Heimat Hunsrück Edgar Reitz berichtet aus dem Leben seiner Vor-Vorfahren – ab Donnerstag im Kino

Simmern (dpa). Mit gleich vier Vorführungen feiert der Film »Die andere Heimat« von Edgar Reitz seine Deutschlandpremiere im Hunsrück – in der Region, in der Reitz' gesamte »Heimat«-Filmtrilogie spielt und in der er selbst geboren wurde.

Großes Kino im kleinen Simmern: Sowohl in der Hunsrückhalle als auch im Pro-Winzkino war »Die andere Heimat« von Regisseur Edgar Reitz am Samstag zur Deutschlandpremiere zu sehen – und das dann gleich zweimal. Das aktuelle Werk ist eine Erweiterung der berühmten »Heimat«-Filmtrilogie des 80-jährigen Reitz aus den Jahren 1984, 1992 und 2004, damals im Fernsehen gezeigt. In seinem »Heimat«-Epos schilderte Reitz die Schicksale einer Familie aus dem fiktiven Dorf Schabbach im Hunsrück und spannte einen Bogen vom Jahr 1919 bis zur Jahrtausendwende. Für viele Filmfans hat das Werk, vor allem die ersten beiden Teile, Kultstatus.

Der neue, knapp vierstündige Film spielt nun drei Generationen vor dem ersten Teil und ist die Geschichte zweier Brüder, gespielt von Jan Dieter Schneider und Maximilian Scheidt. Einer, Jakob, träumt, getrieben von der Armut in seiner Heimat, von einem Neuanfang in Brasilien. Doch Schicksalsschläge und Hungersnöte rücken diesen Traum zunächst in weite Ferne.

Reitz, der selbst in Morbach im Hunsrück geboren wurde, drehte im vergangenen Jahr unter anderem im nahen Gehlweiler, einem Ort von gerade einmal 250 Einwohnern. Dieser war mit großer Unterstützung der Bürger zum fiktiven Schabbach umgestaltet worden. Teilweise waren dort für mehrere Wochen im Ortskern Asphaltdecken entfernt und Stromleitungen abgebaut worden.

Die Premierenfeier am Samstag in Simmern eröffnete die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Eveline Lemke (Grüne). Sie betonte die Bedeutung des Filmes für die Identitätsbildung der Menschen in der Region. Reitz selbst sagte: »Film ist eine Zeitkunst. Wir halten ein Stück Lebenszeit fest.« Es sei ein magischer Vorgang, Vergangenes auf der Leinwand wieder sichtbar zu machen.

Die Dreharbeiten für »Die andere Heimat« seien auch von positiven Umständen begleitet gewesen. Er sprach von ansteckendem Teamgeist und günstigen Wetterverhältnissen. »Wir machen gar nicht den Film, der Film macht sich selber.«

Anschließend überzeugte »Die andere Heimat« das Publikum mit gefühlvollen Szenen, glaubhaften Schauspielern und ästhetischen Bildern. Ruhige Kamerafahrten und sparsame Schnitte zeigen Sinn fürs Detail, Farbeffekte im ansonsten in schwarz-weiß gehaltenen Film erwecken die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Bedrückende Elemente wechseln sich ab mit durchaus humorvollen Momenten.

Die Zuschauer bei der Premierenfeier waren begeistert, es gab minutenlang stehende Ovationen. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) fasste es so zusammen: »Edgar Reitz hat den Hunsrück weltweit bekanntgemacht und uns das Heimatgefühl wiedergegeben.«

In den Kinos ist der Film – und damit auch ein Stück Hunsrück – deutschlandweit vom 3. Oktober an zu sehen.

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