Kommentar zum Corona-Impfstoff
Dreifacher Jubel

An einem einzigen Tag hat sich die Ausgangslage für die Bekämpfung des Coronavirus in der EU erheblich verbessert.

Freitag, 08.01.2021, 23:48 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 23:52 Uhr
Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze. Foto: Sven Hoppe/dpa

Denn gute Nachrichten gibt es am Freitag gleich in dreifacher Hinsicht: Die Staatengemeinschaft unterzeichnet einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 300 Millionen weiterer Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Zudem dürfen aus den gelieferten Ampullen künftig sechs statt fünf Impfdosen entnommen werden. Und – mit Abstand am wichtigsten – das Vakzin wirkt laut Herstellerangaben auch gegen die aggressive Virus-Mutation, die derzeit London fest im Griff hat.

Wäre Letzteres nicht der Fall gewesen, hätte dies die Pandemiebekämpfung mindestens um Wochen, vielleicht sogar um Monate zurückgeworfen. Die Weiterentwicklung eines vorhandenen Impfstoffs ist zwar nicht besonders kompliziert, braucht aber wertvolle Zeit. Zudem wäre sie immer mit der Angst verbunden, dass folgende Mutationen auch die Wirksamkeit des modifizierten Serums umgehen. Ein anderes Problem: Bereits Geimpfte wären nicht gegen die neue Variante immun, sie müssten erneut geimpft werden.

Dieses Schreckensszenario gilt es durch eine schnelle Herdenimmunität unbedingt zu verhindern. Die Rechnung ist einfach: Sinkt die Zahl der Infizierten, hat das Virus weniger Gelegenheiten, zu mutieren.

Erleichterung verschaffen daher auch die zusätzlichen Impfdosen. Dadurch verringert sich die Abhängigkeit von Zulassungserfolgen anderer Hersteller. Außerdem können die Massenimpfungen schneller abgeschlossen werden. Das hätte die EU allerdings schon sehr viel früher haben können. Die zögerliche Haltung bei der Bestellung der Impfstoffe im Sommer kostet nun nicht nur zig Milliarden Euro an Steuergeldern, sondern auch wirtschaftliche Existenzen und Zehntausende Menschenleben. Die Produktion Hunderter Millionen weiterer Impfdosen braucht einen gewissen Vorlauf. Auf der Grundlage größerer Bestellungen hätte Biontech diese deutlich eher hochfahren können.

Doch der Konjunktiv hilft in der aktuellen Situation nicht weiter. Daher ist es gut, dass die EU ihren Fehler immerhin erkannt und – wenn auch spät – nachjustiert hat. So werden Grabenkämpfe zwischen den Mitgliedsstaaten um weitere Kontingente verhindert. Stattdessen können sie sich jeweils stärker auf ihre Impfstrategien konzentrieren. Denn auch in diesem Punkt hakt es bislang gewaltig – nicht nur in Deutschland.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7758239?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Bund schlägt Ausgangsbeschränkung vor - Schule nur mit Tests
Der Bund hat Vorschläge für einheitliche Corona-Einschränkungen gemacht.
Nachrichten-Ticker