Kulturpolitik Hilmar Hoffmann wird 90

Als Frankfurter Stadtrat machte er «Kultur für alle» zu einem Leitspruch, als Präsident des Goethe-Instituts erwies er sich als «begnadeter Bettler», als Rentner wurde er zum Vielschreiber. Auch im hohen Alter sitzt Hilmar Hoffmann noch täglich am Schreibtisch.

Von dpa
Hilmar Hoffmann wollte schon immer den Ton angeben.
Hilmar Hoffmann wollte schon immer den Ton angeben. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main (dpa) - Kurz vor seinem 90. Geburtstag blickt Hilmar Hoffmann ganz weit zurück. Er sitze in letzter Zeit oft in seinem Garten und denke über seine Kindheit nach, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Ich hab da noch nicht alles verarbeitet.»

Nach seiner Zeit als Frankfurter Kulturdezernent und Präsident des Goethe-Instituts schrieb Hoffmann ein Buch nach dem anderen, unter anderem über kulturpolitische Themen. «Jetzt schreibe ich das erste Mal in meinem Leben nur für mich», sagt er.

Eigentlich wollte Hoffmann seinen 90. Geburtstag am 25. August nicht so groß feiern wie in früheren Jahren. «Da hatte ich immer 600 Gäste im Garten» - plus jene, die nicht eingeladen waren, aber trotzdem vorbeischauten. In diesem Jahr wollte er eigentlich «nur zum Frühstück eingeladen werden», aber im Römer habe man gemeint, das gehe nicht. Also gibt es jetzt doch einen Empfang mit Bundestagspräsident Norbert Lammert als Laudator.

Zuvor wollte Hoffmann erstmal auf Kur, «damit ich dann fit bin». Das Gehen fällt ihm schwer in den vergangenen Jahren, aber der Geist ist flink wie eh und je. Von Anekdote zu Anekdote hüpft sein Erzählfluss, Namen, Daten, Ereignisse - alle Details sind da. «Das Langzeitgedächtnis funktioniert noch ganz gut», stimmt er zu, aber das Kurzzeitgedächtnis spiele ihm ab und zu schon einen Streich. Wobei das auch seine Vorteile habe: Wen er nicht kennen wolle, den könne er jetzt ganz ungeniert fragen, wer er denn sei.

Auch Jahrzehnte nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik ist der Wahl-Frankfurter der Mainmetropole treugeblieben. Noch immer wohnt er - versorgt von einer Haushälterin - in dem ehemaligen Forsthaus am Waldrand von Oberrad. Noch immer sitzt er täglich am Schreibtisch mit Blick auf den großen Garten. «Ich war immer ein fleißiger Mensch» sagt er, er arbeite jeden Tag von 10.00 bis 13.00 und von 15.00 bis 18.00 Uhr. Er schreibt mit der Hand, oder er diktiert und lässt abtippen. Bis heute hat er keinen Computer und kein Handy.

«Ich hab schon immer den Drang gehabt, den Ton anzugeben», sagt Hoffmann mit Blick auf seine Karriere. Die ersten Schritte führten den gebürtigen Bremer nach Oberhausen, wo er eine Volkshochschule leitete, ein Kurzfilmfest gründete und von 1965 bis 1970 Sozial- und Kulturdezernent war. Von 1970 bis 1990 prägte er als Kulturstadtrat Frankfurt wie kaum ein anderer Politiker: So würde es beispielsweise das Museumsufer ohne ihn nicht geben.

Auch wenn sein Herz links schlägt und Hoffmann Mitglied der SPD ist, wollte er doch nie Kulturpolitik für eine Partei machen. «Kultur für alle!» war seit 1979 sein Wunsch und sein Anspruch. Ein Motto, das bis heute mit seinem Namen verbunden ist. Vor kurzem habe ihn eine Doktorandin aus Tokio besucht, die über «Kunst für alle» schreibe, erzählt er nicht ohne Stolz. Kultur ist für ihn ein «Lebenselixier», unverzichtbar für jeden, der «ein ganzer Mensch werden» möchte.

Unter fünf verschiedenen Oberbürgermeistern kämpfte Hoffmann für dieses Ziel - und kam dabei mit manchen Schwarzen besser aus als mit einigen Roten. Auch dem derzeitigen SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann steht er fühlbar distanzierter gegenüber als dessen CDU-Vorgängerin Petra Roth und seinem aktuellen Amtsnachfolger Felix Semmelroth (CDU): «Der macht seinen Job gut».

Nachdem Hoffmann 1990 freiwillig vorzeitig als Kulturdezernent ausgeschieden war, erwartete ihn die internationale Bühne. Als Präsident des Goethe-Instituts ging es nicht mehr um Aufbau und Neueröffnung - in seiner Frankfurter Zeit wurden 15 neue Museen eröffnet - sondern um Abbau und Schließung. «Die meisten Kämpfe um Geld hab ich beim Goethe-Institut ausgefochten», sagt er rückblickend.

«Der Mann streitet glaubwürdig - und ein begnadeter Bettler ist er auch», sagte der damalige Bundespräsident Johannes Rau, als er Hoffmann verabschiedete. Zum 85. gratulierte ihm Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher mit den Worten, er sei «ein Glücksfall» für die Kulturpolitik gewesen. Man darf gespannt sein auf die Lobeshymnen zum 90. Geburtstag.

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