»Star Wars: Die letzten Jedi« fehlt der Schwung Die Macht im Ungleichgewicht

London (dpa). Luke Skywalker ist zurück. Der Held der frühen »Star-Wars«-Filme begeistert als kauziger Jedi-Meister, der mit der Macht erst mal nichts zu tun haben will. Doch der achten Episode der Weltraumsaga fehlt der Schwung.

Von Philip Dethlefs
Rey (Daisy Ridley) trainiert ihre Kräfte.
Rey (Daisy Ridley) trainiert ihre Kräfte. Foto: Lucasfilm Ltd.

Die Evakuierung der Rebellenbasis ist in vollem Gange, als plötzlich mehrere Sternenzerstörer am Himmel auftauchen. Unter dem Kommando des finsteren General Hux sollen die gigantischen Raumschiffe der »Ersten Ordnung« endlich die letzten Anhänger des Widerstands vernichten. Doch es kommt natürlich anders. Mit einer bombastischen Schlacht im All beginnt »Star Wars: Die letzten Jedi« spektakulär.

Zwei Jahre nach »Star Wars: Das Erwachen der Macht« setzt Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson (»Looper«) die Geschichte um die Rebellen Rey (Daisy Ridley), Finn (John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) fort, die unter dem Kommando von Generalin Leia (die am 27. Dezember 2016 gestorbene Carrie Fisher in ihrer letzten Rolle) gegen die dunkle »Erste Ordnung« und den Schurken Kylo Ren (Adam Driver) kämpfen. Der Sohn von Leia schockierte »Star Wars«-Fans im vorigen Film, als er seinen Vater Han Solo (Harrison Ford) tötete.

Keine Lust auf Jedi-Ritter

Im Mittelpunkt der neuen Episode steht diesmal jedoch Luke Skywalker (Mark Hamill). Der Held der klassischen »Star Wars«-Filme (Episoden 4 bis 6) ist inzwischen ein Jedi-Meister im Exil. Nachdem Rey den letzten Film damit verbracht hat, den Verschollenen zu suchen, erhofft sie sich jetzt, von ihm ausgebildet zu werden. Doch Skywalker will nach der missglückten Ausbildung seines Neffen Kylo Ren alias Ben Solo nichts mehr von der Macht und der Jedi-Religion wissen.

Nach der explosiven Auftaktszene dauert es lange, bis der Film in Schwung kommt. Mit 152 Minuten ist seine finale Kinofassung immer noch mindestens eine halbe Stunde zu lang und wirkt mitunter zäh. Das liegt vor allem daran, dass das bisher längste »Star Wars«-Abenteuer weniger herausragende Momente hat als die früheren Filme. Zu den Lichtblicken zählen die Szenen auf dem bunten Casino-Planeten und ein Laserschwert-Duell auf dem Schiff von Snoke (Andy Serkis), dem Anführer der »Ersten Ordnung«.

Es fehlt das Gleichgewicht

Rey und Luke philosophieren über die Balance im Universum, Johnsons Film fehlt das Gleichgewicht. Sein Vorgänger J.J. Abrams, der hier als ausführender Produzent wirkte, belebte die Reihe als Regisseur des spritzigen »Star Wars: Das Erwachen der Macht« vor zwei Jahren neu, indem er eine temporeiche Mischung aus nostalgischen Momenten und neuen Ideen fand und das Flair der Originalfilme zurückbrachte. Dass die Handlung fast einem Remake gleichkam, störte deshalb kaum.

Lichtschwert made in Bielefeld

Wer alles bei der Europa-Premiere dabei war,  lesen Sie hier . Was das Franchise für US-Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson bedeutet,  verrät er hier.  Und wie er ein Lichtschwert baut, verrät Kai Lenski. Er betreibt seit mehr als einem Jahr sein Geschäft in Bielefeld.

Johnson gelingt das nicht. Viele dramatische Szenen verfehlen ihre Wirkung. Und der weitgehend alberne Humor kommt häufig an unpassenden Stellen. So wird der in Episode 7 wunderbar sinistre Bösewicht Hux (Domnhall Gleason) schon in den ersten Minuten des neuen Films von Pilot Poe zur Witzfigur degradiert und ist danach kaum noch ernst zu nehmen. Auch Reys erste Lektion bei Luke Skywalker gerät zur Lachnummer. Den trockenen Humor eines Han Solo vermisst man schmerzlich.

Vielzahl neuer Charaktere

Außerdem verliert sich der bekennende »Star Wars«-Fan in langatmigen Dialogen und einer Vielzahl neuer Charaktere, darunter die kindliche Rebellin Rose Tico (Kelly Marie Tran), die mysteriöse Admiralin Amilyn Holdo (Laura Dern) und der Söldner DJ (super: Benicio Del Toro).

Die weitaus spannendere Geschichte um Rey, Luke und Kylo kommt dabei leider etwas zu kurz und wird zu oberflächlich erzählt. Hamill ist als gealterter, grantelnder Skywalker allerdings grandios. Und ein paar Antworten, gelungene Überraschungen und einen schönen Nostalgie-Moment mit ei­nem alten Bekannten gibt es auch, so dass die Fans für ihre Geduld immerhin belohnt werden.

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