Zwei neue Bärliner
Jubel im Berliner Zoo: Panda-Zwillinge geboren

Fast nackt, blind und nur so groß wie Meerschweinchen - wirklich niedlich sehen neugeborene Pandas nicht aus. Aber für Berlin ist die Sensation perfekt: Wenn die Kleinen gesund heranwachsen, ist es der erste Panda-Nachwuchs in Deutschland.

Montag, 02.09.2019, 15:34 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 15:36 Uhr
Noch winzig klein: die neugeborenen Panda-Zwillinge. Foto: Zoo Berlin

Berlin (dpa) - Lautes Quieken im Doppelpack: Im Berliner Zoo hat Panda-Dame Meng Meng am Wochenende Zwillinge zur Welt gebracht. Sie kümmere sich liebevoll um ihren Nachwuchs. «Instinktiv ist sie eine gute Mutter», sagte Berlins Zoodirektor Andreas Knieriem.

Die Jungtiere, die nur 186 und 136 Gramm wiegen, sind auch für Deutschland eine Premiere: Im Zoo lebt seit 2017 mit Meng Meng und Jiao Qing das einzige Panda-Paar der Republik. Mit anderen Großen Pandas in Berlin waren Zuchtversuche früher nie von Erfolg gekrönt.

Die sechsjährige Bärin Meng Meng ist zum ersten Mal Mutter geworden. Unmittelbar nach der Geburt am Samstagabend hat sie laut Zoo aber sofort gewusst, was zu tun sei. Sie legte sich das erstgeborene Jungtier, das von zartem, weißem Flaum bedeckt war, behutsam auf ihren Bauch und wärmte es liebevoll mit ihren Tatzen und ihrem weichen Wangenfell. Viel Zeit zum Ausruhen blieb ihr nicht: Eine knappe Stunde später kam der zweite kleine Neubärliner hinterher - auch er fast nackt, blind und nur so groß wie ein Meerschweinchen.

Ob es Weibchen oder Männchen sind, wollte Knieriem noch nicht sagen. «Ganz frisch nach der Geburt kann man sich schnell mal täuschen», so Knieriem. «Wir haben einen Verdacht, den ich aber heute noch nicht mitteilen möchte. Warten wir noch ein paar Tage ab.» Auch Namen haben die Beiden noch nicht. Laut einer Zoo-Sprecherin müsse erst das Geschlecht sicher feststehen. Sicher sei bislang nur, dass die Bären chinesische Namen bekommen sollen. Der Zoo wolle sich um passende deutsche Spitznamen bemühen.

Laut Zoodirektor Knieriem sind die Geschwister voraussichtlich in zwei bis drei Monaten für die Besucher zu sehen. «Wenn sie ein bisschen laufen und mobil sind - das wird nicht vor Anfang November sein», so Knieriem. Die Zoobesucher werden demnach aber auf einem Monitor «immer wieder frische Bilder aus der Wochenstube bekommen».

Für das Überleben der Beiden gebe es gewisse Restrisiken. «Aber an die denken wir erst einmal nicht. Wir sind bestens vorbereitet», so Knieriem. Das größte Risiko sei die Geburt gewesen. Meng Meng habe die Schmerzen gut weggesteckt und sich rührselig um die Jungen gekümmert.

Auf dem Ultraschall war vor wenigen Tagen erst ein Embryo zu sehen gewesen. Bei Pandas liegt die Wahrscheinlichkeit von Zwillingsgeburten allerdings bei rund 50 Prozent. Dass ihre Babys so unreif zur Welt kommen, ist normal - umso größer ist aber auch die Gefahr von Komplikationen und Infektionen nach der Geburt.

In freier Wildbahn in ihrer Heimat China ziehen Pandas meist nur ein Junges auf. In Berlin bekommt die Panda-Mama deshalb Assistenz: Chinesische Tierexperten aus der Zuchtstation Chengdu, in der auch Meng Meng aufwuchs, sorgen mit Brutkästen dafür, dass es beide Minibären immer kuschelig warm haben und abwechselnd bei ihrer Mutter säugen. Nach Angaben des Zoos gibt es in China nur noch 1864 ausgewachsene Große Pandas in freier Natur. «Damit trägt jedes einzelne Jungtier bedeutend zur Erhaltung der gesamten Tierart bei», sagte Knieriem.

Auf die Anstrengung folgen für Mama Meng Meng nun erstmal Leckereien und Ruhe. Nur Panda-Papa Jiao Qing mampft weiter hinter Glas und vor den Augen der Besucher Bambus - auch in freier Natur würde er sich nicht um die Aufzucht seiner Jungen kümmern.

Trächtig oder nicht? Diese Frage bewegte Panda-Freunde genau 147 Tage lang. Zwar bekam Meng Meng eine medizinische Betreuung wie so mancher menschliche Promi - mit Schwangerschaftstests konnte sie aber nicht so viel anfangen. Die entscheidende Ultraschall-Untersuchung am 26. August ließ die 92 Kilogramm schwere Bärin nur mit Hilfe heftiger Bestechung zu: Apfelstückchen und Bambuskekse.

Doch danach waren sich Tierärzte sicher: Da ist ein Embryo zu sehen und - bum, bum, bum - es sind auch Herztöne zu hören. Nun muss nur noch alles gut gehen. Dann bleibt der Panda-Nachwuchs voraussichtlich vier Jahre im Zoo.

Meng Meng und ihr Partner Jiao Quing, was soviel heißt wie Träumchen und Schätzchen, zogen im Zoo vor zwei Jahren in ein rund zehn Millionen Euro teures Gehege im China-Look. Das Land der Mitte überlässt die putzigen Bären aus eigener Zucht nur ausgewählten Ländern. Gratis sind diese tierischen Gäste nicht: Der Berliner Zoo zahlt pro Jahr rund eine Million US-Dollar, die nach chinesischen Angaben wieder in die Panda-Zucht fließen. Und Jungtiere gehören laut Vertrag China.

Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert, dass Haltung und Zucht von Pandas in Zoos rein politische und wirtschaftliche Gründe hätten, aber keinen Beitrag zum Artenschutz leisteten. Von weltweit gezüchteten Tieren seien bis 2016 lediglich sieben ausgewildert worden - und nur fünf hätten überlebt. Solche Zahlen bestätigt auch das Leibniz-Institut für Wildtierforschung.

«Knackpunkt für das Überleben sind der Erhalt und Ausbau der Panda-Lebensräume in China», betonte Arnulf Köhncke, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Nichtsdestotrotz spielten auch Zoos für den Artenschutz eine Rolle. Sie könnten als «Arche» zur Rettung beitragen und gleichzeitig als Schaufenster der Artenvielfalt dienen.

Da sie in Liebesdingen als unerfahren galten, half der Zoo mit einer künstlichen Besamung zusätzlich nach. Bald bekam Meng Meng ziemlich oft schlechte Laune - ein erster Hinweis auf eine mögliche Trächtigkeit. Der Berliner Zoo ist in diesem August 175 Jahre alt geworden - im Jubiläumsjahr machen die Pandas ihm nun wohl das schönste Geschenk.

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