Ausstellungen In Uniform und großer Robe: Schau über Preußen-Frauen

Ihre Ehen war ein Politikum. Selbst ihre prächtigen Roben zeigten nicht modischen Geschmack, sondern dynastische Abstammung. Eine Berliner Schau erforscht den Einfluss der Preußen-Frauen auf die Geschichte.

Von dpa
Gemälde von Elisabeth von Bayern als Braut (l, später Königin von Preußen) und Auguste Victoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg als Braut (später Deutsche Kaiserin).
Gemälde von Elisabeth von Bayern als Braut (l, später Königin von Preußen) und Auguste Victoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg als Braut (später Deutsche Kaiserin). Foto: Jörg Carstensen

Berlin (dpa) - Tochter, Braut, Witwe und nur sehr selten Regentin. Der Rolle der Hohenzollern-Frauen waren auf den ersten Blick enge Grenzen gesetzt.

Eine Ausstellung im Berliner Schloss Charlottenburg will nun beweisen, dass die Töchter und Ehefrauen des Herrscherhauses einen viel größeren Einfluss auf den Aufstieg der Dynastie hatten als bislang angenommen. Die Schau mit dem Titel «Frauensache. Wie Brandenburg Preußen wurde» (22.8. bis 22.11.) zeigt mit einer Fülle wertvoller Exponate, wie die Preußinnen Einfluss auf Politik, Gesellschaft und Kultur nahmen.

2015 jährt sich zum 600. Mal die Übertragung der Mark Brandenburg an die Hohenzollern. Die Ausstellung bietet einen neuen Blick auf die Geschichte Preußens - einen «längst überfälligen Perspektivwechsel», wie die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg betont.

Mehr als 300 Gemälde, Kleidungsstücke, Skulpturen, Möbelstücke und Dokumente zeigen, wie die Kurfürstinnen, Königinnen und Kaiserinnen damals lebten und wirkten. Dabei verzichten die Ausstellungsmacher bewusst auf eine chronologische Darstellung, sondern stellen die adeligen Netzwerkerinnen in ihren verschiedenen Lebensbereichen vor. Ganz wichtig war dabei die von den Frauen betriebene Heiratspolitik, mit der die fürstlichen Damen ihr eigenes und das Schicksal ihrer Töchter ebenso beeinflussen konnten wie die politische Ausrichtung der Dynastie.

Dabei zählte jedes Detail. Kleid war da zum Beispiel schon vor der Hochzeit nicht gleich Kleid. Die edlen Roben waren politische Statements. So präsentiert Elisabeth von Bayern auf ihrem Brautbild ein Medaillonbild ihres Bräutigams Friedrich Wilhelm IV. von Preußen - ein öffentliches Eheversprechen sozusagen. Gleichzeitig trägt sie an der Schulter den preußischen Louisenorden, der auf ihre Abstammung verweist.

Die Ehe war keine Privatsache, sondern eine Staatsangelegenheit. Es ging um Erbansprüche, politische Allianzen und Friedensverträge. Wertvolle Hochzeitsgeschenke bezeugten die Vereinbarungen. Ausgestellt ist eine prächtige Kaminuhr, die die Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welfen 1913 zeigt: zwei Ritter zu Pferde, die sich die Hand reichen.

Viele original erhaltene Kleidungsstücke dokumentieren die Bedeutung öffentlicher Auftritte. Zu den Glanzstücken gehört der Krönungsmantel von Kaiserin Augusta (1811-1890). Selbst scheinbar Privates ist politisch - wie der hölzerne Bergstock der Marie von Preußen, Königin von Bayern. Mit ihrer Wanderleidenschaft wollte Marie öffentlich ihre neue, bayerische Identität ausdrücken.

Für andere Herrscherhäuser befremdlich - auch Frauen zeigten sich in Preußen öffentlich in Uniform. Zu sehen ist zum Beispiel der aus Wolltuch gefertigte Uniformrock von Victoria Luise von Preußen, die 1909 zur Chefin eines eigenen Regiments ernannt wurde. Auch zu Pferde machten die selbstbewussten Preußinnen eine gute Figur. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1680 zeigt Dorothea von Holstein-Glücksburg, Kurfürstin von Brandenburg, als Reiterin im Herrensitz. Wie eine Feldherrin ließ sich Wilhelmine von Preußen (d.Ä.) 1778 auf ihrem steigenden Pferd darstellen.

Da die Frauen sehr jung heirateten, erlebte jede zweite Frau die Witwenschaft, wie die Ausstellungskuratoren Nadja Bender und Alfred Hagemann erklären. Die im Ehevertrag ausgehandelte Witwenversorgung habe den Frauen dann oft erstmals ein finanziell eigenständiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Und: War der Thronerbe beim Tod des Vaters noch unmündig, konnte die Mutter bis zu seiner Volljährigkeit die Regentschaft übernehmen. In Brandenburg-Preußen habe es allerdings nie Regentinnen gegeben. Dafür herrschten in anderen Reichen vereinzelt brandenburgische Prinzessinnen.

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