Fragen und Antworten
Die Brände in Australien, der Mensch und der Klimawandel

Australien ist ein Land, in dem Kohle noch ein großes Thema ist. Die Brände haben eine Debatte ausgelöst: Welche Rolle spielt der Klimawandel? Ist Australien ein Klimasünder?

Freitag, 03.01.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 12:04 Uhr
Dichte Rauchwolken steigen über einem Wald auf in Bairnsdale auf. Foto: Glen Morey

Canberra (dpa) - Die Feuer in Australien wüten schon seit Oktober. Jetzt hat es auch den Farmer Steve Shipton erwischt. Er fährt über ein verkohltes Feld mit toten und verletzten Kühen. Er gibt einem Kalb den Gnadenschuss. Kollegen trösten ihn, sein Blick ist leer.

Es sind dramatische Bilder, die nach den Bränden in Australien um die Welt gehen. Und sie bringen zum Nachdenken: Was steckt hinter dieser Naturkatastrophe?

Welche Rolle spielt der Klimawandel bei den Bränden?

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif verweist darauf, dass das Land schon seit Jahren immer neue Temperaturrekorde erlebe. Im südaustralischen Nullarbor stieg demnach die Höchsttemperatur vor ein paar Tagen auf einen Wert von 49,9 Grad - der heißeste jemals an einem Dezembertag gemessenen Wert. Rekordverdächtig sei auch die schon lange anhaltende extreme Trockenheit: «Das sind klare Indizien dafür, dass der Klimawandel die Brände begünstigt.» Die Brände seien in gewisser Weise anhand der Modellrechnungen in der Region zu erwarten gewesen. Teile Australiens liegen demnach genau in dem Breitengradgürtel, in dem Rekordhitze gepaart mit Rekordtrockenheit von den Modellen vorhergesagt werden.

Was ist das Besondere an der Lage in Australien?

Es gibt praktisch keine Atempause, hinzu kommen starke Winde. Die ausgeprägte Trockenheit begünstigt die Brände. So war der Frühling 2019 laut der australischen Meteorologiebehörde der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. Australiens Klima wird unter anderem von einer natürlich vorkommenden Schwankung im Indischen Ozean beeinflusst, dem Indischen-Ozean-Dipol.

Ist dieser - wie in diesem Jahr - positiv, wird warmes Wasser von Australien weg in den westlichen Teil des Indischen Ozeans getrieben. So kann zwischen Indonesien und der Nordwestküste Australiens kaltes Wasser aus der Tiefe des Meeres emporsteigen. Das sorgt dafür, dass sich weniger Wolken bilden. Besonders im Zentrum und Südosten Australiens fehlen daraufhin im Winter und Frühling Niederschläge - was dazu führt, dass Brände im Sommer, der jetzt dort ist, schlimmer ausfallen können.

Ist es abwegig zu fragen: Können diese Brände auch das Klima verändern?

«Das globale Klima beeinflussen die Brände kaum», sagt Klimaforscher Latif.

Welche Rolle spielt die Politik - ist Australien als Kohle-Land ein Klimasünder?

Australiens Premierminister Scott Morrison gilt als Kohle-Förderer. Er sieht die Brände als Naturkatastrophe und lehnt es ab, seine Klimapolitik deswegen zu ändern. Forscher Latif betont: «Das Klimaproblem ist ein globales Problem, das nur alle Länder gemeinsam lösen können.» Australien gehöre zu den Blockiererländern auf den Klimakonferenzen. Das sei zuletzt auf der Weltklimakonferenz in Madrid deutlich geworden.

Es gibt aber auch eine Studie, die Australien besser aussehen lässt. Das Land wird demnach die Ziele des Klimaschutz-Abkommens von Paris möglicherweise fünf Jahre früher erfüllen als erwartet. Die Australische Nationaluniversität (ANU) in der Hauptstadt Canberra präsentierte 2019 eine Untersuchung, wonach Australien sein Soll bereits 2025 statt 2030 schaffen wird. Beim Ausbau von erneuerbarer Energie liege das Land im Pro-Kopf-Vergleich weit vor anderen Staaten wie China oder den USA und auch vor der Europäischen Union. Der Studie zufolge wird Australien im Jahr 2024 etwa 50 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien beziehen können.

Wird es in Australien nach den Bränden ein Umdenken in Sachen Klima geben?

Der Klimawandel-Forscher Marc Howden von der Australischen Nationaluniversität sagt: «Wer weiß. Aber es hat schon angefangen, die Debatte zu verändern.» Einige Politiker, die früher alles für in Ordnung gehalten hätten, hätten nun öffentlich gesagt, dass man sich die Klimapolitik doch nochmal angucken müsste. «Meine persönliche Meinung ist, dass wir leider noch nicht den Punkt erreicht haben, an dem es ein fundamentales Umdenken bei der Klimapolitik geben wird.»

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