Ministerpräsident Laschet: Keine Abschaltung gegen den Willen der Hörer NRW bekennt sich zu UKW

Düsseldorf (WB). Das alte Küchenradio wird wohl noch lange laufen: Gegen den Willen der Hörer soll es in Nordrhein-Westfalen nach Auskunft der Landesregierung keine Abschaltung von UKW zugunsten des Digitalradios DAB+ geben.

Von Christian Althoff
Seit 70 Jahren gibt’s in Deutschland UKW-Rundfunk. Eine Abschaltung zugunsten digitaler Dienste ist erstmal vom Tisch.
Seit 70 Jahren gibt’s in Deutschland UKW-Rundfunk. Eine Abschaltung zugunsten digitaler Dienste ist erstmal vom Tisch.

Das hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) klargestellt. Im Jahr 2000 hatte die Bundesregierung angekündigt, UKW solle durch das Digitalradio abgelöst werden. Als mögliches Auslaufdatum wurde 2020 genannt. Doch die Hoffnung der Hersteller und anderer Interessierter, dass die Menschen in Massen Digitalradios kaufen würden, erfüllte sich nicht.

Zuständig für eine Abschaltung von UKW sind die Länder. Doch Ministerpräsident Laschet hat jetzt auf eine entsprechende Frage der SPD erklärt, entscheidend für den Verbreitungsweg sei die Akzeptanz der Hörerschaft. »Aus Sicht der Landesregierung gebietet sich deshalb ein technologieneutraler Ansatz.« Aus diesem Grund plant NRW kein Abschaltdatum für die Ultrakurzwelle.

Hörer hängen an UKW-Geräten

Seit 70 Jahren gibt es UKW-Rundfunk in Deutschland. Ein Empfänger aus den Anfangstagen kann noch immer genutzt werden. Das ist bei der Digitaltechnik anders: Hier ändern sich Standards immer wieder. Das führte zum Beispiel dazu, dass DAB-Radios nicht mehr funktionieren, nachdem 2011 DAB+ eingeführt wurde – DAB-Geräte sind seitdem Elektroschrott.

Wie lange es DAB+ geben wird, ist ungewiss. Weil die Hörer an ihren UKW-Geräten hängen und digitales Radio auch über Internet und Mobilfunk empfangen werden kann, hatte der niedersächsische Landtag im Juni beschlossen, die Förderung von DAB+ einzustellen. DAB+ habe sich nicht durchgesetzt, sei Geldverschwendung und lediglich eine Übergangslösung. Man müsse akzeptieren, dass die Hörer an UKW festhalten wollten. Die Abgeordneten halten das Internet per Kabel, WLAN und künftigem Mobilfunknetz 5G für den besseren digitalen Übertragungsweg.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat den öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten 89,4 Millionen Euro und dem Deutschlandradio 63,6 Millionen Euro für die Entwicklung von DAB+ für den Zeitraum 2017 und 2020 bewilligt – Geld aus Rundfunkgebühren. Doch das UKW-Radio lebt. Dem Digitalisierungsbericht 2019 der Landesmedienanstalten zufolge haben fast 95 Prozent der Haushalte mindestens ein Radiogerät. »Dominant sind analoge UKW-Empfänger«, heißt es in dem Report. Demnach besitzen 92 Prozent der Haushalte mindestens ein UKW-Radio. Die Ausstattung mit Digitalradios, sei es DAB+, ein Internetradio oder ein Gerät für den digitalen Kabel- oder Satellitenempfang, liege bei 42 Prozent.

Frequenzen sind begrenzt

Schaut man nur auf DAB+, so haben in Nordrhein-Westfalen 22 Prozent der Haushalte ein solches Gerät. Weil sich mit den meisten DAB+-Geräten aber auch das analoge UKW-Radio empfangen lässt, spiegelt die Zahl nicht unbedingt die Nutzung von DAB+ wider. Von den 57,3 Millionen Kraftfahrzeugen in Deutschland haben aktuell 6,6 Millionen ein DAB+-Radio – das sind 11,5 Prozent.

So beliebt UKW-Radio ist – die Frequenzen sind begrenzt, und für die Ausstrahlung von Digitalradio braucht man – bildlich gesprochen – weniger Platz auf der Senderskala. So können auf einer einzigen Frequenz bis zu 16 Digitalprogramme verbreitet werden.

Aktuell werden in NRW zehn öffentlich-rechtliche Programme (allerdings nicht aus allen Regionalstudios), 13 bundesweite und das katholische Domradio über DAB+ gesendet. Dazu kommen DAB+-Sendungen aus Nachbarbundesländern. Dieses große Angebot kann das analoge UKW-Radio nicht bieten. Und: Das digitale Verbreiten verbraucht nach Angaben des Sende-Dienstleisters Mediabroadcast erheblich weniger Strom. Demnach strahlen die 137 DAB+-Sender, die bundesweite Programme senden und 96 Prozent Fläche abdecken sollen, insgesamt 900.000 Watt ab. Bei UKW brauche man dafür 298 Sender mit insgesamt 2,4 Millionen Watt – bei geringerer Abdeckung.

Wirtschaftliches Risiko

Dennoch stellt sich aus Sicht des Westdeutschen Rundfunks die Frage einer UKW-Abschaltung »noch lange nicht«, wie WDR-Sprecher Nicolas Parman sagt. Man wolle aber DAB+ weiter nach vorne bringen. »Man kann mehr Programme als per UKW übertragen. Der Bedienkomfort der Geräte ist höher, auch weil im digitalen Datenstrom viele Zusatzinformationen transportiert werden können. Das reicht von Informationen zur Musik bis zu schnellen Verkehrsinformationen für Navigationsgeräte.«

Weil der WDR gebührenfinanziert ist, kann er sich wie andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten seit Jahren parallele Aussendungen über DAB+ und analoge UKW-Sender leisten. Diese finanziellen Möglichkeiten haben die 45 werbungsfinanzierten Lokalradios in NRW nicht, weshalb sie weiter auf UKW setzen. Für Sender, die nicht am Gebührentropf hängen, birgt eine Umstellung auf DAB+ auch ein wirtschaftliches Risiko: Hörer, die sich ein DAB+-Radio anschaffen und plötzlich eine größere Auswahl haben, finden vielleicht einen neuen Lieblingssender.

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