Kunst Milliardär Plattner droht und kritisiert Kulturschutzgesetz

Mäzen Hasso Plattner macht seinem Unmut Luft. Sollte das angedachte Kulturschutzgesetz Wirklichkeit werden, kommen seine Impressionisten nicht nach Potsdam.

Von dpa
Der Milliardär Hasso Plattner ist gegen das geplante Kulturschutzgesetz.
Der Milliardär Hasso Plattner ist gegen das geplante Kulturschutzgesetz. Foto: Uwe Anspach

Potsdam (dpa) - Das geplante Kulturschutzgesetz sorgt weiter für Streit. Der Mäzen Hasso Plattner sagte den «Potsdamer Neuesten Nachrichten», seine Kunstsammlung bleibe in den USA im kalifornischen Palo Alto, sollte der Entwurf von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Wirklichkeit werden.

Plattners Sammlung sollte eigentlich nach seinem Tod in Potsdam im Museum Barberini dauerhaft ihren Platz finden. «Das Gesetz würde sie aber um einen erheblichen Teil ihres Wertes berauben», so Plattner. Seine Missstimmung brachte er auch in einem Brief an Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zum Ausdruck.

Damit würden dem geplanten Kunstmuseum wertvolle Bestände fehlen, darunter bedeutende Werke des Impressionismus und der Klassischen Moderne. Seine Sammlung umfasst nach eigenen Angaben rund 250 Bilder, darunter seien Werke von Munch, Monet, Renoir und Nolde. Was aus dem Museum würde, darüber mache er sich jetzt noch keine Gedanken, sagte er. Auf jeden Fall werde dort wie bisher geplant seine Sammlung von DDR-Kunst gezeigt.

Der Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP betonte, Museen und Sammler bräuchten die Flexibilität, auch mal ein Werk zu verkaufen, um dafür andere Kunstgüter zu erwerben oder Aufwendungen zu decken. In den USA sei die Verunsicherung durch das geplante Gesetz schon jetzt groß.

Der Sprecher von Grütters, Hagen Philipp Wolf, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Plattner solle warten, bis der offizielle Gesetzentwurf vorliege. «Dann wird er sehen, dass seine Sammlung durch die Gesetzesnovelle gar nicht betroffen sein wird.» Neu an dem Gesetz sei nur eine erforderliche Ausfuhrgenehmigung in den europäischen Binnenmarkt, wenn ein Kunstwerk einen bestimmten Wert und Altersgrenzen überschreite. Die Ausfuhr in den außereuropäischen Markt sei so schon seit 1992 geregelt und funktioniere ohne Probleme.

Der bekanntgewordene Entwurf zu dem Gesetz war in der Kunstwelt auf massive Kritik gestoßen. Der Maler Georg Baselitz etwa zog aus Protest seine Leihgaben aus deutschen Museen zurück.

Potsdams Oberbürgermeister Jakobs warnte vor einem «kulturpolitischen Skandal allerersten Ranges» in Potsdam. Er trete für eine «radikale Veränderung» ein - am besten wäre eine Rücknahme des Gesetzes, schreibt er in einem Brief an Grütters. Ohne das Engagement international agierender privater Sammler und Mäzene wäre der Kunstbetrieb in den Kommunen längst zum Erliegen gekommen.

Das Museum Barberini soll Ende 2016 fertig werden, die Eröffnung ist für 2017 geplant. Das Palais ließ Friedrich der Große (1712-1786) nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom errichten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Barockbau zerstört. Plattner, der in Potsdam auch das nach ihm benannte Institut bezahlt, finanziert den Wiederaufbau.

Unterdessen wurde bekannt, dass ein Privateigentümer gegen den Willen der rheinland-pfälzischen Landesregierung einen kostbaren Goldpokal aus dem 17. Jahrhundert ins Ausland gebracht hat. Ein Sprecher des Kulturministeriums in Mainz bestätigte am Samstag einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel», wonach der Pokal zunächst nach Großbritannien und dann vermutlich in die USA exportiert wurde. «Solche Fälle zeigen eindrucksvoll, wie wichtig das geplante Kulturgutschutzgesetz ist», sagte Sprecher Wolf.

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