Stephan B. aus Kleve gehört zu jenen, die Katastrophen oder Unruhen erwarten Er ist bereit

Kleve (dpa). Die meisten Nachbarn ahnen nicht, was sich im Keller von Stephan B. am Niederrhein verbirgt. Unmengen an Trockennahrung, Not-Toiletten, Kurbelradios und auch legale Waffen stapeln sich dort in Regalen. Für die Nachbarn in der beschaulichen Einfamilienhaus-Wohngegend in Kleve mögen die Krisen dieser Welt weit weg scheinen. Nicht für „Prepper“ Stephan B.: Ob die Explosion eines Atommeilers, eine Epidemie, ein Tornado, ein Blackout oder Unruhen – er möchte vorbereitet sein. Und betreibt in seinem Keller einen Online-Shop für Gleichgesinnte. Behörden beobachten die Szene mit einigem Misstrauen.

Stephan B., „Prepper“ und Händler, zeigt ein Solarradio mit Taschenlampe, das auch per Hand-Dynamo betrieben werden kann.
Stephan B., „Prepper“ und Händler, zeigt ein Solarradio mit Taschenlampe, das auch per Hand-Dynamo betrieben werden kann. Foto: dpa

Das Wort „Prepper“ stammt vom englischen „to prepare“ und bedeutet, vorbereitet zu sein. Den Grundgedanken dahinter unterstützen auch die Behörden: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät Bürgern, sich für Notfälle wie Hochwasser, Stromausfall oder Sturm einen Lebensmittel- und Wasservorrat anzulegen. „Ihr Ziel muss es sein, zehn Tage ohne Einkaufen überstehen zu können“, empfiehlt das Amt. Schließlich könne es eine Weile dauern, bis Rettungskräfte im Krisengebiet eintreffen.

Zur Zahl der „Prepper“ in Deutschland gebe es keine belastbaren Zahlen, sagt Mischa Luy, der über das Thema an der Ruhr-Universität-Bochum promoviert. Der Wissenschaftler geht aber davon aus, dass die Szene wächst. Das zeige sich auch am zunehmenden Interesse an dem Thema in sozialen Medien. Bis zu 6000 Mitglieder hätten Gruppen für „Prepper“ auf Facebook.

„Viele von ihnen empfinden eine Atmosphäre der Unsicherheit in der Gesellschaft“, sagt Luy. Als Grund dafür nannten von ihm interviewte Prepper die Wirtschaftskrise im Jahr 2008, den Zuzug vieler Flüchtlinge oder weltweite Terroranschläge.

Behörden sehen die Prepper-Szene kritisch. „Unsere Empfehlungen, sich auf Notfälle vorzubereiten, gehen von einer gemeinsamen Verantwortung von Staat und Bürgerinnen und Bürgern aus“, sagt Marianne Suntrup vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Prepper hingegen stellten das staatliche Gewaltmonopol in Frage. Häufig gehören auch Waffen zu ihrer Ausstattung.

Auch Stephan B. rüstet sich dafür, im Fall einer Krise sein Haus zu verteidigen. „Nach einem Stromausfall würde es vielleicht zwei bis drei Tage dauern, bis Menschen zu Gewalttaten bereit sind, um an Essen, Alkohol und Zigaretten zu kommen“, glaubt er. Dann holt er CS-Gas und Pfefferspray, Elektroschocker, Steinschleudern, Macheten und Natodraht aus den Regalen. An einer Wand hängen zwei Armbrüste.

„Preppen zieht Leute an, die misstrauisch gegenüber staatlichen Institutionen sind“, sagt Wissenschaftler Luy. Zudem gebe es in der Community eine Tendenz zu einem negativen Menschenbild. Beides mache die Szene anschlussfähig für Menschen mit einem rechtsextremen Weltbild.

Eine gezielte Einflussnahme von Rechtsextremisten auf die Prepper-Szene ist für Verfassungsschutz und Innenministerium allerdings nicht erkennbar. Neben harmlosen Vorsorgern sind dem Bundesinnenministerium zufolge zwar auch Verschwörungstheoretiker, waffenaffine Personen und vereinzelt Rechtsextreme sowie Reichsbürger Teil der Gruppe. „Eine generelle Gefährdung durch Personen, die der Prepper-Szene angehören, besteht aber nicht“, teilt das Ministerium mit.

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