Millionenfach verkauften sich seine Geschichten »Sams«-Vater Paul Maar wird 80

Berlin (dpa). Wie Pippi Langstrumpf und Harry Potter hat sich das Sams einen festen Platz in den Kinderzimmern erobert. Sein Schöpfer Paul Maar feiert nun seinen 80. Geburtstag – und sieht den Erfolg durchaus ein wenig zwiespältig.

Von Elke Vogel
Das Sams ist die berühmteste Figur von Paul Maar.
Das Sams ist die berühmteste Figur von Paul Maar. Foto: Verlag Oetinger

Rüsselige Nase, rote Stachelfrisur, blaue Wunschpunkte im Gesicht und ein straff sitzender Taucheranzug. So lieben Kinder in aller Welt das Sams – die berühmteste Figur von Schriftsteller Paul Maar. »Ich habe fast nach jedem »Sams«-Buch gesagt, das ist das letzte gewesen«, sagt Maar. Doch immer wieder sind ihm neue Geschichten eingefallen.

Die »Sams«-Bücher wurden im deutschsprachigen Raum fast fünf Millionen Mal verkauft. Im Ausland ist das »Sams« besonders in China, Russland, Japan und Südkorea erfolgreich. Seinen Geburtstag feiert »Sams«-Vater Paul Maar mit der Familie in Birkenfeld, einem kleinen Ort in Franken. Dorthin zieht sich der sonst in Bamberg lebende Autor immer zum Schreiben zurück. Und das Sams ist irgendwie auch dabei: Gerade ist der neunte Band mit dem Titel »Das Sams feiert Weihnachten« erschienen. Darin lädt es zu seinem ersten und turbulenten Weihnachtsfest unter anderem weitere Sams-Kollegen ein.

Das Sams und Herr Taschenbier

Paul Maar hat das Sams erfunden. Foto: Gregor Fischer/dpa

Im Jahr 1973 an einem Sams(-)tag schickte Maar das reimende, respektlose Wesen zum ersten Mal zu seinem schüchternen menschlichen Freund Herrn Taschenbier. Mit Ulrich Noethen und Christine Urspruch wurden ihre Abenteuer später verfilmt. Der andauernde Erfolg ist für Maar zweischneidig, wie er sagt. »Ich muss mir keine Sorgen um die Miete machen. Das habe ich dem Sams zu verdanken«, so der Autor. »Auf der anderen Seite ist es so: Ich habe mindestens 40, 50 Bücher geschrieben. Aber wo ich auch hinkomme, ich werde vorgestellt als der ›Sams‹-Autor.«

Der zurückhaltende »Lippel« ist die Romanfigur, mit der sich Maar selbst am meisten identifiziert. »Das bin ich in meiner Kindheit. Ich war so ein Träumer«, erzählt der Autor, der in den letzten Kriegsjahren aufwuchs und keine so glückliche Kindheit hatte. »Es war eine Flucht in Geschichten und in Fantasien. Da hat man die etwas unheile Welt um einen herum vergessen können.« Sein Vater, ein Stuckateur, habe ihm das Lesen zwar nicht verboten. »Aber wenn er mich mit einem Buch gesehen hat, meinte er: Du hast wohl nichts zu tun. Für ihn war körperliche Arbeit das A und O. Lesen war Zeitverschwendung.«

Die Kunst des Reimens und Fabulierens

Ein Leben mit dem Sams

Paul Maar ist Kinderbuchautor, Drehbuch- und Theaterautor und Übersetzer. Er hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Familie in Bamberg. Auch seine Tochter Anne Maar und Sohn Michael Maar sind Schriftsteller. Sein neues Werk »Das Sams feiert Weihnachten« ist in diesem Jahr erschienen.

Maar ist ein wunderbarer Fabulierer und Reimexperte – was sich nicht nur in den kessen Sprüchen vom Sams (»Da bin ich gespannt wie ein Gummiband«) zeigt, sondern auch in den zahlreichen Geschichten- und Gedichtbänden wie zum Beispiel »Jaguar und Neinguar«. Auch im Privatleben reimt Maar gerne. »Da gehe ich meiner Frau manchmal auf die Nerven. Wenn ich dann schon morgens beim Kaffee reime: Die Brötchen liegen auf dem Tisch, ich hoffe sehr, sie sind auch frisch!« Als Allround-Talent hat Maar auch die meisten seiner Bücher selbst illustriert – schließlich studierte er an der Akademie Stuttgart Malerei und Kunstgeschichte.

Herr Bello, das kleine Känguru, der Galimat, der tätowierte Hund – sie alle sind Geschöpfe aus dem Paul-Maar-Universum. Tierische Freunde und fantastische Wesen, die den ganz normalen Alltag der Menschen bunter, fröhlicher und freundlicher machen. Paul Maar ist auch Autor von Kindertheaterstücken, Opern und Drehbüchern. Und schreiben will der Vater dreier erwachsener Kinder weiterhin. In seinem neuen Buch »Snuffi Hartenstein«, gerade in Arbeit, geht es um einen unsichtbaren Hund.

Paul Maar selbst hätte übrigens nicht gerne ein Sams. »Nein, ich glaube so ein Sams würde mir auf die Nerven gehen«, sagt er. »Gut, natürlich hätte das Sams dann Wunschpunkte und ich könnte mir etwas wünschen. Aber im Moment hätte ich gar keinen Wunsch, das ist das Erstaunliche.«

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