Züchter starten neuen Versuch auf Eintragung – Tierschützer üben Kritik
Brieftaube soll Kulturerbe werden

Essen (dpa). Der Brieftaubenverband unternimmt einen neuen Anlauf, das Brieftaubenwesen als nationales Kulturerbe anerkennen zu lassen. Eine entsprechende Bewerbung werde bis Ende des Monats abgegeben, sagte Richard Groß, Präsident des Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter.

Montag, 07.10.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 06:36 Uhr
In Deutschland gibt es noch 30.000 Brieftaubenzüchter.

Die erste Bewerbung wurde Ende 2018 von der Kultusministerkonferenz abgelehnt. Sie habe sich nicht mit den gesellschaftlichen Kontroversen um Tierhaltung und Tiernutzung auseinandergesetzt, sagte die Unesco-Auswahlkommission unter anderem zur Begründung ihrer Ablehnung. Tierschützer hatten den Sport zuvor massiv kritisiert und sich gegen die Aufnahme in die Kulturerbeliste ausgesprochen.

In der neuen Bewerbung werde der Verband das Brieftaubenwesen so darstellen, wie es heute sei, sagte Groß. Er versicherte, Tierschutz spiele bei den Taubenzüchtern eine große Rolle. Es gebe seit zwei Jahren eine Flugsicherungskommission, die Distanzflüge bei Hitze verbieten könne. Die Tiere würden in Spezialfahrzeugen zu den Abflugorten gebracht, in denen sie mit Wasser und Futter versorgt würden.

Distanzflüge mit Strecken ab 80 Kilometer fänden etwa zwölf Mal im Jahr statt. Einmal im Jahr gebe es einen Flug über maximal 650 Kilometer – deutlich weniger als früher. Groß: »In den 50er Jahren war es völlig normal, dass Tauben einmal im Jahr 850 oder gar 900 Kilometer geflogen sind.« Taubenzüchter erhalten eine der faszinierendsten Kreaturen, die es gibt, sagt Groß. »Kein anderes Tier kann in so kurzer Zeit über bestimmte Distanzen zielsicher nach Hause finden.« Er verwies in diesem Zusammenhang auf die frühere Bedeutung der Brieftauben als Nachrichtenübermittler.

Mehrstufiges Aufnahmeverfahren

Der vor allem im Ruhrgebiet populäre Taubensport wurde im April 2018 in die NRW-Landesliste aufgenommen. Der Verband hat nach eigenen Angaben bundesweit noch etwa 30.000 Mitglieder. Das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes umfasst 97 Einträge. Die Aufnahme in das Verzeichnis soll helfen, Traditionen zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Das Aufnahmeverfahren ist mehrstufig. Über die Neuaufnahmen entscheiden die Kultusministerkonferenz und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien – das nächste Mal frühestens im Dezember 2020.

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