Wie Männer das Vertrauen von Mädchen gewinnen und sie zur Prostitution zwingen
Loverboys auch in OWL eine Gefahr

Düsseldorf (dpa/WB/fw). Sie schleichen sich an junge Mädchen ran und reden von Liebe. Doch »Loverboys« haben nur ein Ziel: die Mädchen in die Prostitution zu treiben. Jetzt wird verstärkt Aufklärung über die heimtückische Masche gefordert. Der NRW-Landtag setzte am Freitag sogar eine Expertenanhörung zu dem Thema an.

Samstag, 06.07.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 16:40 Uhr
Die Zahl der Opfer von Loverboys steigt. Foto: dpa

Bei der »Loverboy«-Masche spiegeln die Täter minderjährigen Mädchen eine Liebesbeziehung vor, treiben sie so in eine emotionale Abhängigkeit, um sie dann in die Prostitution zu führen. Oft entstehen diese vermeintlichen Liebesbeziehungen über soziale Netzwerke. »Loverboys sind Zuhälter, die minderjährige Mädchen im Alter bereits ab zwölf Jahren in die Prostitution zwingen«, sagt Experte Jürgen Antoni. »Loverboys sprechen von der großen Liebe, machen großzügige Geschenke, schleichen sich in den Freundeskreis ein, suchen sich ihre Opfer vor Schulen oder im Web. Opfer sind Mädchen aus ganz normalen Familien.«

Die Täter sind laut Antoni junge Männer zwischen 18 und 28 Jahren, meist ausländischer Herkunft, die nach Mädchen suchen, um sie später in Form von Zwangsprostitution auszubeuten. »Die erste Kontaktaufnahme geschieht häufig auf dem Schulhof, vor Fastfood-Restaurants, in den meisten Fällen über soziale Netzwerke wie Facebook oder Badoo.«

Oft geben die vermeintlichen Freunde vor, sie seien existenzbedrohend verschuldet und brauchten die Hilfe der Mädchen. Und sie isolieren ihre Opfer von Familie und Freunden. Wenn es den Mädchen und jungen Frauen oft erst nach Monaten oder Jahren gelinge, sich aus den emotionalen Fängen des »Loverboys« zu befreien, erstatteten sie oft aus Angst und Scham keine Anzeige, so Antoni.

Das bestätigt auch Corinna Dammeyer von der Herforder Frauenberatungsstelle Nadeschda. »Es ist schwer an die Opfer heranzukommen, weil sie von den Loverboys emotional abhängig sind.« Erfahrungen mit dem Thema hat auch der Bielefelder Verein »Mädchenhaus« gemacht: Wenn die Betroffene schon volljährig sei, werde es besonders schwierig, sie zum Ausstieg zu bewegen. Die Loverboy-Masche ist nicht nur ein Problem in Großstädten, auch in kleinen Städten wie Herford sind die jungen Männer aktiv. »Wir haben immer mal wieder Fälle«, sagt Corinna Dammeyer.

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