Kommentar: Trump legt die USA in Trümmer
Ein Akt der Zerstörung

Wenn es noch eines letzten Beweises bedurfte, welchen Schaden Donald Trump seinem Land im Speziellen und den westlichen Demokratien ganz allgemein zugefügt hat, so ist er erbracht. Ein US-Präsident, der dem Sturm auf das Kapitol erst systematisch Vorschub leistet, und dann viel zu lange benötigt, um seinen „Anhängern“ Einhalt zu gebieten: Das ist beispiellos in der Geschichte der Weltmacht USA.

Freitag, 08.01.2021, 02:22 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 08:08 Uhr
Symbolbild Foto: dpa

Die Vorgänge machen fassungslos, sie treffen die Vereinigten Staaten ins Mark. Und sie wirken weit über diesen 6. Januar 2021 hinaus. Am schlimmsten aber: Chinesen und Russen werden sich die Hände reiben ob der brutalen Attacken auf das Herz der US-amerikanischen Demokratie, die in den Stunden der Belagerung nicht nur wenig wehrhaft, sondern regelrecht hilflos, ja fast bemitleidenswert wirkte.

Man kann sich lebhaft vorstellen, mit welch Häme und Spott beispielsweise ein Wladimir Putin die Bilder aus Washington kommentiert haben dürfte, denn „so etwas würde es auf dem Roten Platz nicht geben“.

Ein formaler Akt auf dem Weg des Machtübergangs von einem US-Präsidenten zum nächsten eskaliert auf unvorstellbare Weise. Bürgerkriegsähnliche Szenen spielen sich ab, es gibt Tote und Verletzte. Und zerstört wird weit mehr als Mobiliar und Gebäude – zerstört wird der Glaube daran, dass die Vereinigten Staaten von Amerika, all ihren Schwächen und historischen Fehlern zum Trotz, doch auch immer noch ein leuchtendes Vorbild für den Rest der Welt sein können.

Diesen Akt der Zerstörung hat Donald Trump vielleicht nicht unmittelbar inszeniert, aber er hat ihn auf übelste Weise orchestriert. Seine neuerliche Ankündigung, sich nicht mehr gegen die Amtsübergabe am 20. Januar sperren zu wollen, ändert daran nichts. Nach wie vor stehen die stets unbewiesen gebliebenen Behauptungen von der manipulierten Wahl im Raum. Trump hinterlässt seinem rechtmäßigen Nachfolger Joe Biden und dem gesamten Land so das schwerste überhaupt vorstellbare Erbe. Würdeloser kann ein Präsident nicht aus dem Amt scheiden.

Vor Biden aber liegt eine Aufgabe, die größer nicht sein könnte. Die nun auch im Senat errungene Mehrheit mag dem Demokraten das Regieren auf der administrativen Ebene erheblich erleichtern, die Wunden des Bürgerkriegs vor und im Kapitol aber sind allein damit nicht zu heilen. Donald Trump hat die USA in Trümmer gelegt.

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