Kommentar zu US-Präsident Trump
Aufatmen wäre zu früh

Eigentlich ist für Donald Trump das Spiel vorbei, das „Game over“. In weniger als zwei Wochen wird Joe Biden ins Amt eingeführt.

Samstag, 09.01.2021, 00:00 Uhr
Donald Trump, Noch-Präsident der USA Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Doch nach dem Sturm auf das Kapitol herrscht berechtigterweise große Unruhe und Unsicherheit, ob man das Problem Trump einfach aussitzen kann. USA-Kenner setzen darauf, dass das Land über große Selbstheilungskräfte verfügt und bislang auch aus widrigen Situation erneuert hervorzugehen vermochte. Doch es wäre unterkomplex, einfach in den Normalmodus überzugehen. Erleichterung kann und will sich nicht einstellen. Es gibt drei Unruhefaktoren und nur einen Ruhefaktor.

Unruhefaktor eins: Bis zum 20. Januar ist es noch eine lange Zeit. Trump ist ein Narzisst und könnte auf die Kränkungen der letzten Zeit mit einem völligen Kontrollverlust reagieren. Von daher ist seine Ankündigung, nun doch eine friedliche Amtsübergabe zu gewährleisten, nicht mehr als eine Momentaufnahme. Bestenfalls geht es ihm darum, nicht als Präsident in die Geschichte einzugehen, der wegen Unfähigkeit aus dem Amt befördert wird. Denn er würde sich so auch den Weg zurück ins Weiße Haus 2024 verbauen.

Zweiter Unruhefaktor: die konkrete Erfahrung, dass Trump zu allem fähig ist. Offenbar ist seine „Exit“-Strategie, möglichst viel verbrannte Erde zu hinterlassen. Es ist verständlich, dass sich Demokraten und ein Teil der Republikaner Gedanken machen, ihn in letzter Minute aus dem Amt zu entfernen – allen Risiken zum Trotz. Es fühlt sich demokratietheoretisch falsch an, einfach nur die Temperatur herunterzukühlen.

Dritter Unruhefaktor: Trump bleibt weiter da – auch nach dem 20. Januar. Er hat ein Heer von Modernisierungsverlierern hinter sich, das er mit Verschwörungstheorien längst in eine Parallelwelt befördert hat. Er wird weiter dessen Anführer sein – wenn nicht im Weißen Haus, dann in seinem Hotel in Florida. Wenn er nicht mehr Twitter benutzen kann, findet er andere Kanäle.

Doch es gibt einen großen Ruhefaktor: Er heißt Biden. Der Präsident in spe hat sich in der Krise würdevoll präsentiert, strahlt Souveränität und den festen Willen aus, das Land zu einen. Aber es wird Zeit brauchen. Und die Demokratie muss wehrhaft sein – ihre Institutionen müssen Trump jede Minute wachsam auf die Finger schauen.

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