Mädchen war zuckerkrank – Vater klagt gegen Aufsichtspersonen
Schülerin stirbt auf Klassenfahrt – Staatsanwaltschaft ermittelt

Mönchengladbach (dpa). Nach dem Tod einer zuckerkranken 13-Jährigen auf einer Klassenfahrt in London ermittelt die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach nach eigenen Angaben gegen Aufsichtspersonen.

Dienstag, 03.09.2019, 19:24 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 06:16 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Mitschüler sollen bei dem Aufenthalt darauf hingewiesen haben, dass es dem zuckerkranken Mädchen nicht gut gehe. Lehrer oder andere Aufsichtspersonen sollen sich zu spät um die Schülerin gekümmert haben. Die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf war am Dienstagnachmittag für Fragen zu dem Vorgang nicht mehr zu erreichen.

»Das ist der Vorwurf der letztlich erhoben worden ist. Inwieweit das zutrifft und wie sich der Sachverhalt tatsächlich gestaltet, ist Gegenstand der Ermittlungen«, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Jan Steils am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Vater des Mädchen erstattete nach Angaben der Staatsanwaltschaft am 23. August Anzeige. »Bild.de« hatte zuerst über den Fall berichtet.

Nach dem Essen übergeben

Der Anwalt des Vaters, Klaus Voßmeyer, erstattete Anzeige aufgrund der Schilderungen von Mitschülerinnen, die der Vater festgehalten habe. Demnach hatte sich die 13-Jährige bereits am Ankunftstag nach dem Essen übergeben. »Die Bemühungen der Kinder, einen Lehrer ausfindig zu machen, schlugen am Donnerstag fehl«, sagte Voßmeyer. Als sich das Mädchen ständig weiter übergab, halfen ihm die Kinder zur Toilette und stellten schließlich einen Eimer hin, als die Mitschülerin immer schwächer wurde, wie Voßmeyer sagte.

Am nächsten Morgen seien dann mehrere Kinder zu den Lehrern gegangen und hätten die Lage geschildert. Niemand habe nach dem Mädchen geschaut. »Die Kinder haben sich bemüht, selber damit fertig zu werden.« Sie sollten in Absprache mit einer Lehrerin auf die 13-Jährige aufpassen.

Erst Samstagvormittag soll dann eine Lehrerin bei der kranken Schülerin erschienen sein – weil die Abreise bevorstand. Da sei das Mädchen so schwach gewesen, dass es sich nicht mehr selbst aufrichten konnte, sagte Voßmeyer. Erst dann sei ein Rettungswagen bestellt worden. Das Mädchen starb nach seinen Angaben am Sonntag um 14 Uhr im Krankenhaus.

Kommentare

Maria Gellissen  wrote: 04.09.2019 07:41
Maßlose Leid wegen Überforderung weil schlechte Ausbildung
Hallo zusammen,

Mein herzliches Beileid an die Eltern, die Familie, Freunde des Mädchens.

Mittlerweile kann man von "Kindersterben durch Schulen" sprechen.

Es ist nur im 1. Moment eine Art Kompensation, einen Schuldigen zu finden, der dafür zu büßen hat.

Insgesamt herrscht vielerorts in NRW gerade ein so rüder Umgangston, dass Sozialarbeiter andere Gegenden teils den Vorzug geben.

Wir alle sollten uns kritisch hinterfragen zuweilen.

Es zeigt sich hier, Gehorsam kann nicht das Hauptziel von Schule sein, wie es zu oft gefordert wird.

Irgendwer hätte einfach eigenmächtig besser einen Arzt oder die Eltern verständigt. Ich will jetzt nicht eine Schuldfrage anders erörtern, sondern uns alle zum anders Nachdenken bringen.

Dann stellt sich mir auch die Frage: wurde auf der Klassenfahrt denn nichts unternommen?
Spätestens dann hätte eine Aufsichtsperson das Mädchen persönlich aufsuchen müssen.

Ich war lange Jahre mit den Pfadfindern auf Freizeit-fahrten, zuletzt auch als Teamer.

Die innere Einstellung gibt alles Tun vor, bildet Automatismen im Unterbewusstsein.

Wir können hier jetzt nur Vermutungen anstellen, warum ein Einzelner verlorenging (oder eine Einzelne). Das darf nie wieder passieren. Es ist so furchtbar unnötig gewesen, möchte nan fast sagen. Es hätte einfach nicht geschehen DÜRFEN! Auf gar keinen Fall - heutzutage!

Fakt ist, wer eine chronische Krankheit hat, bedarf intensiverer Aufsicht durch Betreuer auf Fahrten. Denn die Betreuer ersetzen in dem Moment Mutter- und Vater-Pflichten.

Das Kultusministerium, Schulministerium NRW muss nun endlich die Ausbildung der Lehrer verbessern. Ich rate den Angehörigen, dort den Pranger ebenfalls aufzustellen.

Die sog. weichen skills, die das menschliche Miteinander runder machen, müssen im Studium in den Vordergrund gebracht werden.

Bildung im Sinne spezifischer Information findet für Kinder und Jugendliche häufig zu, ich würde schätzen bis zu 30% übers Internet statt.

Lehrer sind nicht mehr reine Wissensvermittler.
An sich waren sie immer schon Mentoren und Coaches.

Ein Lehrer kann nur so gut sein wie das System, das ihn umgibt.

Damit verknüpft ist u.a. immerwährend die Universtät denn sie stilt den Lehrer ein, determiniert sein normatives Verhalten. Hier ist wichtig, mehr Input und Anpassung über vor allem über kritische Rückmeldungen Betroffener der zu Belehrendenden und deren Umfeld (Schüler, Eltern) um den Kreislauf von Soll und Ist in der Qualitätserhaltung von Lehre zu schließen.

Eine Lehrerbildung ist nicht in Stein gemeißelt i ihren Komponenten. Es bedarf steter Anpassung an wechselnde Bedürfnisse.

In der polykulturellen Schullandschaft gehört beispielsweise eine Bildung im Umgang mit polystlilistischer Erziehung.

Vor allem sind Lehrer überfordert, wenn sie nicht einen Bezug zu jedem einzelnen Schüler aufbauen, sondern eine emotionale Trennungslinie zwischen sich und den Schülern bilden.

Hätten die Betreuer der Fahrt eine innere Beziehung, hätte das so nicht passieren können. Beziehung bilden bedeutet nicht unbedingt, viel mehr Zeit zu investieren. Man baut Beziehungen in erster Linie non verbal auf in Gruppen. Die 2. Ebene ist grundsätzlich die der Sprache. Denn bevor wir sprechen gelernt haben, waren wir alle schon fühlende soziale Wesen. Also hat Beziehung mit Fühlen zu tun. Hier ein Blick, da eine Geste, ein Wort hier, ein Satz da. Die innere Haltung entscheidet.

Ich glaube, keiner kann verstehen, wieso kein Erwachsener nach dem armen, leidenden Mädchen geschaut hat.

Natürlich muss auch geprrüft werden, warum im Krankenhaus die Ärzte nicht in der Lage waren, sie zu stabilisieren.

Keiner kann die Angehörigen und Freunde des Mädchens wirklich trösten.

Es ist schrecklich und furchtbar und wer kommt damit klar, dass es hätte verhindert werden können...??!

Diese Bitterkeit bringt uns Menschen an den Rand unserer Vernunft, Verzweiflung ohne Auswege.

Gerade deswegen möchte ich daran appellieren, sich einer oder mehreren Hilfsorganisationen anzuschließen. Hier alleine bleiben bedeutet menschlicher Grausamkeit ausgeliefert zu sein.

Das Leid ist so groß.

Den Fahrtverantwortlichen möge verziehen werden können. Vor allem müssen sie es sich selber verzeihen. Das ist oft das Schwerste.

Man mag das alles nicht glauben wollen...

Es muss was passieren, damit das nie wieder passieren kann, oder?
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