Lufthansa setzt auf neue Reihenfolge beim Einsteigen – Mit Kommentar
Mit Wilma schneller an Bord?

Frankfurt/Main (dpa). Passagiere der Lufthansa, bei Austrian Airlines und Swiss müssen sich beim Einsteigen ins Flugzeug auf ein neues Verfahren einstellen. Damit wollen die Fluglinien Zeit sparen: zwei Minuten.

Dienstag, 05.11.2019, 21:33 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 21:36 Uhr
An diesem Abflug-Gate der Lufthansa kam – zu Testzwecken – das geplante Einsteigesystem Wilma bereits zur Anwendung. Gruppe 5, die Gangsitzer fehlen hier noch. Foto: dpa

»Zwei Minuten hören sich erst einmal nicht viel an, sind aber schon rund zehn Prozent des Boarding-Prozesses«, sagt Vicky Scherber, die seit einem Jahr an dem System tüftelt, das zunächst auf Kurz- und Mittelstreckenflügen eingeführt wird – aber noch nicht an den größten Drehkreuzen Frankfurt und München.

Lufthansa will Konzept am Donnerstag einführen

Nebenbei sollen die Konflikte minimiert werden, die beim Gerangel um den richtigen Sitz und ausreichenden Platz für das Handgepäck entstehen. Im Grundsatz werden die Passagiere künftig danach aufgeteilt, ob sie einen Platz am Fenster, in der Mitte oder am Gang gebucht haben. Bei US-Fluggesellschaften, aber auch bei Air France und British Airways lautet die Reihenfolge beim Einsteigen längst »Window-Middle-Aisle«, liebevoll auch Wilma abgekürzt (woher das L kommt, ist unklar). Die Lufthansa will dieses Konzept am Donnerstag auf Europaflügen über den Winter einführen.

Auf der für Wenigflieger ohnehin schon komplexen Bordkarte werden die Lufthansa-Gesellschaften neben Abflug-Gate und Sitzplatz-Nummer eine weitere Rubrik eintragen: die Boarding-Gruppen 1 bis 5. Unverändert dürfen zunächst Familien mit kleinen Kindern und hilfsbedürftige und in ihrer Mobilität eingeschränkte Gäste einsteigen.

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Dann kommen in den Gruppen 1 und 2 die privilegierten Stammkunden (Vielflieger) sowie Passagiere mit teuren Business- und Ecoflex-Tickets, unabhängig von der Sitzposition. Gruppe 3 umfasst die Economy-Passagiere mit Fensterplatz, Gruppe 4 die Mitte und schließlich die 5 für Passagiere am Gang. Diese Plätze sind besonders bei groß gewachsenen Fluggästen beliebt.

Erfahrene Flugreisende nur wenig optimistisch

Familien, Paare und Gruppen werden zum Einsteigen aber nicht getrennt, versichert Vicky Scherber. Die Software sorge dafür, dass zusammen gebuchte Passagiere in dieselbe Boarding-Gruppe kommen und gemeinsam einsteigen können. Dieses Problem gab es nach dem bisherigen System nicht, bei dem die Passagiere gestaffelt nach Sitzreihen ins Flugzeug gelassen wurden.

In Internet-Foren zeigen sich erfahrene Flugreisende nur wenig optimistisch. Den eigentlichen Grund für die Staus im Gang sehen sie nämlich im knappen Platz in den Gepäckschalen oberhalb der Sitze, den Bins. Seitdem die Airlines für jedes aufgegebene Gepäckstück zusätzliche Gebühren verlangen, reicht der Platz auf einem voll besetzten Mittelstreckenflug nur noch für die Utensilien von gut der Hälfte der 200 Passagiere.

Ein weiteres Problem: Viele Fluggäste sind zu Beginn des Boardings noch gar nicht am Flugsteig, sondern hetzen als Umsteiger auf den letzten Drücker zum Flieger. Deshalb lässt sich nicht mal mit der besten Voreinteilung verhindern, dass auch ganz am Schluss des Prozesses noch Passagiere mit Fensterplätzen in die Kabine kommen. Wer zuletzt kommt, hat dann häufig Probleme, noch Platz für sein Handgepäck zu finden. Im Zweifel wandert es noch in den Frachtraum. »Solange sie nicht endlich das Handgepäck so beschränken, dass es in den Bins Platz hat, werden auch die ausgeklügeltsten Boarding-Verfahren nichts nützen«, unkt im Netz ein Vielflieger.

»Natürlich gehen wir im Zuge der Umstellung auch das Thema Handgepäck an«, versichert Vicky Scherber. Es gebe inzwischen deutlich mehr Kontrollen und verstärkt Aufforderungen, die Taschen und Rollkoffer doch noch kurz vor Abflug freiwillig und unentgeltlich abzugeben. Doch letztlich behalten viele Menschen ihre Sachen gerne bei sich, auch um am Zielflughafen Zeit zu sparen. Mit dem neuen Boarding-Prozess geht diese Rechnung für Menschen, die gerne am Gang sitzen, wohl seltener auf.

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