mal 60 Meter mal zwölf Meter großen und 14 Millionen Euro teuren Bau, der mehrere »Klimazonen« für Gemälde, Skulpturen, Möbel und Tierpräparate jeglichen Gewichts und Größe bietet. Jetzt nutzen unter anderem das Museum für Kunst und Kultur knapp 1700 Quadratmeter Fläche sowie das Museum für Naturkunde, beide in Münster beheimatet, etwa 2900 Quadratmeter für ihre Exponate.

Das neue Zentralarchiv des LWL am Stadtrand von Münster nimmt Sammlungsstücke auf, die nicht Teil aktueller Ausstellungen sind.

Das neue Zentralarchiv des LWL am Stadtrand von Münster nimmt Sammlungsstücke auf, die nicht Teil aktueller Ausstellungen sind. Foto: Christoph Steinweg/LWL

»Ob Zinnkännchen oder tonnenschwere Skulptur, ob 4,70 Meter hohe Giraffe oder millimeterkleine Käfer: Wir können hier alles gut und günstig lagern, was nicht dauernd in unseren Museen gezeigt wird«, sagte der LWL-Direktor Matthias Löb. Aber auch die Städte und Kreise im Umkreis könnten künftig ihre Museumsdepots entlasten, indem sie das multikommunale Zentralmagazin nutzen. Sollte das Interesse das erwartbare Maß übersteigen, könne der LWL auch an weiteren Standorten Zentralmagazine für die Kommunen bauen. Denkbar seien bis zu vier weitere Bauten dieser Art in Westfalen.

Für so ein Magazin ist ein Einzugsbereich von bis zu 70 Kilometern sinnvoll.

Holm Sternbacher

Der WLV-Aufsichtsratsvorsitzende Holm Sternbacher (Bielefeld) sagte: »Die WLV hat große Erfahrung mit einem Dutzend ähnlicher Bauten. Für so ein Magazin ist ein Einzugsbereich von bis zu 70 Kilometern sinnvoll.«

Das hermetisch abgeschlossene Gebäude wurde aus 600.000 Kubikmetern Beton und 650 Tonnen Betonstahl gebaut. Weil nur wenige Fenster eingefügt wurden, kann von Lagerraum zu Lagerraum ein stabiles Raumklima unterschiedlich reguliert werden, so dass auch die LWL-Archäologen ihr empfindliches Fundarchiv und das LWL-Medienzentrum seine Klimakammer für Film- und Fotomaterialien im Zentralmagazin einrichten werden.

Thema Sicherheit: Das Grundstück wird nachts bewacht und elektronisch in mehrere »Scharfschaltbereiche« unterteilt, um Einbrüchen vorzubeugen.

Museum für Kunst und Kultur

Das Museum für Kunst und Kultur bringt 3000 Objekte in das Zentralmagazin ein. Dort lagern künftig 1000 Steinskulpturen, 900 Zinn- und Eisenobjekte, 150 Gemälde, 200 Fotografien sowie 800 Möbelstücke. Auch Objekte und Modelle zur Münsterschen Open-air-Ausstellung Skulptur-Projekte und Großskulpturen wie Ulrich Rückriems 1,6 Tonnen schwerer »Dolomit geschnitten« (1985) und Olaf Metzels raumgreifende »Laborprobe« (1990) aus Glas und Aluminium finden dort Platz. Mehrere Tonnen schwere Steinskulpturen wie »Die Religion« von Johann Christoph Manskirch aus dem 18. Jahrhundert bis hin zu Zinnkännchen sind bereits umgezogen. Die Gemälde und Fotografien folgen Anfang 2020, wenn alle Räume die klimatisch notwendigen Bedingungen erfüllen.

Museum für Naturkunde

Die Sammlungen des Museums für Naturkunde dokumentieren die heimische Artenvielfalt, die heute die Erde mit Leben füllt, aber ebenso jene Spezies, die während der vergangenen 470 Millionen Jahre den Planeten bevölkert haben. Das sind etwa 2,3 Millionen Sammlungsobjekte, die jetzt auf drei Etagen ins Zentralmagazin umziehen, darunter 250.000 Fossilien, 500.000 Pflanzen, Moose, Algen, Pilze und Flechten, außerdem 13.000 Säugetiere und die gewaltige Zahl von 1,1 Millionen Insekten. Diese Objekte wurden zu großen Teilen von ehrenamtlichen Helfern zusammengetragen und geordnet. In den Sammlungen wird aktiv geforscht, oft in Form ehrenamtlicher Projekte. Die Sammlungen sind zum Beispiel Grundlage für die Atlasprojekte zur heimischen Biodiversität.

Familientag in Dalheim

Das LWL-Klostermuseum Dalheim in Lichtenau stellt an diesem Sonntag alte Handwerkstechniken in den Mittelpunkt eines Mitmachtages. 14 historische Gewerke sind vertreten – so viele wie noch nie. Auf dem weitläufigen Museumsgelände sind zum Beispiel eine Korbflechterei und Brennerei im Betrieb. Auch in der Mühle, in Weberei und Schmiede des einstigen Augustiner-Chorherrenstifts wird auf traditionelle Art gearbeitet. Zum Familientag unter dem Motto »Et labora! Handwerk im Kloster« gehört ein Kinderprogramm mit neun Erlebnisstationen. Es ist der fünfte Familientag im Klostermuseum. Im vergangen Jahr kamen 2300 Besucher, davon 500 Kinder.

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