Porträt
Pete who? Buttigieg mischt Demokraten-Vorwahl auf

Vor einem Jahr war Pete Buttigieg noch weitgehend unbekannt. Nun macht der 38 Jahre alte Ex-Bürgermeister aus Indiana bei der Demokraten-Vorwahl Furore. Wer ist er? Ein Mann mit vielen Talenten. Aber taugt er als Herausforderer für Donald Trump?

Mittwoch, 05.02.2020, 16:23 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 16:26 Uhr
Pete Buttigieg hat zum Auftakt der Demokraten-Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen die Führung übernommen. Foto: Charlie Neibergall

Washington (dpa) - Bu-ti-dschidsch. Im Internet gibt es diverse Anleitungen, wie der Name Buttigieg richtig auszusprechen ist. Pete Buttigieg fragte sich als Teenager, ob sein Nachname ein Stolperstein sein würde für sein Fortkommen in der Welt.

Bislang läuft es. Der Mann mit dem schwer auszusprechenden Nachnamen hat zum Auftakt der Demokraten-Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen die Führung übernommen. Nach der Abstimmung im ersten Bundesstaat Iowa liegt er vorläufigen Ergebnissen zufolge vorne.

Ein «phänomenales» Resultat sei das, sagte Buttigieg, als er nach der Verkündung der Teil-Ergebnisse vor Anhängern sprach. Vor einem Jahr sei seine Wahlkampagne gestartet «mit vier Mitarbeitern, ohne dass man meinen Namen kannte, ohne Geld». Eine Kampagne, der viele keine Chance eingeräumt hätten, liege nun auf Platz eins. Das sei ein «erstaunlicher Sieg».

Wer ist dieser Mann? Acht Jahre lang, bis Ende 2019, war Buttigieg Bürgermeister von South Bend - einer 100.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Indiana. Einem Staat, den US-Präsident Donald Trump 2016 klar gewonnen hat. Buttigieg hat einen Vorzeige-Lebenslauf. Er studierte an renommierten Universitäten: erst in Harvard, später - mit dem hochbegehrten Rhodes-Stipendium - in Oxford. Danach arbeitete er als Unternehmensberater bei McKinsey, bevor er in die Politik wechselte.

Buttigieg war bei der Navy. 2014 legte er für einen siebenmonatigen Einsatz in Afghanistan eine Pause bei seinem Bürgermeisterjob ein. Er hat ein Buch geschrieben, seine - ziemlich frühen - Memoiren, die es auf Bestsellerlisten schafften. Er spielt Klavier und Gitarre, spricht neben Englisch sieben weitere Sprachen: Französisch, Spanisch, Italienisch, Maltesisch, Norwegisch, Dari und Arabisch. Zumindest kann er in diesen Sprachen ein Sandwich bestellen, wie er selbst von sich sagt. Sein Vater stammte aus Malta - daher Maltesisch. Ein bisschen Dari schnappte Buttigieg in Afghanistan auf. Und Norwegisch lernte er, weil er mehr von einem norwegischen Autoren lesen wollte, von dem es vieles nur im Original gab.

Im Internet kursieren diverse Videos, wie Buttigieg Journalistenfragen auf Französisch, Spanisch, Italienisch oder Norwegisch beantwortet. Wie er ein Livekonzert am Flügel begleitet oder ein paar Akkorde von Jimi Hendrix auf der Gitarre klampft. In der Welt der sozialen Medien sorgt so etwas für Verzückung.

Nun will er ins Weiße Haus. Ohne jede Regierungserfahrung auf nationaler oder bundesstaatlicher Ebene - das ist ein Manko. Das Trump-Lager verspottet ihn als «ehemaligen Kleinstadt-Bürgermeister». Buttigieg versucht, Breitseiten gegen seine mangelnde Erfahrung abzuwehren - etwa mit dem Verweis auf die Spannbreite eines Bürgermeisterjobs, auf seine Militärzeit und die Notwendigkeit frischer Ideen für das Land.

Tatsächlich kommt Buttigieg bei öffentlichen Auftritten keineswegs unbedarft daher. Im Gegenteil. Der Demokrat wirkt immer hellwach, souverän, denkt schnell, ist schlagfertig, witzig, rhetorisch gewandt - und bei alldem nicht arrogant.

Für ihn gilt eine weitere Besonderheit: Würde Buttigieg tatsächlich gewählt, wäre er nicht nur der jüngste Präsident in der Geschichte der USA, sondern auch der erste offen homosexuelle Regierungschef des Landes. Es ist gar nicht allzu lange her, dass Buttigieg seine Homosexualität publik machte. 2015 veröffentlichte er dazu einen Gastbeitrag in der Lokalzeitung seiner Heimatstadt South Bend. Kurz darauf lernte er seinen Partner Chasten kennen, den er 2018 heiratete.

Die beiden geben viel Einblick in ihr Privatleben und bedienen die sozialen Medien auf Hochtouren. Von ihrer Hochzeit gab es einen Livestream. In Interviews haben sie verraten, wie sie sich kennengelernt haben - per Online-Dating. Bei Instagram posten sie Bilder aus ihrem Zuhause. Ihre zwei Hunde - Truman und Buddy - haben einen eigenen Twitter-Account.

Buttigieg erwähnt seinen Mann Chasten in Reden oft und beschreibt seine Ehe zu ihm als größten Ausdruck von Freiheit. Eine Freiheit, die er in einem Amerika unter Trump in Gefahr sieht. Aber wäre das Land bereit für einen schwulen Präsidenten?

Dem 38-Jährigen kommt zu Gute, dass er viele Facetten bedient, und damit gleichermaßen Konservative und Progressive für sich einnimmt. Er ist der bodenständige Ex-Bürgermeister und gleichzeitig der feingeistige Intellektuelle. Der kriegserfahrene Navy-Veteran und gleichzeitig - schon jetzt - eine Art Ikone für viele Schwule und Lesben. Er ist der heimatverbundene Mann aus dem Mittleren Westen, der gleichzeitig eine elitäre internationale Ausbildung hinter sich hat. Der moderne Liberale und gleichzeitig der strenggläubige Christ.

Inhaltlich bedient Buttigieg den moderaten Flügel der Demokratischen Partei. Der frühere US-Präsident Barack Obama nannte Buttigieg 2016 in einer Auflistung demokratischer Hoffnungsträger. Auch Obamas ehemaliger Berater, David Axelrod, schwärmt seit längerem öffentlich in höchsten Tönen von ihm.

Buttigieg sammelt auch Geld von Großspendern. Eine seiner internen Konkurrentinnen im Präsidentschaftsrennen, Elizabeth Warren, griff ihn dafür zuletzt öffentlich scharf an. Buttigieg wehrte sich und gab zurück, er habe anders als Warren und weitere Mitstreiter kein großes persönliches Vermögen und könne jede Unterstützung gebrauchen.

Ob Buttigieg es schafft, den Schwung von Iowa zu nutzen, ist unklar. In nationalen Umfragen liegt er weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz. Im nächsten Vorwahl-Staat New Hampshire allerdings, wo am kommenden Dienstag abgestimmt wird, rangiert er in Umfragen unter den demokratischen Bewerbern auf Rang drei - wie zuletzt in Iowa, wo er dann aber an die Spitze rückte. Rückenwind aus den frühen Vorwahlstaaten ist wichtig für die Bewerber. Wer dort versagt, dessen weitere Aussichten gelten als trübe.

So oder so schärft Buttigieg derzeit maximal sein nationales Profil. Und er ist noch jung. Amerika dürfte deshalb in jedem Fall noch mit ihm zu tun haben.

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