Schon 4,5 Millionen Kubikmeter ins Umland versickert
Steinhuder Meer: Wildschweine lassen das Wasser ablaufen

Steinhude (WB). Der Wasserstand des Steinhuder Meers ist in den vergangenen Tagen um 15 Zentimeter gesunken. „Das ist erheblich”, sagt Dr. Conrad Ludewig von der Domänenverwaltung des Amts für regionale Landesentwicklung Leine-Weser in Hildesheim. Schuld seien Wildschweine, die am Südwestufer im Gebiet der Gemeinde Hagenburg die Uferbefestigung zerstört hätten. „Das ist, als wenn man bei einer Badewanne den Stöpsel zieht.” Eine schnelle Reparatur der Schäden sei nicht möglich. Etwa 4,5 Millionen Kubikmeter sind bereits abgeflossen.

Dienstag, 12.05.2020, 04:11 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 11:04 Uhr
3100 Boote liegen am Steinhuder Meer. Vor der Wende und der Öffnung der Mecklenburgischen Seenplatte waren es 8000. Foto: Althoff

38 Meter über dem Meeresspiegel sei der Pegel, mit dem die Saison am Steinhuder Meer normalerweise nach dem Winter beginne. „Das bedeutet eine mittlere Wassertiefe von 1,35 Metern. Es gibt aber auch Sandbänke und andere Bereiche, in denen das Wasser weniger als einen Meter tief ist.”

Niedriger Wasserstand Problem für Wassersportler

Im Laufe des Sommers verdunsteten dann fünf bis zehn Millimeter pro Tag. „Weil der Regen das nicht ausgleicht, sinkt der Wasserstand im Laufe des Jahres.” Da seien die jetzt abgelaufenen 15 Zentimeter schon „ein Schlag ins Kontor”, sagt Ludewig. Da könnten etliche Wassersportler im Laufe des Sommers Probleme mit dem Tiefgang ihrer Boote bekommen.

Schon im vergangenen Jahr war der Wasserstand so niedrig, dass größere Boote bereits im Spätsommer aus dem Wasser geholt werden mussten, weil sie bei weiter sinkendem Pegel die Krananlagen nicht mehr erreicht hätten.

Das Steinhuder Meer habe keine klassischen Deiche, erklärt der Experte. „Solche Uferbefestigungen wären auch gar nicht möglich, denn der schwere Ton oder die Kleie, aus denen man Deiche baut, würden im moorigen Untergrund versinken.” Stattdessen gebe es Wallanlagen aus relativ lockerem Material.

„Das hatte durch die beiden letzten trockenen Sommer schon Risse bekommen.” Der starke Regen im Februar habe dann Mäuse und Regenwürmer aus den tieferen Schichten dieser Wälle nach oben getrieben. „Und dort sind sie jetzt von Wildschweinen entdeckt worden.”

Reparatur nicht vor September

Da die Uferbefestigung in Hagenburg am tiefsten sei, sei das Wasser dort abgeflossen und habe landwirtschaftliche Flächen geflutet. „Da können die Bauern mit ihren Fahrzeugen erst mal nicht drauf”, sagt Dr. Ludewig. Es sehe so aus, als sei der Wasserabfluss zunächst erst mal gestoppt, weil die am tiefsten reichenden Wildschweinschäden nun oberhalb der Wasseroberfläche lägen.

Eine Reparatur sei aber nicht vor September möglich: „Zum einen nisten und brüten dort Vögel. Und zum anderen ist der Untergrund jetzt viel zu morastig. Wir müssen da mit einem Harvester rein, der erst einmal Gebüsche beseitigt, bevor wir Bodenmaterial auffüllen können. Das geht aber erst nach einer Trockenperiode.”

Über das Steinhuder Meer

Das Steinhuder Meer ist ein Naherholungsgebiet für viele Menschen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. 3100 Boote liegen dort an den Stegen, Jeder Bootsbesitzer muss 95 Euro Befahrensgebühr im Jahr bezahlen. Mit dem Geld unterhält das Land Niedersachsen den See und baggert jedes Jahr etwa 40.000 Kubikmeter Schlamm aus. Der entsteht durch abgestorbene Pflanzen.

Naturschützer wünschen sich einen See mit Wasserpflanzen auf dem Grund, was dann auch zu weniger Schlamm führen würde, aber das wird ein Wunsch bleiben. Dr. Ludewig: „Durch die geringe Wassertiefe wühlt der Wind den Grund permanent auf. Deshalb haben wir kein klares Wasser, und deshalb kommt kein Sonnenlicht auf den Grund, das die Pflanzen aber brauchen.”

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