Literatur- und Musikfestival hat erneut finanzielle Probleme »Wege durch das Land«: Es droht die Insolvenz

Detmold (WB). Die Wogen gehen wieder hoch – das renommierte Literatur- und Musikfestival »Wege durch das Land« segelt seit Jahren in schwerer See und könnte sogar auf Grund laufen. Allerdings sollen die Veranstaltungen 2017 wie geplant stattfinden.

Von Matthias Meyer zur Heyde
2016 machten die »Wege« Station in Bethel. In der Zionskirche waren alle Plätze belegt – kein Wunder angesichts des Programms mit dem Countertenor Philippe Jaroussky, der Autorin Nora Bossong und der Schauspielerin Suzanne von Borsody.
2016 machten die »Wege« Station in Bethel. In der Zionskirche waren alle Plätze belegt – kein Wunder angesichts des Programms mit dem Countertenor Philippe Jaroussky, der Autorin Nora Bossong und der Schauspielerin Suzanne von Borsody. Foto: Bernhard Pierel

Beunruhigendes Anzeichen ist eine Mitteilung von Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD). Er teilte am Donnerstag im Hauptausschuss mit, es gebe »Unsicherheiten über die finanziellen Verpflichtungen« des Festivals. Die könnten dazu führen, »dass die gGmbH Wege zahlungsunfähig und damit insolvent wird«.

Wie berichtet, wurden seitens der »Wege« die gesetzlich vorgeschriebenen Vergaberichtlinien nicht beachtet, so dass das Land NRW Fördergelder zurückforderte. Die Forderung für den Prüfzeitraum 2010 bis 2012 wurde mittels Härtefallregelung auf 25 Prozent der Summe begrenzt. Die acht Gesellschafter der »Wege« beglichen die Forderung: Sie zahlten jeweils 20.000 Euro.

Wie für den Prüfzeitraum 2013 bis 2015 vorzugehen ist, befindet sich »noch in der Schwebe«, sagte Sarah Bloch von der gGmbH Wege dem WESTFALEN-BLATT. Es laufen Gespräche mit der Bezirksregierung Detmold, die die Interessen des Landes NRW wahrnimmt.

Noch im Anhörungsverfahren

»Wir befinden uns noch im Anhörungsverfahren, ein Rückforderungsbescheid ist noch nicht ergangen«, teilte die Bezirksregierung am Freitag mit. »Es gibt noch offene Fragen mit Blick auf die Rückzahlungen für die Förderjahre 2013 bis 2015 sowie mit Blick auf die beantragte Förderung für das Jahr 2017. Hierzu hat die Gesellschaft kurzfristig Antworten angekündigt.«

»Ziel unserer gemeinsamen Bemühungen ist es, dass das Festival fortgesetzt werden kann«, sagte der Paderborner Landrat Manfred Müller (CDU) dieser Zeitung. »Wir sind dabei, die Vor­aussetzungen zu schaffen, um einen Zuwendungsbescheid für 2017 und somit eine finanzielle Förderung zu erhalten. Dazu laufen derzeit intensive und konstruktive Gespräche.«

390.000 Euro zur Rettung benötigt

Diese Gespräche haben es in sich: Unter Umständen müssen die Gesellschafter zum zweiten Mal als »Sponsoren« einspringen, um das Festival zu retten. Die Rede ist von 390.000 Euro. Eine komplexe Angelegenheit: Für die Jahre 2014/15 haben die »Wege« eine Versicherung abgeschlossen. Sollte sie zahlen, dann – das hat Düsseldorf signalisiert – würde NRW die Härtefallklausel nicht anwenden, würde also die volle Summe zurückfordern.

Das wiederum könnte bedeuten: Die Versicherung zahlt für 2014/15 nur den »Härtefallbetrag« in Höhe von 25 Prozent, so dass die Gesellschafter auf dem Löwenanteil sitzen bleiben. Außerdem ist die Frage noch unbeantwortet, ob wenigstens für das »versicherungslose« Jahr 2013 die Härtefallklausel gilt.

Damit nicht genug: Eine Unsicherheit tritt laut Clausens Mitteilung »im Rahmen der laufenden Geschäftsführung« auf: Die »Wege« haben aktuell ein Defizit von 78.000 Euro – vorbehaltlich der Bestätigung durch einen (noch nicht erfolgten) Kassensturz.

Acht Gesellschafter

Darüber hinaus weist Clausen darauf hin, dass die Abwendung der drohenden Insolvenz unter Zeitdruck geschieht. Einen Stichtag nannte er jedoch nicht. Sarah Bloch sagte dem WESTFALEN-BLATT, Deadline sei definitiv nicht das nahe Quartalsende am 31. März.

Seit der Umwandlung der »Wege« in eine gGmbH (2009) wird das Festival von acht Gesellschaftern getragen. In der Nachfolge von Brigitte Labs-Ehlert, die wegen der Unregelmäßigkeiten gehen musste, sitzt die ehemalige NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) dem Literaturbüro OWL vor. Der Posten des Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung ist vakant.

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