Robert-Koch-Institut kann nur veraltete Daten veröffentlichen
Corona-Fallzahlen nicht aktuell

Berlin (WB). Wie wirksam ist der Shutdown Deutschlands im Hinblick auf die Ausbreitung des Coronavirus? Die Frage ist selbst für Experten schwer zu beantworten, denn der Anordnung von Maßnahmen lassen sich Infektionszahlen bisher nicht tagesgenau zuordnen.

Freitag, 27.03.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 11:28 Uhr
Auch wenn es mit den Labortests schnell laufen sollte: Bei der Übermittlung der Fallzahlen an das Robert-Koch-Institut hakt es. Foto: dpa

Es hakt bei der Übermittlung der Fallzahlen an das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, das als erste Stelle über solide bundesweite Daten verfügt – allerdings verspätet. Technisch wäre es einfach, dass jedes der etwa 400 Gesundheitsämter seine Zahlen online ans RKI meldet, aber das sieht das föderale System nicht vor.

Laufzeiten nicht einheitlich

In NRW zum Beispiel übermitteln die Gesundheitsämter Daten bestätigter Coronafälle (deren Probenentnahme schon Tage her sein kann) „spätestens zum folgenden Arbeitstag” ans Landeszentrum Gesundheit in Bochum. Von dort werden sie ans RKI weitergegeben – wieder spätestens am nächsten Arbeitstag. Wenn dann noch Wochenenden in den Zeitraum fallen, können Zahlen viele Tage alt sein, bevor sie das RKI erreichen. Durch die nicht einheitliche Laufzeit der Daten zum RKI werden die Tageswerte weiter verfälscht.

Viele deutsche Medien verbreiten seit Wochen Zahlen, die die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore veröffentlicht – auf einer übersichtlichen Internetseite, „Dashboard” (Armaturenbrett) genannt. Wie seriös die Zahlen aus den USA sind, ist aber völlig unklar. Nach eigenen Angaben bezieht die Uni die Daten nicht nur von zahlreichen Gesundheitsorganisationen aus aller Welt, sondern auch durch die Auswertung von Medien. Das WESTFALEN-BLATT hat mehrfach schriftlich angefragt, wie die Uni bei dieser Datengewinnung eine Doppelzählung vermeiden will, aber keine Antwort bekommen.

Donnerstag um 13 Uhr deutscher Zeit meldete die Johns-Hopkins-Uni 39.502 Infizierte und 222 Tote aus Deutschland, das RKI 36.508 Fälle und 198 Tote. Auch das RKI ist jetzt mit einem „Dashboard” online – mit Zahlen für Deutschland und die 16 Bundesländer.

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