Zehnte Verhaftung ­– Immer mehr Fälle Weitere Festnahme im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach

Bergisch Gladbach (dpa). Im Zuge der Ermittlungen um den massenhaften Missbrauch von Kindern hat die Polizei einen weiteren Verdächtigen festgenommen.

Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht. Hier wurde ein Verdächtiger festgenommenen und seine Wohnung durchsucht. Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitet sich aus.
Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht. Hier wurde ein Verdächtiger festgenommenen und seine Wohnung durchsucht. Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitet sich aus. Foto: dpa

Der 32-Jährige aus Bergisch Gladbach sitze in Untersuchungshaft, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Er soll zwei Kinder missbraucht und kinderpornografisches Material verbreitet haben. Sein Wohnsitz werde durchsucht, hieß es. In Bergisch Gladbach hatten die Ermittlungen mit der Festnahme eines Verdächtigen im Oktober den Anfang genommen.

Die jüngste Festnahme ist die bislang zehnte in dem Missbrauchsnetzwerk, das insbesondere durch die Beschlagnahmung eines Handys in Bergisch Gladbach ans Licht befördert wurde. Sieben der Festgenommenen, die ihre Kinder oder Stiefkinder sexuell missbraucht haben sollen, stammen aus NRW, einer aus Hessen und einer aus Rheinland-Pfalz. In dem aufgedeckten Netzwerk sollen sie Fotos und Videos vom Missbrauch in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben.

Bei der Polizei arbeiten sich Hunderte Beamte derzeit durch riesige Datenmengen mit belastenden Fotos und Videos. Die Spur zur neuen Festnahme kam auch aus der Auswertung eines Chats. In NRW gelten neben den Festgenommenen derzeit noch fünf weitere Männer als tatverdächtig. Die bereits bekannten Opfer sind knapp ein bis 14 Jahre alt.

23 Tatverdächtige identifiziert

Bundesweit haben die Behörden nach Angaben aus Sicherheitskreisen bislang 20 Opfer und 23 Tatverdächtige identifiziert. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sollen bislang ausschließlich Tatverdächtige entdeckt worden sein, in Hessen, Berlin und Rheinland-Pfalz dagegen Tatverdächtige und Opfer. Die Ermittler gehen von zahlreichen weiteren Tätern und Opfern aus.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind die Fallzahlen beim sexuellen Missbrauch von Kindern ebenso wie bei der Verbreitung, dem Erwerb, Besitz und der Herstellung kinderpornografischer Schriften in NRW in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Beim Tatkomplex Kinderpornografie verzeichnet die Statistik von 2016 bis 2018 einen Zuwachs um fast 38 Prozent auf 1412 Fälle.

935 Fälle in NRW

Auch im laufenden Jahr scheint sich der Trend zu bestätigen: Im ersten Halbjahr gab es in NRW bereits 935 Fälle – mit 878 wurden die meisten Taten aufgeklärt. Allerdings gehen die Behörden von einem hohen Dunkelfeld aus. Das Internet spielt in diesem Tatfeld eine herausragende Rolle, in fast 80 Prozent war es das Tatmittel.

Beim sexuellen Missbrauch stieg die Fallzahl in NRW in den vergangenen drei Jahren um rund 3,8 Prozent auf 2422. Im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits 1408 Fälle bekannt und 1175 aufgeklärt. Das Bundesjustizministerium schätzt allerdings, dass das Dunkelfeld in dieser geächteten Tabuzone sogar achtmal so groß ist wie die bekannten Taten.

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