Porträt
Werner Kogler: Retter der Grünen wird Vizekanzler

Mit Werner Kogler an der Spitze schafften die Grünen den Wiedereinzug ins österreichische Parlament. Der 58-Jährige hat die Partei mit seiner hemdsärmeligen Art wieder in die Spur gebracht. Zur Belohnung wird er Vizekanzler.

Donnerstag, 02.01.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 12:04 Uhr
Wird Vizekanzler: Österreichs Grünen-Chef Werner Kogler. Foto: Hans Punz

Wien (dpa) - Werner Kogler hatte bei den österreichischen Grünen schon viele Ämter inne. Aber Vizekanzler? Das dürfte sich der 58-Jährige vor etwas mehr als zwei Jahren selbst nicht ausgemalt haben.

Da lag seine Partei am Boden, mit 3,8 Prozent verpassten die Grünen bei der Wahl im Herbst 2017 den Einzug ins Parlament. Es drohte die Bedeutungslosigkeit. Doch Kogler nahm sich der Partei an, profitierte auch von der Allgegenwärtigkeit der Klimadebatte - und führte die Grünen wieder ins Parlament. 13,9 Prozent der Wähler konnten der Parteichef und seine Unterstützer Ende September überzeugen, Kogler bezeichnete den Wahltag als «Sunday For Future».

Der Wirtschaftswissenschaftler prägt seit mehr als 30 Jahren die Politik der Grünen mit und kommt dabei manchmal eher wie ein etwas zerstreuter Gelehrter rüber als wie ein scharfzüngiger Umweltaktivist. Viele Sätze sind zu verschachtelt, um bis zum Ende folgen zu können, oftmals haben sie nicht mal eines. Doch Kogler strahlt dabei eine Überzeugung für die Sache aus: Für vernünftige, grüne Umweltpolitik.

Vor der Wahl und den Koalitionsverhandlungen überzeugte Kogler zudem mit seiner Lockerheit: Ähnlich wie der deutsche Grünen-Chef Robert Habeck präsentierte sich auch Kogler gerne mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, den gesamten Wahlkampf über begleitete ihn eine auffällige, neongrüne Sonnenbrille. Seit der Wahl und den Koalitionsverhandlungen zeigt der 58-Jährige aber auch optisch seine staatstragende Seite - mit Sakko und immer öfter auch mal mit der Merkel-Raute.

Geboren wurde Kogler am 20. November 1961 in Hartberg, gut 70 Kilometer von Graz entfernt. In seiner Jugend zählten für ihn vor allem Parties und der Fußball, zwischenzeitlich trainierte er sogar bei der U21 von Sturm Graz mit. Das Interesse an der Politik kam langsam. Als 17-Jähriger gründete er mit Freunden den «Verein zur Abschaffung des Mittelalters in der Oststeiermark», die Jungs wollten in der durch und durch konservativen Region provozieren. Bei seiner Abiturprüfung sei er gefragt worden, ob es in Österreich eine grüne Partei brauche, was er damals bejahte. 1982 gehörte er dann tatsächlich zu den Gründern der Alternativen Liste Österreich, einem Vorläufer der heutigen Grünen in der Alpenrepublik.

1999 zog Kogler, ein Freund schwarzer Komödien aus Frankreich und Italien, erstmals als Abgeordneter in den Nationalrat ein. In den folgenden Jahren überzeugte er dort am Rednerpult. 2010 trug er seine Gedanken zum Budget der Regierung fast 13 Stunden am Stück vor. Ein gewisser Hang zu Endlos-Sätzen ist ihm zweifelsohne geblieben.

Doch wenn es drauf ankommt, macht Kogler klar, was ihm wichtig ist. Die Grünen seien für eine Koalition mit der ÖVP von Ex-Kanzler Sebastian Kurz gesprächsbereit, wenn sich die ÖVP bei den Themen Korruptionsbekämpfung, Kinderarmut und Klimaschutz bewege. Dieses Mantra wiederholte Kogler seit dem Wahlsonntag.

Vor allem beim Klimaschutz muss die Partei den Wählern etwas bieten. «Wir machen die Wahl zur Klima-Wahl», stand schon im Vorwort des grünen Wahlprogramms. Am Mittwochabend sagte der 58-Jährige zur Einigung mit der ÖVP auf eine Regierung, dass Österreich nun zum internationalen Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden solle.

Neben dem Klimathema setzte Kogler zuletzt erfolgreich auf die Zugkraft von Promis für den Wahlerfolg. Bei der Europawahl holte er TV-Köchin Sarah Wiener ins Boot. Vor der Nationalratswahl konnte er mit Leonore Gewessler eine in Österreich bekannte Aktivistin einer Umwelt-NGO von einer Kandidatur überzeugen. Gewessler wird nun wohl grüne Superministerin und ist dann unter anderem zuständig für die Umwelt, den Verkehr und für Energiethemen.

Kogler selbst wird als Vizekanzler vor der großen Herausforderung stehen, neben dem stets perfekt vorbereiteten Medienprofi Sebastian Kurz als Juniorpartner nicht unterzugehen. Dann wäre nicht ausgeschlossen, dass das Duo Kurz-Kogler in den kommenden Jahren die österreichische Politik auch langfristig prägt.

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