WDR weist Vorwürfe zurück – Leiter verteidigt sich – Kritik reißt nicht ab
Chorkinder instrumentalisiert?

Köln (dpa/WB). Die Leitung des WDR-Kinderchors, der in einem Satirelied die Oma als „Umweltsau“ besang, hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Kinder seien instrumentalisiert worden. „Ich möchte mich als beteiligter Musiker bei allen entschuldigen, die sich trotz der Einordnung als Satire von uns persönlich angegriffen fühlen“, hieß es am Sonntag in einer Stellungnahme auf der Internetseite des Chores.

Montag, 30.12.2019, 07:03 Uhr aktualisiert: 30.12.2019, 07:06 Uhr
Der WDR-Kinderchor, hier bei einem Singen im Stadion von Borussia Dortmund, hat das Lied mit der Zeile „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ gesungen. Foto: Bernd Thissen/dpa

Den teilnehmenden Kindern sei erklärt worden, dass mit Überspitzung und Humor der Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn genommen werden solle, erklärte der künstlerische Gesamtleiter Zeljo Davutovic. Kinder und Eltern hätten freiwillig entscheiden können, ob sie an dem Projekt teilnehmen. Es gehe nicht um die Oma, „sondern um uns alle. Hier schließe ich mich persönlich ein“, schrieb Davutovic.

Zahlreiche Auftritte in Seniorenheimen dokumentierten die generationsübergreifende Arbeit der Kinderchors. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer allergrößten Respekt vor Seniorinnen und Senioren gezeigt. Diesen werden wir uns auch in Zukunft nicht nehmen lassen“, hieß es in der Erklärung.

Weitere Strophen aus dem umstrittenen Lied: „Meine Oma brät sich jeden Tag ’nen Kotelett, weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet.“ und „Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert – stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ’ne Kreuzfahrt.“

Auch positive Reaktionen

Das Redaktionsteam bedauere, „dass die Satire die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt hat“, teilte der WDR mit. Es sei darum gegangen, den Generationenkonflikt, der sich durch die „Fridays for Future“-Bewegung darstelle, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen. Die Redaktion von WDR 2 erklärte, warum sie das Video gelöscht hatte, wie folgt: „Die von WDR 2 an dieser Stelle veröffentlichte Satire ‚Unsere Oma fährt im Hühnerstall Motorrad‘ hat sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Dies ist im besten Falle auch Sinn einer Satire, es handelt sich ja nicht um einen journalistischen Kommentar, sondern um die Zuspitzung eines Themas (hier: die zuweilen hysterische Klimadiskussion). Betroffen macht uns allerdings der Vorwurf, die beteiligten Kinder seien möglicherweise ‚instrumentalisiert‘ worden. Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist.“

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall, sagte dem Deutschlandfunk, er könne nicht verstehen, warum das Video des WDR so polarisieren konnte, weil es klar als Satire gekennzeichnet worden sei. ZDF-Komiker Jan Böhmermann twitterte: „Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau.“

Es gab auch positive Reaktionen bei Hörern und Nutzern des WDR. „Scheinbar können es viele Menschen nicht vertragen, wenn man ihnen den Spiegel vorhält“, sagte eine Hörerin in der WDR-Sondersendung, die WDR 2 am Samstagabend aus dem Anlass ins Programm genommen hatte. „Satire muss man aushalten“, sagte auch die 14-jährige Ricarda. „Was ist daran so schlimm?“ Die Kinder seien alt genug, um zu wissen, was sie sängen. „Die haben ihre Großeltern doch trotzdem lieb.“

„Fridays for Future“ geht auf Distanz

Am Ende des Videos sieht man Chormädchen mit ernstem Blick die Lippen bewegen und hört die Stimme der Umweltaktivistin Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Wir lassen Euch damit nicht davon kommen).

Sogar die Thüringer Gruppe von „Fridays for Future“ ging auf Distanz und schrieb bei Twitter: „Meine Oma ist KEIN Problem und schon gar keine Umweltsau.“ Gleichzeitig wurden SUVs, Kreuzfahrten und täglicher Fleischkonsum problematisiert.

„Fridays for Future Germany“ hatte vor Weihnachten selbst gegen die ältere Generation geschossen – und auf Twitter geschrieben: „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“ In weiteren Tweets stellte „Friday for Future“ die erste Bemerkung dann als Satire dar und entschuldigte sich bei allen, „die sich durch unseren satirisch gemeinten Tweet“ verletzt gefühlt haben.

Kommentare

franz.B  wrote: 04.01.2020 19:17
Hetztexte
Viele Stellungnahmen über das "Hetzlied" der Journalisten bzw. Redakteure führen zu der Diffamierung eines ganzen, unbescholtenen Teils unserer Bervölkerung und beweist, dass ihre politische Ausrichtung von Denunzierung und Ausgrenzung bestimmt ist. Hätte ein Rentner, Herr X., Umweltfrevel begangen, so hätte man Herrn X. in einer Satire mit Ironie als Umweltsau bezeichnen können. Vor 80 Jahren hat man auch eine Volksgruppe als "...sau" bezeichnet. Das faschistische System wurde zu recht verurteilt. Hätte das heute jemand zu einem anderen Volksteil gesagt, wären die gleichen Redakteure und Journalisten aufgebracht und würden diese Äußerung als Satire leugnen und als Faschismus bezeichnen.
Unsere Journalisten beim WDR sind politisch gefärbt und haben nichts gelernt. Ausgrenzende, spaltende Diffamierung Andersdenkender kennen wir noch aus dem System der DDR. Die politische Gesinnung der betroffenen Journalisten scheint dieser zu ähneln. Mit Demokratie, Ironie und künstlerischer Freiheit hat das aber auch gar nichts zu tun. Es ist schlichtweg manipulative "Staatsdoktrin".
Sascha B.  wrote: 30.12.2019 12:45
sogenannte selbsternannte "Satire"
Herr Krause, ich stimme Ihnen und Herr Schnadwinkel voll und ganz zu.
Die Parallelen zu Rhetorik/Stilmitteln der Nationalsozialisten sind nur noch erschreckend!

Von der J****sau zu Umweltsau, von J****-Charikaturen zur Hetz "Satire" im WDR, von der Instrumentalisierung von Kindern für die Propaganda bis hin zur Verunglimpfung und Verhetzung von Bürgern, die dagegen vor dem Gebäude des WDR demonstrieren als "Rechtsextreme".

Diese Muster sind nicht neu und ich hatte eigentlich geglaubt, dass wir nach den 2 Diktaturen in Deutschland in den letzten 100 Jahren damit eigentlich abgeschlossen hatten. Pustekuchen!

Gruß von Sascha aus Paderborn
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