Kommentar zur Lufthansa-Ankündigung
Doppelte Krise

Die Airlines rund um den Globus stecken in einer existenzbe­drohenden Misere. Nicht nur der Geschäftseinbruch durch die aktuelle Corona-Pandemie hat verheerende Auswirkungen, sondern der massive Gegenwind des wachsenden Umweltbewusstseins verdüstert auch die langfristige Perspektive der Branche.

Freitag, 07.08.2020, 04:33 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 05:01 Uhr
Symbolbild. Foto: Boris Roessler/dpa

Die Ankündigung des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr, im Jahr 2024 wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können, erscheint da wie das Pfeifen im Walde. Spohr müsste wissen, dass die Pandemie ein Umdenken der Menschen in Gang gesetzt oder in manchen Fällen beschleunigt hat. Urlaub im eigenen Land, weniger Dienstreisen – diese Trends werden die Kranich-Airline wie alle ­anderen Fluggesellschaften dauerhaft belasten.

Die Androhung betriebsbedingter Kündigungen ist zwar auch ein taktisches Manöver zur Verunsicherung der Gewerkschaften in den Krisen-Verhandlungen. Doch der globale Luftverkehr steht tatsächlich vor einer Zäsur. Kündigungen sind deshalb wohl unvermeidlich. Hinzu kommt, dass die Lufthansa im harten Kampf mit den Wettbewerbern aus dem Nahen und Fernen Osten schon seit Jahren ins Hintertreffen geraten war.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 07.08.2020 08:10
Lufthansa
Wenn man den Kunden- und damit den Geldverlust dadurch ausgleichen will, indem man ein Teil der Belegschaft freisetzt, dann ist das böse Ende nicht nur wahrscheinlich, sondern schlicht unausweichlich. Wurde nicht auch Air Berlin so hingerichet. Als seinerzeit die Lufthansa privatisiert wurde, waren Dauerstreiks, Lohnkürzungen und verschlechterte Arbeitsbedingungen die Folge. Schon damals war es aus mit den "grossartigen Bedingungen" für die Belegschaft und der "grossartigen Erfolgsquote". Nun spricht Spohr wieder einmal über eine Radikalkur. Man kann zwar davon ausgehen, dass die Lufthansa nicht untergehen wird, aber ein Durchstarten in den nächsten vier Jahren erscheint aus der heutigen Sicht utopisch zu sein. Auch die Milliardenspritze des Staates wird allenfalls dafür reichen, die Aktionäre zu bedienen. Ferner besteht ja auch noch die Möglichkeit, einen Teil der Flotte an die Araber zu verscherbeln. Das bereinigt die Aktiva und verhindert den totalen börslichen Absturz.
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