Kommentar zu Kliniken in der Corona-Pandemie am Limit
Nur ein verlängerter Lockdown hilft

Die Zahl an Neuinfektionen ist anhaltend hoch – sie dürfte angesichts geringerer Tests über die Feiertage tatsächlich sogar höher sein als gemeldet. Jeder Fall bedeutet ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die betroffene Person. Nur ein verlängerter Lockdown ist geeignet, die Krankenhäuser vor dem Kollaps zu bewahren.

Freitag, 01.01.2021, 21:45 Uhr aktualisiert: 01.01.2021, 21:50 Uhr
Eine wegen der Corona-Schutzmaßnahmen geschlossene Gaststätte (Symbolbild). Foto: imago images/IPA Photo

Das Klinikpersonal leistet außergewöhnliche Arbeit, kämpft aber an der Erschöpfungsgrenze. Jede Lockerung nach dem 10. Januar wäre ein Schlag ins Gesicht der vielen Pflegekräfte und Ärzte. Dabei hilft auch nicht die etwas populistische Debatte rund um die Finanzen der Krankenhäuser. Dass konkrete Engpässe für die Bezahlung der Gehälter drohen, muss die Krankenhausgesellschaft noch genauer darlegen.

Zugleich hilft es wenig, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn wie ein Getriebener wirkt, indem er schnell eine Gehältergarantie ausspricht, für die er eigentlich gar nicht zuständig ist – und die wohl kaum innerhalb der Bundesregierung abgestimmt gewesen sein dürfte. So etwas stiftet eher Verunsicherung.

Richtig aber ist, dass die Kliniken dringend mehr Unterstützung brauchen, um die finanziellen Nachteile durch die Behandlung so vieler Covid-Patienten ausgleichen zu können. Bereits vor Monaten wurden Forderungen laut, dass es Vorgaben brauche, ab welchem Inzidenzwert der operative Betrieb eingeschränkt werden soll und in welchem Maße. Doch zugleich hätten Bund und Länder für finanzielle Kompensationen sorgen müssen. Das derzeit gültige System, wonach das die Länder weitgehend tragen sollen, funktioniert nur schlecht. Die Folge: Die Koordinierung freier Bettenkapazitäten ist komplizierter als nötig.

Dabei ist die Verfügbarkeit von Krankenhauskapazitäten ein entscheidender Vorteil Deutschlands im Kampf gegen die Pandemie. Dieses Pfund nicht optimal zu nutzen, wäre angesichts der tödlichen Bedrohung durch das Virus nicht vermittelbar. Bleibt nur zu hoffen, dass die Lockerungen rund um Weihnachten nicht dazu geführt haben, dass wir wieder ein exponentielles Wachstum beobachten müssen, wenn erst mal alle Daten wie gewohnt beim Robert-Koch-Institut ankommen.

Und so schmerzhaft es ist: Wer jetzt eine Öffnungsdebatte anheizt, schürt falsche Hoffnungen. 2021 muss besser werden als 2020. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass dies mit verfügbarem Impfstoff und mehr Kenntnissen über das Virus gelingen kann. Handwerkliche Fehler der Politik dürfen das nicht gefährden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7747788?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Kremlgegner Nawalny aus Berlin abgeflogen
Kremlgegner Alexej Nawalny und seine Ehefrau Julia auf dem Flug nach Moskau.
Nachrichten-Ticker