Münster: 78-Jährige muss 5400 Euro wegen Verstoßes gegen die Haussatzung zahlen Rentnerin fürs Vogelfüttern bestraft

Münster (WB). 5400 Euro muss eine 78-jährige Frau aus Münster zahlen – weil sie Vögel gefüttert hat.

Von Björn Meyer
Das Füttern von Meisen – hier ein Archivfoto – kommt eine Frau aus Münster teuer zu stehen.
Das Füttern von Meisen – hier ein Archivfoto – kommt eine Frau aus Münster teuer zu stehen. Foto: dpa

Die ältere Dame liebte es, aus ihrer gepflegten Eigentumswohnung heraus Vögel zu beobachten. In zwei Blumentöpfe auf ihrer Terrasse habe sie in der Vergangenheit daher immer mal wieder Vogelfutter gestreut, erzählt sie. Das kommt sie nun teuer zu stehen: Weil die Eigentümerversammlung das Füttern von Vögeln aus Sauberkeitsgründen untersagt hat, muss die 78-Jährige nun 1400 Euro Ordnungsgeld sowie 4000 Euro Verfahrenskosten zahlen.

Seit 2006 wohnt die Rentnerin, die früher als Technische Assistentin unter anderem im Universitätsklinikum und bei BASF arbeitete, in Münster. Nach ihrem Einzug habe sie zwei schwache Vögel auf ihrer Terrasse gefunden und zum Tierarzt gebracht. Als Folge fing sie an, die Vögel zu füttern. Sie habe sich ein kleines Vogelhäuschen gekauft und es an den Ast einer Eibe gehängt. „Da gab es schon Theater“, resümiert die Frau. Die Eigentümerversammlung habe später entschieden, dass das Füttern von Vögeln fortan verboten sei.

Erstes Urteil des Amtsgerichts: 2000 Euro zahlen!

Auf der Terrasse der Frau wurden die Tiere aber trotzdem weiter fündig. „Einer alten Frau das Vogelfüttern zu verbieten – wo gibt es denn so was?“, fragt sie augenrollend. Die erste Quittung kam schon vor einigen Jahren. 2000 Euro habe sie damals aufgrund eines Urteils des Amtsgerichts Münster zahlen müssen. Die Nachbarn hatten das Füttern dokumentiert und zur Anzeige gebracht.

Doch die Naturliebhaberin fütterte weiter. Heimlich sowie eigentlich für die Nachbarn nicht direkt einsehbar, und „nie viel“ – darauf besteht die Dame. Immer nur ein paar Löffelchen Futter habe sie ab und an in die zwei Blumentöpfe gegeben. Es sind zwei von vielen, die auf ihrer begrünten und gepflegten Terrasse stehen.

Pro Fütterung 100 Euro Ordnungsgeld

Allzu viele Vögel seien nicht gekommen, sagt die Frau. Bei der jüngsten Nabu-Gartenvogel-Zählung, bei der eine Stunde lang Vögel gezählt werden, sei sie beim Blick auf ihre Terrasse auf fünf Tiere gekommen. Doch wieder weckte das Futter nicht nur das Interesse der Vögel, sondern auch das der Nachbarn. 14 Fütterungen dokumentierten die zwischen 2018 und 2019 und brachten die Vorgänge zur Anzeige. Nach einer Gerichtsverhandlung Anfang Februar steht nun fest – die 78-Jährige muss pro Fütterung 100 Euro Ordnungsgeld bezahlen und die Verfahrenskosten von 4000 Euro.

Die Verurteilte: „Der Richter war eigentlich auf meiner Seite.“ Er habe sogar versucht, im Zeichen einer gütlichen Einigung ein Vogelhäuschen auf dem Gelände zu implementieren. Die Gegenseite aber lehnte das mit Verweis auf die Entscheidung der Eigentümerversammlung ab.

Mehr noch als der finanzielle Schaden bewegt das Fütterungsverbot die Frau: „Hier ist alles zugepflastert...“

Kommentare

Unfassbar

Kaum zu glauben. Ich würde jetz im Gegenzug die Nachbarn verklagen weil da alles zugepflastert ist.

Das ist nicht mehr mein Land

Die Entwicklung, dass solche Urteile möglich sind, oder Menschen bestraft werden, die sich aus dem Abfall Essensreste klauben, zeigt mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Ich bin 2000 nach Brasilien ausgewandert. Es ist ja alles noch viel schlimmer und absurder gekommen, als damals befürchtet.

Nachbarn haben zu viel Zeit

Die Nachbarn haben echt zu viel Zeit und drehen sich um sich selbst . Was noch schlimmer ist, das sich mit diesem merkwürdigen Streit auch noch ein Gericht befassen muss. Was ist nur mit manchen Menschen nicht richtig. Wollen Sie unbedingt allea reglementieren. Eines Tages geht die Hauseigentümer Gemeinschaft noch Gerichtlich dagegen vor, wenn jemand Nachts sie Toilette dreimal benutzt und auch noch sie Spülung betätigt.

Diese Mitmenschen sind Tierhasser.

Ich würde nicht einen Cent bezahlen. Eine neue Wohnung suchen mit normalen Mitbewohnern und dann das Geld absitzen. In solch einem "ehrenwerten" Haus wollte ich nicht lebe

Wer die Tiere nicht liebt, liebt auch die Menschen nicht

Ich verstehe das Urteil nicht, zumal es Urteile gibt, wonach das Füttern von Vögeln auf dem eigenen Balkon erlaubt ist, solange niemand durch den entstehenden Schmutz beeinträchtigt wird, was hier wohl kaum der Fall sein dürfte! Was sind das für Schwachmaten, die nichts besseres zu tun haben, wie diese alte Dame zu verklagen, die moch Empathie für die Natur und die Tiere hat im Gegensatz zu ihren Miteigentümern.

Die Idiotie nimmt langsam Überhand

Langsam wird es hierzulande immer schlimmer!
Kommt es mir nur so vor, als würden sich die Streitigkeiten und das anschwärzen sich ver-x-fachen?
Das war doch vor Jahren noch nicht so extrem!
Aber wenn schon die Kinder im Kinderhort die eigenen Eltern anschwärzen sollen, weil sie zu einem bestimmten Wählerkreis gehört, wundert mich jetzt nichts mehr!
Da werden die Denunzianten der kommenden Generation schon so gedrillt, dass sie keinerlei Skrupel haben!
UNFASSBAR!

Vögel füttern ist auf dem Balkon erlaubt!

Das Urteil bzw. den Artikel verstehe ich nicht, was man auf seinem Balkon tut, geht die anderen Wohneigentümer nichts an, es sein denn, es kommt zu groben Verschmutzungen und Beeinträchtigungen anderer Mieter, aber das scheint hier nicht der Fall zu sein? Fütterungsverbote sind mir nur für Tauben und Möwen in einzelnen Stätten bekannt. Was hatte die Dame für einen Anwalt? Man sollte hier eine Berufung prüfen.

Rentnerin fürs Vogelfüttern bestraft, Artikel vom 18.02.2020

Kann nicht eine Konto für die Dame eingerichtet werden, ich möchte mich an den Kosten beteiligen?! Vielleicht kann das der Verfasser des Artikels in die Hand nehmen?

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