Corona: Die Hofreitschule Bückeburg streicht ihre Darbietungen und gibt fünf Hengste ab
Das Ende der Show

Bückeburg (WB). Nie wieder werden Mädchen zu Weihnachten mit glänzenden Augen sehen, wie Reiter in Barock- und Renaissancekleidern Pferden mit scheinbarer Leichtigkeit die schwierigsten Gangarten entlocken.

Mittwoch, 06.05.2020, 03:12 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 06:18 Uhr
„Guck mal, was ich kann!” Der 28 Jahre alte frühere Weltchampion Raisulih el Hadi reagiert auf Wolfgang Krischkes Handzeichen. Foto: Christian Althoff

Die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg kann ihre prachtvollen Kindershows, Weihnachtsshows und die Galas, die jedes Jahr tausende Besucher in die Residenzstadt geführt haben, nicht mehr präsentieren. Nur noch einmal im Monat soll es eine Parade der Fürstenpferde geben, außerdem öffentliche Trainings vor Zuschauern.

„Das Corona-Virus hat uns trotz unglaublicher finanzieller Unterstützung durch viele Pferdefreunde das Genick gebrochen. Erste Kaufinteressenten für unsere Hengste waren schon hier”, sagt Hofreitmeister Wolfgang Krischke (60), der mit seiner Frau Christin (54) als Direktorin die Hofreitschule betreibt. Die Entscheidung, sich von den aufwendigen Shows zu verabschieden, sei sehr schwer gefallen, und es seien auch Tränen geflossen. Vier Mitarbeitern habe man kündigen müssen, jetzt wolle man sich auf den Schulbetrieb konzentrieren.

Reitschule ist das Herz des Betriebs

Die Geschichte der späteren Hofreitschule begann Anfang des 17. Jahrhunderts, als Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg 1622 den heutigen Marstall bauen ließ. Die Bezeichnung geht auf das Wort Mähre zurück und meint in der Regel den Pferdestall von Herrenhäusern und Schlössern.

Das Pferdewesen auf Schloß Bückeburg erlebte Aufs und Abs. Während das Inventar für die Blütezeit um 1704 noch 89 Hengste und 60 Stuten auflistet, verkaufte der Hof 1787 große Teile der Pferde und Kutschen. Schlossherr Philipp Ernst zu Schaumburg-Lippe (1928 - 2003) stellte den Marstall schließlich einem Reitverein zur Verfügung, und 2004 übernahmen Wolfgang und Christin Krischke als Pächter die historischen Gebäude. Der neue Schlossherr, Alexander Prinz zur Schaumburg-Lippe, gestattete ihnen die Bezeichnung Fürstliche Hofreitschule. Und auch wenn viele vor allem die Shows kennen, so ist doch die Reitschule das Herz des Betriebs.

Training beginnt für Pferde mit vier Jahren

„Wir sind anders”, sagt Wolfgang Krischke. Deshalb kämen Reiter mit ihren Pferden selbst aus dem Ausland zum Unterricht nach Bückeburg, und er werde von Veranstaltern aus anderen Ländern für Seminare gebucht. „Wir bilden Pferde zwanglos und ohne Zeitdruck aus. Und manchmal sogar ohne Gebissstück.”

Während sonst zweieinhalb Jahre alte Pferde trainiert würden, damit sie mit drei Jahren Leistung zeigten, beginne in der Hofreitschule das Training mit Vier- oder Fünfjährigen. „Pferd und Reiter bekommen ein ganz anderes Verhältnis zueinander. Man sieht beiden die Freude an.” Und die Tiere lebten länger, „Unser Hengst Raisulih ist 28, und es geht im gut.”

Pferdegala hätte Saison einläuten sollen

Dann kam die Corona-Krise, und das Lebenswerk der Krischkes, die 18 eigene Pferde in den Boxen stehen haben und zwölf Mitarbeiter beschäftigten, stand auf der Kippe. Wolfgang Krischke: „Im ersten Quartal ist kaum etwas los, da lebt die Hofreitschule von Einnahmen des Vorjahres.” Die Pferdegala am 15. März sei immer der Beginn der Saison gewesen, aber diesmal sei zwei Tage vorher wegen Corona alles verboten worden – die Shows, der Unterricht und das Öffnen des Pferdemuseums, das zur Hofreitschule gehöre. „Die Kosten liefen aber weiter. Ich kann den Pferden ja schlecht das Futter kürzen, und bewegt werden müssen sie auch.”

Die Krischkes versuchten es mit Video-Kursen, aber das reichte nicht. In Ihrer Not bat Christin Krischke zuletzt im Internet um Spenden. „Es hat uns tief bewegt, wie uns die Leute unterstützt haben”, sagt ihr Mann. „Ohne die Hilfe gäbe es uns schon nicht mehr.”

Doch am Ende musste das Ehepaar doch die Notbremse ziehen. „Die mehr als 200 Pferdeshows pro Jahr waren sehr aufwendig. Das war ein Zuschussgeschäft, das wir mit Einnahmen aus der Reitschule subventioniert haben. Das können wir jetzt nicht mehr”, sagt der Hofreitmeister. Fünf Hengste, Spitzenpferde, wie er sagt, stünden nun zum Verkauf. Die Trennung von ihnen falle ihm schwer: „Das sind langjährige Mitarbeiter, die man lieb gewonnen hat.”

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