Weggeworfene Autobatterie soll sechsstelligen Schaden verursacht haben
Bleivergiftung: 21 Biorinder tot

Erwitte (WB). Auf einem Biohof in Erwitte (Kreis Soest) sind bisher 21 Rinder an einer Bleivergiftung gestorben. Das Kreisveterinäramt geht davon aus, dass eine illegal entsorgte Autobatterie die Ursache war. Der Hof hat die Fleischvermarktung eingestellt, der bisherige Schaden soll bei 100.000 Euro liegen.

Donnerstag, 06.02.2020, 04:45 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 05:00 Uhr
In solchen Ballen (oben) war das Gift. Auch Zuchtbulle „Mantra“ (unten) kam ums Leben.

Morgens die Kälber tot im Stall gefunden

Philip Seibel und Caroline Kerst betreiben den kleinen „Biohof Böckum“. Dort produzierten sie mit Aberdeen-Angus-Rindern Biofleisch, das sie in ihrem Hofladen verkauften. Ihre beiden Zuchtbullen „Mantra“ und „Trollsohn Westfalica“ sorgten für Nachwuchs, zuletzt standen nach Angaben des Veterinäramts 46 Tiere in der Herde. Philip Seidel: „Alles begann damit, dass wir morgens die ersten beiden toten Kälber im Stall fanden. Kurz darauf stellten wir fest, dass unsere Tiere das Futter nicht wie gewohnt komplett aufgefressen hatten.“ Der Hoftierarzt habe eine Bleivergiftung diagnostoziert. „Wir waren entsetzt.“ Denn das Futter baue man selbst an – in Bioqualität.

Reste einer zerstörten Autobatterie entdeckt

Bei einer Untersuchungen des Futters entdeckte der Bauer dann Reste einer zerstörten Autobatterie und informierte das Kreisveterinäramt.

Wilhelm Müschenborn, Sprecher der Kreisverwaltung: „Das Grünfutter läuft durch einen Häcksler, bevor es zu Silageballen gepresst wird. Wir gehen davon aus, dass eine weggeworfene Autobatterie mitgehäckselt wurde und so das Bleiacetat in das Futter gelangte.“ Dabei wurde nicht nur ein Silageballen vergiftet. Müschenborn: „Durch das kontaminierte Häckselwerk wurden auch andere Ballen mit dem Bleiacetat verunreinigt. Wir haben insgesamt fünf kontaminierte Ballen mit abnehmender Bleikonzentration entdeckt.“

Untersuchung: wohl nicht Opfer eines Anschlags

Wegen der großen Zahl vergifteter Ballen hatte der Bauer zunächst befürchtet, er sei gezielt das Opfer eines Anschlags geworden. Das scheint sich aber nach den Untersuchungen nicht zu bestätigen.

Philip Seibel: „Eine Bleivergiftung ist in den meisten Fällen tödlich. Die letzten Tage haben wir um das Überleben unserer Herde gekämpft, aber leider haben wir den Kampf verloren. Viele Tiere starben, und einige mussten wir einschläfern lassen, um sie von ihrem Leid zu erlösen.“ Nach Angaben des Veterinäramts sind inzwischen 21 der 46 Tiere tot, mehrere zeigten noch Symptome.

21 Tiere tot, nicht betroffene Rinder sollen geschlachtet werden

Die nachweislich nicht betroffenen Tiere sollen geschlachtet werden, weil der Biohof einen Neuanfang machen möchte. Wilhelm Müschenborn: „Das Fleisch der geschlachteten Tiere darf nach entsprechender Untersuchung vermarktet werden, die Organe sind aber tabu.“ Der Bauer schreibt auf seiner Internetseite: „Wir stehen wieder ganz am Anfang und müssen bei Null anfangen. Die Aufzucht einer Aberdeen-Angus-Herde wird dauern.“

Das Entsorgen von Autobatterien ist übrigens kostenlos. Und wer den Bon noch hat, bekommt sogar 7,50 Euro Pfand erstattet.

Kommentare

Matthias f.  wrote: 06.02.2020 20:21
Kein Bleiacetat
1. Es kann sich nicht um Bleiacetat handeln, sondern nur um Bleisulfat. Acetate sind die Salze der Essigsäure. In einer Autbatterie befindet sich aber Schwefelsäure.
2. Wenn das kein Anschlag war, warum wird dann die Batterie ausgerechnet auf einer Futterwiese "entsorgt"? Sehr unwahrscheinlich. Zumal die Entsorgung einer Autobatterie in der Regel kostenfrei ist. Ich unterstelle hier erst einmal Absicht.
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