Frau in Lippstadt starb nach 34 Messerstichen – »Kein dringender Tatverdacht«
Ehemann wieder frei

Lippstadt/Paderborn (WB). Mit 34 Messerstichen war im Juli eine Frau in ihrem Haus in Lippstadt erstochen worden. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hatte damals einen Haftbefehl wegen Mordes gegen den Ehemann (39) erwirkt. Doch seit Freitag ist er wieder frei – auf Antrag der Staatsanwaltschaft.

Dienstag, 03.09.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 08:58 Uhr
Der Tatort in Lippstadt-Eickelborn. Foto: meierpress

»Was wir gegen den Mann in der Hand haben, begründet keinen dringenden Tatverdacht«, sagt Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. »Ein Verdacht besteht aber weiterhin.« Das Ehepaar, das in Lippstadt ein Grillrestaurant betrieb, hatte sich Ende 2018 getrennt. »In den ersten Wochen danach gab es noch heftigen Streit. Danach haben sich die beiden aber geeinigt«, sagt Rechtsanwalt Torsten Giesecke, der den Ehemann vertritt. »Es war vereinbart, dass der Mann das Haus mit dem Restaurant bekommen sollte und sie das Einfamilienhaus.« Die beiden Kinder – ein gemeinsamer Sohn und eine Tochter aus einer früheren Beziehung der Frau – hätten bei der Ehefrau bleiben sollen.

Ehemann alarmierte selbst die Polizei

Am 21. Juli, einem Sonntag, hatte der Ehemann gegen Mittag die Polizei alarmiert. Er gab an, er habe die Kinder übers Wochenende bei sich gehabt und frische Kleidung für sie holen wollen. Seine Frau habe aber nicht geöffnet. Er habe sie durch ein Fenster im Flur auf dem Boden liegend entdeckt. Als Todeszeitpunkt wurde der späte Samstagabend festgestellt.

Wegen der vorangegangenen Auseinandersetzungen geriet der Ehemann unter Verdacht. Zudem soll ein Verwandter der Frau behauptet haben, der Ehemann habe sie schon einmal mit einem Messer bedroht. Rechtsanwalt Giesecke: »Aber weder die Handydatenauswertung noch die Spurensuche haben irgend etwas Belastendes gegen meinen Mandanten ergeben. Hätte die Staatsanwaltschaft ihn jetzt nicht freigelassen, hätte ich das beantragt.«

Verteidiger hat einen anderen Verdacht

Nach Gieseckes Ansicht kommt ein anderer Mann als Mörder in Frage: »Die Frau hatte einen neuen Freund, von dem sie sich wieder getrennt hat. Dabei soll es einen so lauten Streit gegeben haben, dass die Nachbarn das mitbekommen haben.« Oberstaatsanwalt Meyer bestätigte, dass auch diesen Hinweisen nachgegangen werde. »Wir ermitteln gegen mehrere Verdächtige.«

Ob die Kinder, die bei der Großmutter untergekommen waren, jetzt zu ihrem (Stief-) Vater zurückkommen, war gestern noch unklar.

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